24-Stunden-Schicht für Jungfeuerwehrleute
Action live

Geschafft: die Jugendfeuerwehr nach der 24-Stunden-Übung

Kehl. Personenrettung aus verrauchtem Raum, Verkehrsunfall mit eingeklemmtem Fahrer, vermisste Person im Wald, ein umgestürzter Baum, Beseitigung einer Ölspur und ein offenes Feuer: Bei sieben Einsätzen in 24 Stunden waren die 31 Mitglieder der Jugendfeuerwehr richtig gefordert; an Schlaf war kaum zu denken. Doch die 26 Jungen und fünf Mädchen machten ihre Sache so gut, dass Feuerwehrkommandant Viktor Liehr und der Leiter der Jugendfeuerwehr Christian Findling am späten Samstagnachmittag „begeistert und voller Stolz“ sind: Für ihr Alter seien die Nachwuchsfeuerwehrleute top geschult, der Zusammenhalt in der Gruppe stimme und alle packten mit an – auch wenn es nach dem Einsatz ans Aufräumen gehe.

Samstag, 13.45 Uhr. Den meisten der jungen Feuerwehrleute, die im Hof der Kehler Feuerwache zusammenkommen, ist die Müdigkeit anzumerken. Einige versuchen tapfer, das Gähnen zu unterdrücken, während Christian Findling Erklärungen gibt und Anweisungen erteilt. 13.55 Uhr, Alarm: Auf dem Gelände des städtischen Betriebshofs ist ein Feuer ausgebrochen. Die Jungfeuerwehrleute eilen zu den Autos; jeder und jede weiß sofort, welchem Fahrzeug er oder sie zugeordnet ist. Mit Martinshorn und Blaulicht wird ausgerückt; es dauert etwas, bis die Autofahrer auf der Läger-Tangente im samstäglichen Einkaufsverkehr die Einsatzfahrzeuge durchlassen.

Auf dem Gelände des Betriebshofs steht ein aus Holzpaletten aufgeschichteter Turm in hellen Flammen. Ohne Hektik, fast routiniert, rollen die Jungen und Mädchen Schläuche aus und stellen zügig die Wasserversorgung her. Nach wenigen Minuten heißt es „Wasser marsch“, die Jugendfeuerwehrleute bekämpfen den Brand von drei Seiten – begleitet vom Beifall der Eltern und den Geschwistern, die zu diesem Einsatz am Berufsfeuerwehrtag eingeladen sind.

„Nicht näher ran, nicht näher ran“, gibt Christian Findling Anweisungen, auch die Stellvertretende Leiterin der Jugendfeuerwehr Sandra Fien achtet darauf, dass die Kinder und Jugendlichen sich nicht in Gefahr bringen und sich ähnlich professionell verhalten wie die erwachsenen Routiniers. Und wie diese ziehen sie die abgelöschten, aber noch rauchenden Palettenreste mit Gabeln auseinander, verteilen sie auf der Suche nach Glutnestern großflächig und löschen sie dann zur Sicherheit mit einem Wasserstrahl aus einem Rohr nochmal ab.

Während die Schläuche wieder eingerollt werden, geht es ans Aufräumen: Was von den Paletten noch übrig ist, wird in einen Container geworfen; auch der aus Holz, Ruß und Löschwasser entstandene Brei wird in Wannen gefüllt und zum Container gebracht.

Wie für die erwachsenen Feuerwehrleute ist auch für die Jugendlichen der Einsatz noch nicht zu Ende, als sie wieder auf dem Gelände der Feuerwache angekommen sind: Schläuche müssen zum Waschen vorbereitet werden, die Autos sind zu säubern und mit allen notwendigen Gerätschaften wieder so zu bestücken, dass sie beim nächsten Alarm wieder einsatzfähig sind.

Fast 24 Stunden sind die Jungen und Mädchen, die unterschiedliche lange zum Team der Jugendfeuerwehr gehören, inzwischen im Einsatz. Am Freitag um 17 Uhr war Dienstantritt und Einkleidung: Alle 31 Kinder und Jugendliche, die am Berufsfeuerwehrtag teilnehmen, haben ihre Hosen, Stiefel, Schutzhelme und neue, von der Stadt gerade angeschaffte Parkas, die warm und wasserdicht sind. Nachdem das Schlaflager eingerichtet ist, werden die Jungen und Mädchen den einzelnen Einsatzfahrzeugen zugeteilt. Genau wie die aktiven freiwilligen Feuerwehrleute werden sie mit den Funktionen der Autos vertraut gemacht und lernen außerdem, was der Feuerwehrangehörige in seiner jeweils ihm zugeteilten Rolle an Gerätschaften braucht.

Die Einführung läuft noch, als um 20.30 Uhr der erste Alarm eingeht: Gemeldet wird ein Gebäudebrand; eine Person wird im Haus vermutet. Christian Findling hat dafür gesorgt, dass ein Raum im leerstehenden Kindergarten Storchennest mit Diskonebel gefüllt wurde – die jungen Feuerwehrleute gehen mit Atemschutzgeräten, jedoch ohne die auch für Erwachsene belastenden Masken, ins Gebäude. Drinnen und draußen wird gelöscht, während die Atemschutzträger die vermisste Person suchen und retten. Um 21.30 Uhr ist der Einsatz beendet.

Um 22 Uhr ist eigentlich Nachtruhe, doch von den jungen Feuerwehrleuten findet kaum einer Schlaf. „Diejenigen, die im vergangenen Jahr schon dabei waren, wussten, dass nachts ein Einsatz kommt“, schmunzelt Christian Findling. Also warten einige der erfahreneren Jugendwehrangehörigen bereits in Einsatzkleidung auf das Signal, um dann möglichst schnell am Fahrzeug zu sein. „Eigentlich wissen sie ja, dass es erst losgeht, wenn alle bereit sind“, amüsiert sich Christian Findling über so viel Eifer. Um 1 Uhr ist es soweit: Auf der ehemaligen B28 ist ein Autofahrer auf ein stehendes Objekt aufgefahren und wurde eingeklemmt. Während ein Teil der jungen Feuerwehrleute im strömenden Regen mit hydraulischem Gerät die Autotür öffnet, leuchten die anderen die Einsatzstelle mit Scheinwerfern taghell aus. „Es gab sehr viele Parallelen zu einem realen Einsatz“, stellt Viktor Liehr fest. Nach 40 Minuten haben die neuen Parkas ihren Ersteinsatz im Regen erfolgreich bestanden und die Jugendfeuerwehrleute sind trocken, aber müde in der Feuerwache zurück. Nachdem die Fahrzeuge klargemacht sind, gehen um 2.20 Uhr die Lichter aus. „Dann war alles ruhig“, sagt Christian Findling.

Um 6.30 Uhr ist die Nachtruhe zu Ende. Das Nachtlager wird zusammengepackt, um 7 Uhr gibt’s Frühstück, gerade noch rechtzeitig, bevor der nächste Alarm ausgelöst wird: In Auenheim wird eine Person vermisst, es ist zu befürchten, dass sie sich in einer hilflosen Lage befindet. Am Sportplatz werden die jungen Feuerwehrleute in Fünfer- und Sechser-Gruppen eingeteilt und machen sich mit Lampen und Funkgeräten ausgestattet auf die Suche. Die Gruppen müssen untereinander Kontakt halten und ihren jeweiligen Standort ständig durchgeben. Nach 20 Minuten ist der Vermisste gefunden.

Kaum zurück in der Wache steht Dienstsport auf dem Plan. Der Trainer Philipp Waßmuth von Sport-Physio-Offenburg, der auch die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kehler Feuerwache fit hält, bringt den Nachwuchs ziemlich an seine Leistungsgrenzen, berichtet Viktor Liehr, während ein Lächeln seine Mundwinkel umspielt. Zum Durchatmen oder gar Ausruhen bleibt keine Zeit: In Odelshofen ist ein Baum auf die Straße gestürzt und muss mit Handsägen in transportable Einzelteile zerlegt werden; in Goldscheuer beim Badhiesel wird fast zeitgleich eine Ölspur gemeldet. Die allerdings wurde mit Naturalien simuliert; die Kinder und Jugendlichen können die Straße mit Wasser und mit Besen reinigen.

Das einhellig gelobte Mittagessen haben sich die jungen Einsatzkräfte redlich verdient. Zubereitet worden ist es vom Malteser Hilfsdienst aus Offenburg, der daraus eine Übung für seine Leute gemacht hat. „Es war nichts mehr übrig“, berichtet Christian Findling. So gestärkt, geht es dann in den Brandeinsatz beim Betriebshof. Am Ende des 24-Stunden-Dienstes werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer allesamt mit den Feuerwehrfahrzeugen nach Hause gebracht.

Die neue, vor einem Monat in Kraft getretene Feuerwehrsatzung macht es bereits Zehnjährigen möglich, in die Jugendfeuerwehr einzutreten. Fünf der jüngsten Neulinge waren beim Berufsfeuerwehrtag bereits dabei. Die Jugendfeuerwehr ist offen für Jungen und Mädchen im Alter bis zu 17 Jahren; ein Beitrag wird nicht erhoben. Geprobt wird jeden zweiten Donnerstag um 19 Uhr in der Wache in Kehl. In allen Kehler Ortschaften gibt es Sammelpunkte, wo die Kinder und Jugendlichen abgeholt und nach Kehl gefahren werden. Alle Mitglieder der Jugendfeuerwehr, auch die aus der Kernstadt, werden nach Abschluss des Übungsabends mit den Feuerwehrfahrzeugen nach Hause gebracht. Wer mitmachen möchte, kann sich an Christian Findling (Telefon 0162/4303875; jugend@feuerwehr.kehl.de) wenden, oder einfach bei einer Probe reinschnuppern. Die Termine für die Proben finden sich unter www.feuerwehr.kehl.de.

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