Mit Köpfchen und Biologie die Wasserqualität verbessen

Die Wasserqualität im Kehler Altrheinarm hat sich deutlich verbessert.
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Kehl. Lange Zeit war er ein Sorgenkind der Stadt – der Altrheinarm in Kehl. Ende der 90er Jahre litt er an akutem Sauerstoffmangel, Algen waren auf dem Vormarsch und die
Nährstoffwerte waren zu hoch. Die Stadt schritt ein und verordnete dem
Gewässer mitten in der Stadt eine Kur mittels biologischer Maßnahmen.

Die Nahrungskette wurde manipuliert. Im Klartext bedeutete dies, dass
Friedfische wie Flussbarsche und Rotaugen abgefischt wurden. Denn deren
Lieblingsessen – Zooplankton – sorgt eigentlich dafür, dass Algen nicht
überhand nehmen können. Bis 2004 wurden rund 20.000 Fische aus dem
Altrhein genommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Wasser ist
viel klarer, der Sauerstoffgehalt hat sich verbessert. Der
Phosphatgehalt ist nur noch ein Drittel so hoch wie im Jahr 2000. Die
Population von Flussbarschen ist zurückgegangen, das Zooplankton hat
deutlich zugenommen und dezimiert deshalb den Algenbewuchs.

Vor kurzem wurde die Gewässerqualität erneut überprüft. Noch immer sind die
Werte zufriedenstellend, aber die Sonnenbarsche haben sich stark
vermehrt. Deshalb rät der Biologe Peter Rudolf, der diese Ergebnisse dem
Verwaltungsrat des Kehler Gemeinderats vorstellte, dazu, diese Fischart
durch Abfischen zu dezimieren. Beginn soll noch im April sein. Außerdem
wird eine Wasserpflanzenmaat im Herbst vorgesehen. „Der zuständige
Fischerverein sollte seinen Fischbesatz den Maßnahmen anpassen“, so
Rudolf. Soll heißen, keine neuen Friedfische, die Zooplankton fressen, einsetzen.

Dramatisch ist dagegen die Situation am Ringgraben beim Sundheimer Fort. Die Fläche wurde 1994 nach dem Abzug der
französischen Streitkräfte von der Stadt gekauft. Sie diente von Anfang
an als ökologische Ausgleichfläche. Das Sundheimer Fort bildet ein
besonders geschützes Biotop – vor allen Dingen der Ringgraben. Doch der
ist seit einigen Jahren fest in der Hand der Wasserlinse. Die Pflanze
bildet im Sommer einen grünen Teppich auf der Oberfläche. Die
Nährstoffwerte sind auf Rekordniveau, das Gewässer ist extrem
sauerstoffarm. Der Fischbestand ist bis auf eine Schleieart nicht mehr
vorhanden. Auch das Erdkrötenvorkommen existiert faktisch nicht mehr.

Woher die Nährstoffe ins Gewässer kommen ist nicht ganz geklärt: Peter Rudolf
vermutet das der umstehende Pflanzenbestand nicht unschuldig daran ist.
Deshalb empfiehlt er, die Vegetation auszudünnen, damit weniger Laub
ins Wasser kommt. „Es gibt genug Totholz im Gewässer.“ Außerdem muss
geprüft werden, ob das Oberflächenwasser auch tatsächlich in den
Ringgraben fließt. Wichtigste Maßnahme wird die Entnahme der Wasserlinse
sein. Sie reichert die Nährstoffe an, bindet aber auch Schwermetalle.
Die gibt es wegen der militärischen Nutzung auf dem Gelände. Andere
Maßnahmen wie das Ausbaggern oder die Zwangsbelüftung sind deutlich teurer.

Autor: Christina Großheim

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