Impulse für die Innenstadt
Studenten entwickeln Ideen für Leerstände
- Die Studenten des Lahrer "Solution Labs" erarbeiteten Ideen für Leerstände in der Innenstadt, hier mit ihren Betreuern und Lahrs Wirtschaftsförderer Robin Derdau
- Foto: Stadt Lahr
- hochgeladen von Matthias Kerber
Lahr (st) Wie können Leerstände in der Lahrer Innenstadt sinnvoll neu genutzt werden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigen sich Studenten der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl und der Universität Straßburg während eines „Solution Labs“ in Lahr. Ziel ist es, Ideen und erste Konzepte für neue Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten von innerstädtischen Gewerbeflächen – insbesondere von Leerständen in Erdgeschosslage – zu entwickeln, so die Stadt Lahr in einer Pressenotiz.
Das „Solution Lab“ fand vom 19. bis 23. Januar 2026 in einem derzeit leerstehenden Ladenlokal am Marktplatz statt, das für diesen Zeitraum in ein temporäres Innovationslabor umgewandelt wurde. Neun Studenten des deutsch-französischen Masterstudiengangs „Management von regionalen Innovationsökosystemen“ der Universität Straßburg und der Hochschule Kehl erarbeiteten gemeinsam Lösungsansätze für die Lahrer Innenstadt.
Begleitet wird das Projekt von Dr. Carsten Hutt (Werk ISI, Reutlingen), Prof. Dr. Hansjörg Drewello (Hochschule Kehl) sowie Verena Hänsch-Hervieux (Universität Straßburg). Unterstützt wird das „Solution Lab“ von der Wirtschaftsförderung der Stadt Lahr. Konzepte für einen „Raum für Innovation“, ein Kinder- und Jugendraum sowie eine Stadtwerkstatt werden nun konkretisiert und detailliert ausgearbeitet. Neben den drei Projektideen für Lahr wird zudem ein Konzept für eine Innovation Lounge am Campus der Universität Straßburg entwickelt. Am Beispiel der Stadt Lahr soll dabei ein übertragbarer Ansatz entstehen, wie auch andere Kommunen in der Region in ein solches Innovationsformat eingebunden werden können.
Nachhaltige Lösungen
„Durch das Einbeziehen der Ideen junger Studenten sollen neue Funktionen für die Innenstadt gefunden werden. In Kombination mit Anregungen aus der Bürgerschaft und von Fachleuten können so nachhaltige Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt werden“, erläutert Dr. Carsten Hutt.
„Leerstände sind nicht nur problematisch, sie bieten auch Chancen für neue Ideen und Nutzungskonzepte“, betont Oberbürgermeister Markus Ibert. „Eine funktionierende Innenstadt ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Stadtverwaltung, Wirtschaft und Eigentümern. Gemeinsam soll es gelingen, die tragende Funktion des Einzelhandels im Kernbereich zu erhalten und für andere Innenstadtlagen neue Ideen zu finden.“
Zur Vorbereitung erkundeten die Studenten die Lahrer Innenstadt, führten Interviews mit Experten, Bürgern sowie Unternehmen und besuchten das Stadtmuseum in der Tonofenfabrik.
Der Arbeitsprozess ist dabei klar strukturiert: Am ersten Tag lag der Schwerpunkt auf dem Verständnis der Herausforderungen und am zweiten Tag auf der Ideengenerierung und Auswahl der vielversprechendsten Lösungsansätze. Der dritte Tag diente der intensiven Ausarbeitung von Konzepten, Visualisierungen und der Vorbereitung der Präsentation. Am vierten Tag wurden die ersten Ergebnisse vorgestellt und am fünften Tag ein Bericht zur möglichen Umsetzung erstellt.
Die Ergebnisse des „Solution Labs“ bilden zugleich die Grundlage für ein geplantes vier- bis sechswöchiges Innovations-Pop-up in der Lahrer Innenstadt. In bestehenden Leerständen sollen ausgewählte Ideen weiterentwickelt und erprobt werden – etwa, wie ein Raum für Innovationen zur Belebung der Innenstadt beitragen und Akteure mobilisieren kann. Laut jüngster Erhebung der IHK-Innenstadtberatung stehen in der Lahrer Innenstadt von 334 gewerblichen Erdgeschossflächen rund 13 Prozent leer.
Das „Solution Lab“ ist eine seit 2015 bewährte Methode des Werks ISI und wurde bereits rund 40 Mal erfolgreich durchgeführt.
Die Stadt Lahr hat bereits frühzeitig die Fortentwicklung der Innenstadt auf die Agenda gesetzt. So positionierten sich Gemeinderat und Verwaltung in der Fachkonferenz Innenstadt 2021 klar für eine aktive Innenstadtentwicklung. Im Mai 2024 wurde das neue Sanierungsgebiet Innenstadt–Marktstraße in das Bund-Länder-Städtebauförderprogramm aufgenommen. Ergänzend hat die Stadt einen Antrag im Programm für nichtinvestive Städtebauförderung (NIS) des Landes Baden-Württemberg gestellt. Ziel des Programm ist es, die Identifikation der Bewohner mit dem Quartier, den sozialen Zusammenhalt vor Ort sowie die lokale Wirtschaft zu stärken.
Eine Innovation Lounge ist ein Programm in dem Menschen aus verschiedenen Bereichen (Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Bürger) in einem temporär genutzter Raum zusammenkommen, um gemeinsam über Zukunftsthemen zu diskutieren, neue Ideen zu entwickeln und soziale sowie technische Innovationen greifbar zu machen und umzusetzen.



Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.