Neuer Kindergarten wird mit Eis geheizt
Nachhaltiges Bauprojekt in Kehl

Der neue Kindergarten in Sundheim wird besonders nachhaltig. Im Mai wird er eröffnet.
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  • Foto: Stadt Kehl
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Kehl (st). In der neuen Kindertageseinrichtung in Kehl-Sundheim wird mit Eis geheizt: Mit Hilfe einer Wärmepumpe wird die sogenannte Kristallisationswärme im Gebäude verteilt, die dann entsteht, wenn Wasser vom flüssigen in den gefrorenen Zustand übergeht. Der sechsgruppige Kindergarten wird in einem zertifizierten Passivhaus untergebracht, das die Stadt derzeit für eine Bausumme von rund 4,5 Millionen Euro errichtet.

Wenn null Grad kaltes Wasser zu null Grad kaltem Eis werde, wird genauso viel Energie frei, wie man benötige, um null Grad kaltes Wasser auf 80 Grad zu erhitzen, erläutert die städtische Energiemanagerin Eva-Maria Löhrmann. Dieser Umstand wird bei der ersten Eisspeicherheizung in einem städtischen Gebäude genutzt.

Notwendig sind dafür zwei imposante, vier Mal vier Meter große und 2,70 Meter hohe Betonhohlkörper, die auf der Baustelle vor dem künftigen Kindergarten am Sundheimer Kreisel errichtet worden sind. In dem das Erdreich im Innern der Betonkörper ausgebaggert wird, versenken sie sich selber Stück für Stück im Boden. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels im Bereich der Baustelle ist dies für den Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Michael Heitzmann, ein optimales Verfahren: „Ansonsten hätten wir eine wasserdichte Wanne für die Eisspeicher bauen müssen, was viel teurer gekommen wäre.“ Erst wenn die Betonhohlkörper in ihrer endgültigen Position angekommen sind, wird die Bodenplatte betoniert.

Im Winter fließt Wasser, das als Wärmeträger fungiert, innerhalb einer Leitung durch die Behälter, entzieht dem Wasser im Behälter die Wärme, so dass dieses nach und nach gefriert und fließt zurück zur Wärmepumpe. Die Wärmepumpe gibt die Wärme aus dem Eisspeicher an den Heizungskreislauf des Gebäudes ab und das abgekühlte Medium fließt wieder in den Eisspeicher. „Am Ende der Heizperiode sind beide Behälter mit Eisklötzen gefüllt“, erläutert Eva-Maria Löhrmann.

Den Sommer über werden die beiden Eisblöcke wieder aufgetaut: Auf dem Dach des Abstellraumes für Fahrräder und Kinderwagen werden Kollektoren angebracht, welche die Wärme der Sonne und der warmen Umgebungsluft auf ein Wärmeträgermedium übertragen. Dieses Medium wird schließlich in den Eisspeicher geleitet, um das Eis dort langsam abzuschmelzen. Im Prinzip könnte man den Prozess des Abschmelzens des Eises auch zur Kühlung des Kindergartengebäudes nutzen, sagt Michael Heitzmann, notwendig ist das jedoch nicht: Das Passivhaus mit extensiver Dachbegrünung und vorgebautem Laubengang heize sich im Sommer nicht zu sehr auf.

Passivhaus darf sich ein Gebäude nur dann nennen, wenn weniger als 15 Watt Energie pro Quadratmeter und Jahr verbraucht werden. Die Stadt hat sich in ihrem Klimaschutzkonzept dazu verpflichtet, alle Neu- und Anbauten an bestehende Gebäude als Passivhäuser auszulegen, auch wenn der Bau ungleich komplizierter ist als beispielsweise bei Niedrigenergie-Häusern. „Die Anforderungen sind riesig“, sagt Michael Heitzmann und nennt ein Beispiel: So können die Decken im Gebäude nicht auf den Wänden aufliegen, sondern müssen über Kreuzverbindung verschraubt werden, weil die luftdichte Bahn, die auf die Wände aufgebracht wird, nicht durchlöchert werden darf.

Mit Gebäuden wie dem Kindergarten Sundheim oder dem Krippenanbau in der Kindertageseinrichtung Niedereich wolle die Stadt eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen, betont Michael Heitzmann. Er geht davon aus, dass die Stadt Kehl damit vorwegnimmt, was bei der nächsten Novellierung der Energieeinsparungsverordnung ohnehin zu erwarten sei: dass Passivhäuser Standard werden.

Der Kindergarten Sundheim, der im Mai eröffnet werden soll, verfügt über vier Gruppenräume für Drei- bis Sechsjährige und zwei Gruppenräume für Krippengruppen. Insgesamt beträgt die Nutzfläche 1217 Quadratmeter. Die Größe der Außenflächen beläuft sich auf etwa 3900 Quadratmeter, dazu kommt eine Dachterrasse mit 325 Quadratmetern. Die Baukosten summieren sich auf rund 4,5 Millionen Euro; darin enthalten sind 500 000 Euro für die Außenanlage, die Eingangsbereiche und die Parkplätze.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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