Kehls Hafendirektor Volker Molz
Zu Wasser und zu Land – nicht mehr in der Luft

Zum Jahresanfang hat Volker Molz, Logistiker durch und durch, die Aufgaben des Kehler Hafendirektors übernommen,
  • Zum Jahresanfang hat Volker Molz, Logistiker durch und durch, die Aufgaben des Kehler Hafendirektors übernommen,
  • Foto: Fotos (+ Titel): Michael Bode
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl. Die Position des Hafendirektors gibt es nur einmal in ganz Baden-Württemberg und zwar in Kehl. Dass er nicht wie seine anderen Kollegen auch als Geschäftsführer oder ähnlich firmiert, hat auch Volker Molz überrascht, liegt aber in der Rechtsform der jeweiligen Landeshäfen begründet. Von seinem Vorgänger Uwe Köhn, der nach Mannheim wechselte, hat Molz neben Aufgaben, Büro und Berufstitel auch die Zweitwohnung in Durbach übernommen.

Wenn Molz aus dem Bürofenster auf die andere Seite der Hafenstraße blickt, sieht er die Lagerhallen mit dem Schriftzug seines früheren Arbeitgebers Rhenus Logistics. "32 Jahre und fünf Monate, um genau zu sein, war das mein Arbeitgeber", erzählt Molz. Jetzt, mit 53 Jahren, noch mal etwas anderes zu machen, habe ihn gereizt und dafür auch die Unterstützung seiner Frau erhalten, mit der er weiterhin in Esslingen wohnt. Statt zwischen den Häfen, den Rhenus-Standorten in Deutschland und Esslingen zu pendeln, beschränke sich das jetzt auf die Strecke zwischen Wohn- und Arbeitsort. Zu den beruflichen Reizen an Kehl gehört für ihn, dass Kehl als einer der wenigen Häfen noch einen operativen Umschlag betreibt, Container-Terminals besitzt und mit einer eigenen Bahn samt Lok auf den Schienen unterwegs ist.

Geboren bei Siegen in Nordrhein-Westfalen ist Molz in Stuttgart aufgewachsen. Nach seinem Abitur startete er 1988 gleich eine Ausbildung bei Rhenus als Speditionskaufmann. Dort hat er die berufsbegleitenden Studiengänge zum Verkehrsfachwirt für Logistik und auch für Controlling erfolgreich abgeschlossen. "Ich wollte immer verstehen, wovon mein Gegenüber redet", erklärt Molz sein Interesse auch für Bereiche wie Abfallwirtschaft, Wasserrecht, Umwelttechnik. Sein Arbeitgeber konnte ihm alle Aspekte der Logistik bieten: über Land- und Seeverkehre bis hin zu Luftfahrt und eben auch Häfen.

"Kehl hat einen spannenden Hafen"

Da waren für ihn vor allem die Neckar-Häfen von Stuttgart über Plochingen bis Heilbronn die bevorzugten Umschlagsorte. Aber durch wechselnde Aufgaben und Zuständigkeiten, die ihn dann auch bis in die Geschäftsleitung führten, sind ihm sämtliche Umschlagsorte bekannt. Zuletzt verantwortete er seit 2016 die Rhenus Port Logistic von Stuttgart aus. "Ich kannte daher auch die handelnden Personen in Kehl seit mehreren Jahren", erklärt Molz.

Kehl bietet für ihn einen spannenden Hafen. Immerhin gehört er zu den zehn größten Binnenhäfen Deutschlands. Als Belege führt er die grundsätzlichen Herausforderungen an, die es für Binnenhäfen gibt. Es gibt aber auch eine starke Industrie und die Grenznähe zum Elsass, die verbunden ist mit einer Partnerschaft der beiden direkt benachbarten Rheinhäfen.

Der Reiz von Häfen? "Sie bieten ein bisschen Romantik, aber auch Lärm und Dreck", nennt Molz die Pole seines Arbeitsplatzes. In den vergangenen ersten Wochen als Hafendirektor hat Molz nicht nur seine 70 Mitarbeiter kennengelernt, sondern auch die ansässigen Unternehmen und deren Protagonisten. Über seine Mitarbeiter hat Molz bereits ein Urteil gefällt: von wegen öffentlicher Dienst mit den Vorurteilen; alle seinen "super motiviert und bestens ausgebildet". Das der Umschlagplatz Zukunft hat, hätten ihm viele Firmen durch angekündigte Investitionen bereits signalisiert. Das Pandemie-Jahr hat der Hafen bisher mit ein paar Schwankungen als "fast bestes Jahr" abgeschlossen.

Kritisch sieht Molz daher Pläne, in Hafennähe eine Wohnbebauung zu planen. "Hier wird an sieben Tagen zum Teil 24 Stunden gearbeitet. Da sind Interessenskonflikte vorprogrammiert", meint Molz den Lärm, den Dreck und den Verkehr als Kehrseite der romantischen Seite des Hafens. Vielmehr wolle der Hafen wachsen. Aber die verschiedenen Interessen will er im Einklang mit der Stadt lösen.

"Ich bin ein Mensch, für den Langeweile nicht existiert. Ich kann diese Zeit genießen, wenn ich sage: Heute möchte ich mal nichts tun." Lesen in Büchern gehört für ihn zur Entspannung dazu. Molz ist Fan des VfB Stuttgart und fährt auf Skiern auch Abhänge hinunter. Wenn es möglich sein wird und er sich die Zeit nehmen kann, will er natürlich die Ortenau erkunden. "Die Liste der Empfehlungen ist bereits lang", erzählt Molz lächelnd. Rembert Graf Kerssenbrock

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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