Fachberatungsstelle seit 15 Jahren
Für Opfer von Menschenhandel sind

Die Kehler Beratungsstelle berät Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, zu Ausstieg und Perpektiven.
  • Die Kehler Beratungsstelle berät Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, zu Ausstieg und Perpektiven.
  • Foto: Polizeiliche Kriminalprävention (Symbolbild)
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (rek). Die Fachberatungsstelle "FreiJa" arbeitet in Kehl und Freiburg mit und für Betroffene von Menschenhandel, denn dieser sei "zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und ist eine Form der modernen Sklaverei", so eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle. "Unter Ausnutzung der Hilflosigkeit und Zwangslage werden Personen, meist Frauen, zur Prostitution und anderen sexuellen Dienstleistungen gezwungen und dabei ausgebeutet", klagt die Mitarbeiterin, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte. Die Beratungsstelle gibt es inzwischen seit 15 Jahren.

Die Diakonie, Trägerin der Fachberatungsstelle, versteht die Arbeit mit Opfern von Menschenhandel als eine ihrer originären Aufgaben: Lobbyarbeit zu machen für die, deren Stimme nur schwer Gehör findet, mit dem Ziel, Hilfesysteme aufzubauen und zu verbessern. Für die Beratung sind eine Haltung und ein Menschenbild wesentlich, die Betroffene wieder als selbstbestimmt Handelnde in den Fokus nimmt. "Lebensweltorientierung, Transparenz, Freiwilligkeit und Empowerment haben einen besonderen Stellenwert in der Beratungspraxis", erklärt die Mitarbeiterin.

Die Bekämpfung von Menschenhandel beruht in Deutschland bislang hauptsächlich auf der strafrechtlichen Verfolgung der Täter. "Die Rechte der Opfer stehen dabei wenig im Vordergrund. In unserer Beratung und Begleitung von Betroffenen von Menschenhandel setzen wir den Fokus auf die Geltendmachung ihrer Rechte. Darüber hinaus unterstützen wir die umfassende Strategie zur Stärkung der Rechte der Betroffenen aller Formen von Menschenhandel und Ausbeutung", lautet das Credo der Beratungsstelle.

In 15 Jahren sei es gelungen, die Fachberatungsstelle an zwei Diakonie-Standorten in Kehl und Freiburg fest zu implementieren. Dadurch ist ein interdisziplinäres, flächendeckendes und grenzüberschreitendes Beratungs- und Hilfesystem entstanden. Betroffene Frauen werden unterstützt, sich aus Abhängigkeitsstrukturen und Gewaltverhältnissen zu lösen und Perspektiven für ein Leben jenseits von Ausbeutung und Misshandlung zu entwickeln. "FreiJa" berate langfristig oder als Krisenintervention anonym, vertraulich, kostenlos, von staatlichen Institutionen unabhängig und ganzheitlich. Betroffene werden bei der Klärung ihrer Perspektiven unterstützt, sei es die Rückkehr ins Heimatland oder eine Alternative in Deutschland zu finden. Bei Bedarf werden Opferzeuginnen im Gerichtsverfahren begleitet.

Um Betroffenen den Kontakt zu "FreiJa" zu erleichtern, sind die aufsuchende Arbeit im Milieu und die Vernetzung mit Kriminalpolizei, Gesundheits- und Ordnungsämtern, Ärzten, Psychologen, Dolmetschern, Anwälten, weiteren Beratungsstellen und insbesondere auch mit Hilfsorganisationen aus Frankreich und der Schweiz sowie in den Herkunftsländern der Betroffenen wichtig.

In Kehl besteht die besondere Situation, dass durch die Sperrbezirksverordnung Prostitution verboten ist, aber durch die Nähe zu Straßburg einige Frauen in Straßburg auf dem Straßenstrich arbeiten.

Im vergangenen Sommer fand in Nancy ein großer Strafprozess gegen einen bulgarischen Menschenhandelsring statt, der Frauen in der Prostitution in Straßburg und Annecy ausgebeutet hatte. Einige Betroffene waren dabei im Ortenaukreis untergebracht und zur Prostitution in Straßburg gezwungen worden. "FreiJa" begleitete eine Opferzeugin zu ihrer Aussage nach Nancy. Daneben sind seit 2016 viele der Klientinnen von "FreiJa" in Unterkünften für Geflüchtete in Kehl, im gesamten Ortenaukreis und darüber hinaus untergebracht. Sie stammen größtenteils aus Westafrika und wurden dort von Menschenhändlern angeworben, um in europäischen Ländern, manchmal auch in Deutschland, zur Prostitution gezwungen zu werden. ",FreiJa' setzt sich dafür ein, dass Betroffene ein Bleiberecht bekommen und unterstützt sie dabei, sich ein neues Leben in Sicherheit aufzubauen", nennt die Mitarbeiterin das zentrale Ziel der Beratungsstelle.

Kontaktdaten

  • "FreiJa" Kehl, Diakonisches Werks
  • Marktstraße 3, 77694 Kehl
  • Telefon 07851/7086620
  • Mobil 0160/92798046
  • Mail: freija@diakonie-ortenau.de
  • Internet
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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