Claus Preiss im Porträt
Mit Empathie, nicht mit Wurzelrechnen punkten

Claus Preiss genießt das Leben ohne Terminstress und bleibt der Region rund ums Hanauerland und den Menschen weiter verbunden.
  • Claus Preiss genießt das Leben ohne Terminstress und bleibt der Region rund ums Hanauerland und den Menschen weiter verbunden.
  • Foto: Michael Bode
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl. "Die Formulierung, noch etwas schnell erledigen, habe ich aus meinem Sprachschatz gestrichen", sagt Claus Preiss, lehnt sich während des Gesprächs in seinem Sessel zurück und genießt seinen Cappuccino. Damit ist die Frage nach dem Loslassen an den nach 20 Jahren als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Bühl ausgeschiedenen Preiss schnell beantwortet. "Alles, was man gerne macht, ist kein Stress", betont der Ruheständler, der im Dauereinsatz war: "24 Stunden an sieben Tagen in 52 Wochen im Jahr. Da blieb neben der Familie kein Platz für weitere Hobbys", ist der 64-Jährige froh, nun Herr seines eigenen Terminkalenders zu sein.

Vor etwas mehr als 48 Jahren beginnt der im Kehler Ortsteil Leutesheim geborene Preiss nach dem Realschul-Abschluss seine Ausbildung bei der Volksbank. 13 Jahre und die entsprechenden Weiterqualifikationen etwa bei der Industrie- und Handelskammer sowie der Akademie der Deutschen Genossenschaftsbanken später ist Preis stellvertretender Leiter der Kehler Filiale, 1996 deren Direktor. Dann geht es im Drei-Jahres-Rhythmus weiter: 1999 die Berufung in den Vorstand der Volksbank Bühl und 2002 die Ernennung zu deren Vorsitzenden.

Aktiv betrieben hat Preiss in jungen Jahren das Angeln im Verein, die Ausrüstung gibt es noch. Zehn Jahre hatte er sich zudem für den Zivilersatzdienst bei der Freiwilligen Feuerwehr verpflichtet. "Eine tolle Gemeinschaft", lautet seine durchweg positive Erinnerung. Heute sind es eher die passiven Hobbys, die ihn begeistern: Ob als Inhaber einer Dauerkarte für den Zweitligisten Karlsruher SC, regelmäßiger Besucher bei Borussia Dortmund oder bei den Spielen seiner drei Söhne. "Eine Halbzeit in Leutesheim und die andere im Rheinstadion beim Kehler FV" stehen während der Saison auf seinem Wochenend-Plan. Die Tochter des geschiedenen Claus Preiss lebt in München. Zu seinen passiven Leidenschaften zählt Preiss weiter die in der Garage stehenden Motorräder und inzwischen das Skifahren, auch wenn er gerade erst aus seinem Winterurlaub im Wallis zurückgekehrt ist: "Jedes Mal, wenn ich dort einen Hubschrauber durch die Berge fliegen sehe, denke ich, dass es auch mich treffen könnte."

Finanzen, Soziales oder Architektur

Drei Berufsfelder schweben Preiss in der Jugend vor: etwas mit Finanzen, Architektur oder Soziales. Es wird dann doch die Bank. Allerdings erinnert sich Preiss daran, dass es anfangs einen Tritt in den Allerwertesten braucht, um richtig in die Ausbildung zu starten. Es hat geklappt. Qualifikationen, die ihm den Aufstieg ermöglichen, folgen in Frankfurt, Karlsruhe und schließlich Montabaur, wo er mit 26 Jahren als einer der Jüngsten den Abschluss schafft.

Dass er "immer geerdet geblieben" ist, sieht Preiss in der Heimatverbundenheit und dem Aufwachsen im beschaulichen Leutesheim begründet, Heimat ist für ihn das Hanauerland. "Ich konnte immer mit Empathie und nicht mit Wurzelrechnen punkten", hat er auch als Banken-Chef den sozialen Aspekt im Blick behalten, bei all den zahlreichen weltweiten Krisen in den vergangenen Jahren, die sich natürlich bis zur Volksbank Bühl niedergeschlagen haben. Der Slogan "Aus Liebe zur Region" hat sich etwa in der Unterstützung von Projekten, Vereinen und Kunden gezeigt. Der Etat für Spenden und Sponsoring hat sich verdreifacht. Trotzdem ist die vergleichsweise kleine genossenschaftliche Bank selbstständig geblieben. Wie oft die Volksbank Offenburg das Gespräch über eine Fusion gesucht hat, weiß Preiss nicht mehr, aber "regelmäßig" hat es die Versuche gegeben. "Die Region kann auf uns zählen und das zu jeder Zeit", hat der 64-Jährige in den Fokus gestellt. Als Vorreiter etwa bei der Digitalisierung hat er bundesweit Maßstäbe initiiert, sein Rat in verantwortlicher Position bei genossenschaftlichen Verbänden war landes- und bundesweit gefragt.

"Bleib' so eine coole Socke, wie Du immer warst" fasst Preiss die Nachrichten zum Abschied zusammen. Einige Ehrenämter möchte er behalten, etwa bei der Wohnbaugenossenschaft Familienheim Mittelbaden, der Diakonie Kork und der Evangelischen Kirchenstiftung. Seine Empathie will er nun als Berater gezielt einsetzen. Preiss bleibt geerdet – das scheint sicher. Rembert Graf Kerssenbrock

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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