Auch wenn der Sonntag für Schausteller ein Arbeitstag ist, wird gefeiert
Im Kinderkarussell werden die Osternester versteckt

Taufe auf dem Kehler Ostermarkt: Nadja, Bobby, Sammy und Benjamin Buhmann feiern im Kreis der Familie, Freunde und Kollegen.
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  • hochgeladen von Christina Großheim

Kehl (gro). Ostern ist ein Familienfest. Für gläubige Christen beginnt der Tag mit dem Besuch des Gottesdienstes. Sind Kinder in der Familie, werden natürlich Osternester vorbereitet, die von den Kleinen gesucht werden. Ein gemeinsames Mittagessen im Kreis der Familie ist für viele ebenfalls ein Muss. Schon in Goethes "Faust" wird der traditionelle Osterspaziergang beschrieben. An Ostern nutzen die meisten Menschen ihre freie Zeit, um auszuspannen oder etwas zu unternehmen.

In der Ortenau ist der Kehler Ostermarkt ein beliebtes Ausflugsziel. Am Karsamstag drehen sich die Fahrgeschäfte erstmals auf dem Läger, eine Woche lang wird Spaß, Nervenkitzel und Unterhaltung geboten. Deshalb steht bei den Schaustellern die Arbeit im Mittelpunkt. "Wir freuen uns, dass Ostern ist", sagt Johann Agtsch, der mit seinem "Freestyle" immer wieder das Angebot des Vergnügungsmarktes bereichert. "Der Kehler Ostermarkt ist die erste Veranstaltung im Jahr für uns." Ab 11 Uhr, wenn der Jahrmarkt am Ostersonntag öffnet, wird gearbeitet. "Das ist unser Haupttag im Geschäft", stellt Agtsch fest.

"Wir feiern Ostern meist einen Tag früher", verrät der Schausteller. Denn die meisten sind natürlich mit der Familie unterwegs. "Es sind immer Kinder dabei", erzählt Peter Buhmann, der das kleine Festzelt auf dem Rummel betreibt. "Heute sind vor allem die Jüngeren mit auf dem Platz, die noch nicht in die Schule müssen. Ich war noch das ganze Jahr mit meinen Eltern unterwegs", erinnert sich Buhmann. Das bedeutete für ihn, den Besuch von vielen verschiedenen Schulen in ganz Deutschland. "Wir haben natürlich auch Ostern gefeiert", so Buhmann, allerdings nicht wie andere Kinder: Er entsinnt sich an ein Jahr, als er und sein Geschwister Fahrräder geschenkt bekamen. "Meine Eltern hatten ein Kinderkarussell. Sie haben die neuen Räder zwischen die auf dem Karussell montierten gestellt. Wir haben lange gesucht, bis wir unser Ostergeschenk gefunden hatten", erzählt er lachend.

Viele Schausteller, die mit ihren Kindern auf Reise sind, feiern Ostern auf dem Platz. "Wir verstecken die Nester gerne im Autoscooter und im Kinderkarussell", sagt Johann Agtsch, aber der Nachwuchs findet kleine Überraschungen über den gesamten Platz verteilt. In der Regel sind die Nester mit Süßigkeiten, Schokohasen und bunten Ostereiern bestückt. Alle Kinder auf dem Platz beteiligen sich an der Suche – allerdings nicht am Ostersonntag, sondern bereits am Ostersamstag. Warum werden die Osternester nicht am Sonntag versteckt? "Wir öffnen früh und vorher müssen wir noch den Platz saubermachen", stellt Theo Hahn, Veranstalter des Ostermarktes und selbst Schausteller, fest. Deshalb fällt der Besuch der Ostermesse für die Schausteller meist ins Wasser, denn wenn die Besucher auf den Rummel strömen, muss alles bereit sein.

Theo Hahn, der in der vierten Generation Schausteller ist und dessen beide Söhne das Geschäft weiterführen werden, erzählt: "Meine Eltern haben mit uns Ostern immer schon am Karfreitag gefeiert. So haben wir es auch mit unseren Kinder gehalten. Immer abwechselnd wurde bei den Eltern meiner Frau oder meinen Eltern das Fest vorgefeiert." Sein Sohn Sascha, mittlerweile selbst Vater eines zweijährigen Sohnes, ergänzt: "Für uns war es vollkommen normal, dass der Osterhase an Karfreitag gejagt wird. Mein Kleiner kennt das auch nicht anders." Der Osterhase versteckt seine Eier bei Familie Hahn allerdings nicht im Wohnwagen, sondern zu Hause, denn das heimatliche Schwanau ist nicht weit von Kehl entfernt.

Wie eng der Zusammenhalt zwischen den Betreibern der Fahrgeschäfte und Buden ist, zeigte sich am Mittwoch vor dem Start des Ostermarktes: Familie Buhmann feierte Taufe. "Meine Enkel Sammy und Bobby sind jetzt vier Monate alt", berichtet der stolze Großvater Peter Buhmann. Die Zwillinge bilden die sechste Generation der Schaustellerfamilie.

Die Taufzeremonie auf dem Kehler Läger abzuhalten, war eine Möglichkeit, die die Familie gerne genutzt hat. "Ein Schaustellerpfarrer ist gekommen und hat die Zeremonie vollzogen", erzählt Peter Buhmann. Schließlich wollte man das Ereignis nicht nur mit der Familie, sondern auch mit den Freunden und Bekannten aus dem Schaustellergewerbe gemeinsam feiern. "Wir sehen uns auf den unterschiedlichen Märkten immer wieder, das schweißt zusammen", erklärt Peter Buhmann. "Wir sind wie eine große Familie", ergänzt Johann Agtsch.

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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