Freiburger Historiker sprach über Versailler Vertrag und die Folgen
Europawoche mit Jörn Leonhard

Joachim Just (l.), Vorsitzender der Europa-Union Oberkirch, und Oberbürgermeister Matthias Braun (r.) bedankten sich mit einem Weinpräsent für den Vortrag des Freiburger Historikers Jörn Leonhard.
  • Joachim Just (l.), Vorsitzender der Europa-Union Oberkirch, und Oberbürgermeister Matthias Braun (r.) bedankten sich mit einem Weinpräsent für den Vortrag des Freiburger Historikers Jörn Leonhard.
  • Foto: Ulrich Reich/Stadt Oberkirch
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Oberkirch (st). Zur diesjährigen Europawoche hatten Stadt und Europa-Union Oberkirch den Freiburger Historiker Jörn Leonhard eingeladen. Oberbürgermeister Matthias Braun konnte rund 70 interessierte Zuhörer in der Mediathek begrüßen. In seinem Vortrag ging Leonhard auf die Ereignisse vor fast genau 100 Jahren ein und er schilderte auch deren Auswirkung auf die Gegenwart.

Weimarer Verhältnisse?

In seiner Begrüßung erinnerte Oberbürgermeister Braun an das Zitat von Friedrich Nietzsche und stellte die Frage in den Raum, ob sich Geschichte als die „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ darstellt. Oder ob sich die aktuellen Zustände gerade nicht mit jenen von vor 100 Jahren vergleichen lassen. Denn schnell werde in den Medien der Vergleich zur Weimarer Republik gezogen oder von Weimarer Verhältnissen beim Blick auf die aktuelle Tagespolitik gesprochen.

Gescheiterte Friedensordnung

In seinem Vortrag machte Jörn Leonhard deutlich, dass die Diplomaten und Politiker aus aller Welt, als sie sich 1919 in Versailles trafen, nicht nur den Ersten Weltkrieg beenden wollten sondern nichts weniger als eine neue Friedensordnung zum Ziel hatten. Diese neue Ordnung sollte möglichst gerecht und lange währen. Ein Vorhaben, welches, wie sich schnell zeigte, zum Scheitern verurteilt war. Warum und wie es dazu kam, trug der Gast aus Freiburg an Hand von sechs Vignetten vor. Dabei beschränkte er sich nicht nur auf eine Beschreibung der Zustände vom Januar bis Juni 1919. Vielmehr ging er immer wieder auch bis zurzeit vor Ausbruch des Krieges zurück. Das Kriegsende brachte er dem interessiert zuhörenden Publikum so aus dem Krieg heraus nahe.

Umbruch mit Folgen

Schnell wurde den Zuhörern dank des passend bebilderten Vortrags klar, dass es nicht nur um den Abschluss eines militärischen Konflikts ging. 1918 markiert nach Jörn Leonhard auch einen universellen Umbruch. „Es stand die ganze alte Welt zur Disposition, und das ist den Zeitgenossen auch bewusst. Und genau aus diesem Umbruch folgen natürlich enorme Erwartungen an diesen neuen Frieden, der nicht nur den Krieg beenden soll, sondern eben auch eine neue politische, eine neue soziale, vielleicht sogar so etwas wie eine neue kulturelle Ordnung hervorrufen soll.“

Instabile Ordnung

Der Zusammenbruch von Großreichen wie der Habsburger Monarchie, dem Osmanischen- und dem Zarenreich sowie dem Deutschen Reich, ohne sich daraus neue stabile Ordnungen bildeten, war eine schwere Hypothek. Jörn Leonhard illustrierte seine Ausführungen mit Ausflügen in die Literatur und Kunst, er zitierte Franz Kafka und Robert Musil, zeigte Bilder von Paul Klee und Ferenc Marton. Seinem Auditorium weitete er den Blick über die Kriegsschauplätze Europas hinaus nach Afrika, in den Nahen Osten oder Asien. Gerade dort war damals die Hoffnung auf Anerkennung der erbrachten Opfer enttäuscht worden, die als Saat für weitere Konflikte diente und zum Teil bis in die Gegenwart hineinreichen.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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