Interview
Ortenauer Erfahrung in Thüringen gefragt

Der ehemalige Erste Bürgermeister Offenburgs, Dieter Eckert, gehörte einer Kommission zu Schulstruktur und Unterrichtsversorgung von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelo an. Über die Hintergründe und Probleme sprach Rembert Graf Kerssenbrock mit Dieter Eckert.

Wie kommen Sie als Anwalt, Erster Bürgermeister a.D. und früherer Erster Landesbeamter des Landkreises Karlsruhe zur Mitarbeit in der thüringischen Schulkommission?
Die Landespolitik in Thüringen diskutiert Fragen der Schulstruktur und der Planung im Schulbereich derzeit intensiv. Zu Beginn des Jahres kamen Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Bildungsministerin Dr. Birgit Klaubert überein, eine Kommission zu bilden, wobei es ausdrücklich eine Kommission von Praktikern und keine rein parteipolitische Veranstaltung sein sollte, zu der auch Experten von außerhalb hinzugezogen werden sollten. Dr. Klaubert habe ich durch die Städtepartnerschaft mit Altenburg kennengelernt, wir sind mittlerweile persönlich befreundet und sie kennt meinen beruflichen Hintergrund. Deshalb hat sie mich dem Ministerpräsidenten vorgeschlagen, der mich dann auch berufen hat.

Welche Ihrer Erfahrungen waren in der Landeshauptstadt Erfurt gefragt?

Ganz generell ging es um die Erfahrungen von Städten und Gemeinden mit Schulträgerschaft und damit zusammenhängenden Fragen bis hin zur Finanzierung des Schulhausbaus und der Planung im schulischen Bereich. Zugute kam mir dabei auch die Erfahrungen im Kreistag der Ortenau. Angesichts der extrem kleinteiligen Gemeinde- und teilweise auch Schulstrukturen liegt die Schulträgerschaft in Thüringen noch immer grundsätzlich bei den Kreisverwaltungen.

Was ist das Problem in Thüringen?

Thüringen nimmt in Bildungsrankings Spitzenplätze ein. Die Bildungsausgaben liegen mit 7.200 Euro pro Schüler bundesweit an der Spitze. Andererseits gibt es Unterrichtsausfälle in einem Maß, das bei den Betroffenen teils heftige Reaktionen auslöst. Hinzu kommt die demografische Entwicklung, es fehlt an Lehrern für bestimmte Fächer und zunehmend in ländlichen Räumen. Die Schullandschaft ist sehr kleinteilig: Es gibt über 600 Klassen mit weniger als zehn Schülern.

Kleine Schulen, Lehrerausfall und ländlicher Raum: Lassen sich Ansätze aus Thüringen auf die Ortenau mit einer ähnlichen Situation übertragen?
Der Leidens- und damit auch der Handlungsdruck in Baden-Württemberg und der Ortenau sind bei Weitem noch nicht so groß wie in Thüringen. Dabei liegt die Betonung auf noch: Die Rekrutierung von Personal und die Erhaltung kleinerer Schulstandorte dürfte auch hier auf Dauer zum ernsthaften Problem werden. Deshalb sollten die Verantwortlichen frühzeitig Modelle für Schulkooperationen, insbesondere auch gemeindeübergreifend, in Betracht ziehen. Dieter Eckert Dieter Eckert

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