Diskussion Tierwohl und Wolf
Landwirte fühlen sich alleingelassen

Das Podium: Bernd Repple (v. l.), Maria Schwarz, Thomas Marwein, Dr. Regina Sittler, Volker Schebesta und Reinhard Bischler
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Nordrach (gro). Zwei bestätigte Wolfsrisse und ein vermuteter, die Stimmung bei den Landwirten in Nordrach ist schlecht. Sie fühlen sich von der Politik alleingelassen, wenn es um den Schutz ihrer Tiere geht. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion, die betroffene Landwirte am Samstag, 18. September, in Nordrach auf die Beine gestellt haben mehr als deutlich. Eingeladen waren Vertreter aus der Politik, aber auch eine Tierschützerin sowie ein Schäfer. Prominent besetzt war das Podium mit Thomas Marwein MdL von den Grünen und Volker Schebesta MdL von der CDU. 

Bernd Repple, Mitorganisator und betroffener Landwirt, beschrieb die Lage: Weder die Zuschüsse für den Bau von wolfsicheren Zäune noch die für deren Pflege würden ausreichen. "Wenn ich mich um den Zaun kümmere, wäre ich den ganzen Tag beschäftigt - eigentlich müsste ich dafür jemanden einstellen." Zudem würden die Zäune die Wölfe nicht aufhalten, die würden darüberspringen. Auch das Miteinander von Mensch und Wolf sieht er kritisch: "Es sind viele Menschen in der Region im Wald unterwegs, was wenn die angegriffen werden?" Der Schwarzwald sei viel zu dicht besiedelt, als dass Wolf und Mensch miteinander leben könnten. "Wir fordern einen wolfsfreien Schwarzwald", so Repple. Noch seien es Einzeltiere, doch was wäre, wenn Rudel kämen?

Wolf steht unter Artenschutz

Thomas Marwein schilderte den Ist-Zustand: Derzeit gebe es drei heimisch gewordene Wölfe in Baden-Württemberg, zwei davon lebten im Schwarzwald, einer im Odenwald. Schwierig zu schätzen sei die Zahl derer, die durchzögen. Die ersten Wölfe in Deutschland, die nach dem Zusammenbruch der DDR heimisch geworden wären, seien aus Osteuropa gekommen. Die in Baden-Württemberg stammten allerdings ihrem genetischen Material nach aus Italien, der Schweiz oder Frankreich. Marwein machte aber auch deutlich, dass der Wolf europaweit unter Artenschutz stehe. Nur wenn er den Menschen gefährlich werde, dürfe er ausnahmsweise getötet werden. "Ein Angriff auf einen Menschen, das darf nicht passieren", so Marwein, der ebenfalls davor warnte, die Tiere aus falsch verstandener Tierliebe anzufüttern. "Wenn der Wolf die Umgebung des Menschen als Futterquelle entdeckt, wird es schwierig", so Marwein. Das Land betreibe einen hohen Aufwand, um die Landwirte zu unterstützen.

Dr. Regina Sittler, FDP-Stadträtin in Lahr, die in Vertretung des Bundestagskandidaten gekommen war, sieht die Lage anders. Als Jägerin kenne sie die Region. "Wir fordern schon lange ein anständiges und nicht-naives Wolfsmanagement im Land", so Sittler. Der Wolf habe Freiheiten, die kein anderes Wildtier in Deutschland habe. Sie fordert, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Für sie stellt sich die Frage, wie viel Wolf die Menschen vertragen. "Wenn wir eine offene Tierhaltung wollen, dann braucht es Unterstützung vom Land", so Sittler.

Unterstützung für Landwirte anpassen

Die gebe es bereits, konterte CDU-Landtagsabgeordneter Volker Schebesta. Er forderte die rund 70 Besucher auf, die Punkte zu nennen, an denen es ihrer Meinung nach an Unterstützung mangele. "Der Wolf stellt eine Gefahr für die Tierhaltung dar, wenn auch nicht für den Menschen", so Schebesta. Wenn immer mehr neue Wölfe nachzögen, dann könne dies rasch zu einem Problem werden. "Das darf nicht auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden", so Schebesta. Allerdings machte er ebenfalls deutlich, dass alle Maßnahmen nur vor dem Hintergrund des geltenden Tierschutzes erfolgen könnten. "Die Landesregierung hat Fördergebiete ausgewiesen, wenn wir die Maßnahmen anpassen müssen, dann sprechen sie das an."

Bernd Repple und Landwirtin Maria Schwarz machten deutlich, dass so willkommen höhere Fördermittel auch seien, diese nicht ausreichen würden. "In der Ebene mag das gehen", so Repple und Schwarz stellte fest: "Der Aufwand für den Schutz der Tiere ist für die kleinen Betriebe so hoch, die schaffen lieber das Vieh ab."

Förderrichtlinien sind praxisfern

Reinhard Bischler, Schäfer aus Fußbach, stellte die Frage, ob der Wolf für den Menschen nur bei einem Angriff eine Gefahr darstelle oder bereits dadurch, dass er auf den Straßen Unfälle verursache. "In Frankreich werden pro Wolf 70.000 Euro im Jahr an Hilfen für die Landwirte ausgegeben", nannte Bischler eine Zahl. "Aber keiner der ein Tier hält, will eine Entschädigung. Er will nachts ruhig schlafen können, weil die Tiere am Morgen noch da sind." Es gebe keinen hundertprozentigen Schutz. Seiner Meinung sind die Fördervorgaben wenig sinnvoll. "Ich brauche nur einen Herdenschutzhund, gefördert wird dessen Anschaffung aber erst, wenn es zwei sind." Und er stellte die Frage, die alle Landwirte umtreibt: "Wo bleibt der Tierschutz, wenn ein Wolf 30 Tiere reißt, die qualvoll verenden?"

Der Wolf werde von den meisten romantisiert, argumentierte Landwirt Jürgen Schmid. Die Förderrichtlinien gingen an der Praxis vorbei. Er bezweifelte, ob er der Wolf in Deutschland noch eine sinnvolle ökologische Bedeutung habe. "Ich will kein Wolfsfutter züchten, ich will Tiere halten", so Schmid. "Wir sind keine Massentierhalter, wir kennen jedes Tier im Stall."

Das Podium: Bernd Repple (v. l.), Maria Schwarz, Thomas Marwein, Dr. Regina Sittler, Volker Schebesta und Reinhard Bischler
Die Podiumsdiskussion in Nordrach war gut besucht.
Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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