Kein Randgruppen-Phänomen – In der Ortenau gibt es für Opfer Beratung und Hilfe
Jede vierte Frau erlebte schon häusliche Gewalt

„Offenburg sagt Nein zu Gewalt an Frauen“ – aus diesem Anlass wurden am Samstag vor dem historischen Rathaus drei Fahnen gehisst.
  • „Offenburg sagt Nein zu Gewalt an Frauen“ – aus diesem Anlass wurden am Samstag vor dem historischen Rathaus drei Fahnen gehisst.
  • Foto: Foto: Frank Leonhardt
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Ortenau. In Berlin und vielen anderen Städte wurden am 25. November Fahnen gehisst. Anlass war
der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Auch in der Ortenau
fanden rund um diesen Tag Fahnenaktionen statt, darunter beispielsweise
in Kehl und Offenburg. Denn das Thema ist überall aktuell. Wie Evelyn
Krümmel, geschäftsführende Vorstandsfrau des Vereins Frauen helfen
Frauen Ortenau betont, ist Gewalt gegen Frauen kein
Randgruppen-Phänomen, sondern zieht sich durch alle Schichten: „Jede
vierte Frau im Alter von 18 bis 85 in Deutschland erlebte schon
häusliche Gewalt, in Europa jede dritte.“

Häusliche Gewalt kann laut Evelyn Krümmel in fünf verschiedenen Formen ausgeübt werden. Zum
einen körperlich und sexuell, zum anderen aber auch psychisch,
wirtschaftlich oder die Frau wird sozial isoliert. Aber was gibt den
Ausschlag? Warum werden Männer gegenüber ihren Frauen gewalttätig?
„Manchmal ist der Auslöser, wenn das erste Kind geboren wird und der
Mann es nicht erträgt, in die zweite Reihe gedrängt zu werden“, so
Evelyn Krümmel. Ein anderer kann sein, wenn die Frau gehen möchte. „Sehr
oft ist zudem zu beobachten, dass die Beteiligten als Kinder bei ihren
Eltern häusliche Gewalt selbst mitbekommen haben“, so die
geschäftsführende Vorstandsfrau. Wenn dieses Erlebte nicht korrigiert
wird, übernehmen die Betroffenen als Erwachsene dann selbst die Rolle
als Opfer oder Täter. Und genau darin liegt die Gefahr: „Deshalb hört es
auch nicht auf.“ Der Verein Frauen helfen Frauen Ortenau leistet
Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit. Außerdem bietet er Betroffenen
auch konkrete Unterstützung in ihrer Beratungsstelle in der Ortenberger
Straße 2 in Offenburg und betreibt eine Übergangswohnung und das
Frauenhaus in der Ortenau.

Letzteres bietet Platz für sechs Frauen mit ihren Kindern. Weitere drei Frauen können mit Kindern in der
Übergangswohnung aufgenommen werden. „Das reicht aber bei weitem nicht“,
erklärt Evelyn Krümmel. Stand 16. Oktober fanden dort dieses Jahr
insgesamt 37 Frauen Schutz. Rund 100 mit insgesamt 92 Kindern konnten
aus Platzmangel nicht aufgenommen werden. Abgewiesen wird aber trotzdem
niemand. Der Verein ist gut vernetzt. Kann er selbst niemanden mehr
unterbringen, wird erst in Baden-Württemberg eine Alternative gesucht,
bei Bedarf aber auch in anderen Bundesländern. In die Beratungsstelle
kamen bis 16. Oktober 208 Frauen. Evelyn Krümmel ist jedoch davon
überzeugt, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist und schätzt die
Dunkelziffer auf 80 Prozent. Steigende Zahlen von Hilfesuchenden seien
auch nicht zwingend ein Beleg für zunehmende Gewalt gegen Frauen. Aber:
„Frauen wissen zunehmend, dass es Hilfe für sie gibt.“ Weitere
Informationen auch zur Beratung finden diese unter www.frauenhaus-ortenau.de, per E-Mail an info@frauenhaus-ortenau.de oder unter 0781/34311.

Natürlich weiß Evelyn Krümmel, dass Männer ebenfalls Opfer von Gewalt werden:
„Das ist genauso furchtbar.“ Hier empfiehlt sie, Kontakt mit einer der
psychologischen Beratungsstellen des Kreises aufzunehmen.

Autor: Anne-Marie Glaser

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