Christa-Šerić-Geiger-Preis für Lisa Federle
Pandemieärztin nutzt Preisgeld für eigene Stiftung

Die Tübinger Pandemieärztin Dr. Lisa Federle mit dem Christa-Šerić-Geiger-Preis
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  • Foto: Carl-Friedrich-Geiger-Stiftung
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Kehl (st). Der zum ersten Mal verliehene Christa-Šerić-Geiger-Preis ging jetzt an die Tübinger Pandemiebeauftragte Dr. Lisa Federle. Die Medizinerin nutzt die 20.000 Euro Preisgeld für ihre gerade im Entstehen begriffene eigene Stiftung, die sie gemeinsam mit Sarah Hoerr initiiert – der Frau des Curevac-Gründers Ingmar Hoerr. Geplant ist die Versorgung armer Länder mit einen Coronaimpfstoff.

Am vergangenen Samstag erhielt die Tübinger Pandemiebeauftragte Dr. Lisa Federle in kleinem Rahmen den Christa-Šerić-Geiger-Preis. Die Degeto-Geschäftsführerin und designierte ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hielt dabei die Laudatio auf die für ihre Coronatest-Strategie fast schon zur Legende gewordene Ärztin. Ihre Rede hätte zugleich Manifest für den 48 Stunden später stattfindenden Weltfrauentag am 8. März sein können: „Wir müssen das Wirken von Frauen sichtbar machen. Und Preise machen dieses Wirken sichtbar“.

Die Carl-Friedrich-Geiger-Stiftung ist zwar nach einem Mann benannt – ins Leben gerufen hat die Stiftung aber seine Tochter: Christa Šerić-Geiger. Die Premiere des nach ihr benannten und erst im vergangenen Jahr zum ersten Mal ausgelobten Preises geriet nicht nur zu einer Stunde der Frau, sondern zur Stunde dreier Frauen. Sie vereinen gleich mehrere Eigenschaften: Sie wirkten und wirken in ihrem Leben. Sie machen das Wirken von Frauen sichtbar. Und auch, wenn Christine Strobl mit folgendem Satz Lisa Federle beschreibt, gilt er doch für alle drei Frauen gleichermaßen: „In dem Moment, in dem man sie kennenlernt, springt ihr Wesen auf einen über“.

Christine Strobl bezeichnete Lisa Federles Lebensweg als „im besten Sinne unkonventionell“. Die 60-jährige Tübingerin, die derzeit zum Medienstar avanciert, hat ihre vier Kinder alleine aufgezogen. Als Teenager hatte sie zunächst die Schule abgebrochen, arbeitete in der Gastronomie, holte das Abitur mit 29 Jahren nach und schloss ihr Medizinstudium mit 37 mit Promotion ab. Die Notfallärztin und Tübinger DRK-Präsidentin ist Pandemiebeauftragte des Landkreises und machte bereits im vergangenen Jahr in der Coronakrise mit ihrer rollenden Fieberambulanz von sich reden. Ihre Teststrategie in der Pandemie ist derzeit beispielgebend. Dazu Christine Strobl: „Sie hat sich an keine Regeln gehalten. Sie hat auf nichts gewartet. Sie hat einfach immer losgelegt. Und was sie tut, tut sie mit Herz. Und wenn mir irgendetwas passieren sollte, dann möchte ich, dass diese Notfallärztin mich rettet!“

Dr. Michael Strickmann, Vorsitzender des Kuratoriums der Carl-Friedrich Geiger Stiftung, holte in seiner Rede über die Namensgeberin des Preises mehr als die Erinnerung an eine Unternehmerin und starke Frau zurück: „Ihr Markenzeichen war das Herz und stand für die Grundeinstellung des eigenen Handelns: Dinge nicht mit dem Blick auf den erhofften Eigennutzen, sondern aus persönlicher Überzeugung zu tun. Menschen, die diese Werte teilten, war sie nicht nur zugetan, sondern unterstützte sie, wo sie nur konnte.“ Die zentrale Triebfeder der Stiftungsgeberin sei sicherlich der Gedanke von gesellschaftlicher Solidarität gewesen, so Strickmann weiter. Und auch in schwierigen Zeiten habe sie weder den Kopf und schon gar nicht die Würde verloren.

Zumindest symbolisch aus den Händen des Stiftungsvorsitzenden Fadil Šerić und Dr. Michael Strickmann erhielt Lisa Federle eine Statue des Künstlers Alija Rešić sowie einen Scheck in Höhe von 20.000 Euro. Die Preisträgerin war sichtlich bewegt und zeigte sich überzeugt: „Hätte ich Christa Šerić-Geiger kennengelernt – wir hätten uns bestimmt gut verstanden.“ Wie sehr Gutes das Gute anzieht, macht die Tatsache deutlich, für was Lisa Federle das Preisgeld verwenden wird: Derzeit initiiert sie eine Stiftung mit Sarah Hoerr, der Frau des Tübinger Curevac-Gründers Ingmar Hoerr. Die Stiftung soll dafür Sorge tragen, dass auch in ärmeren Ländern gegen das Coronavirus geimpft werden kann: „Wir sind in Deutschland nicht alleine mit der Pandemie und werden diese nur bekämpfen, wenn wir auf der ganzen Welt werden impfen können. Das Geld wird deshalb in Afrika verimpft werden“, so Federle.

Per Videobotschaft gratulierte auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der Federle lobte: „Sie haben mit dem Preis eine Praktikerin ausgezeichnet, die nach dem Weg zum Ziel sucht und nicht auf die Steine schaut, die da vielleicht im Weg liegen“. Und auch der Tübinger Landrat und Präsident des Landkreistags, Joachim Walter, war zugeschaltet: „Sie haben mit dem Preis genau die Richtige ausgewählt – Glückwunsch!“

Die Tübinger Pandemieärztin Dr. Lisa Federle mit dem Christa-Šerić-Geiger-Preis
Am Samstag wurde der von Christa Šerić-Geiger-Preis zum ersten Mal verliehen. Geehrt wurde Dr. Lisa Federle (2. v. r.). Sie nahm den Preis entgegen vom Vorsitzenden des Stiftung-Kuratoriums Dr. Michael Strickmann (v. l.) und dem Stiftungsvorsitzenden Fadil Šerić - Grußworte sprach der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano.
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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