• 29. Dezember 2017, 21:21 Uhr
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Ihr Begleiter durch die Woche
Wenn die Bücher aufgetan werden

Gerhard 
Bernauer
Gerhard
Bernauer

Der letzte Tag des Jahres! Für viele ein Anlass Bilanz zu ziehen: Was bleibt unvergessen? Was ist geglückt? Was blieb unerledigt? Was ging schief? Wofür möchte ich danken?

Eine solide Bestandsaufnahme macht Sinn, denn sie hilft, realistisch zu bleiben: Plus und Minus, Einsatz und Gewinn, Einnahmen und Ausgaben.

Auch in den Religionen spielt das uralte Bild von der Buchführung eine Rolle: Gott schreibt in das Buch des Lebens. Manche aber stellen sich einen Buchhalter-Gott vor, der genau prüft und meist noch unangenehme Nachforderungen stellt.

Kurt Marti, evangelischer Pfarrer und Dichter, greift dieses Bild auf, deutet es aber ganz anders: wenn die Bücher aufgetan werden, und siehe! auf Seite 1: „haltet ihr mich für einen Schnüffler?“ auf Seite 2: „für den großen Aufpasser: eure Erfindung!“ und auf Seite 3: „nicht eure Sünden waren zu groß – eure Lebendigkeit war zu klein!“

Gott ist Gott sei Dank anders als unsereiner. Wir listen Plus und Minus auf, stellen Rechnungen aus, schönen oft genug die Bilanzen.

Gott aber schaut anders auf uns und auf dieses vergangene Jahr. Wer mit seinen Augen zu sehen lernt, wird einen Strich machen können durch alle eigenen Auf- und Abrechnungen und am Ende des Jahres im Licht der göttlichen Güte eine Hoffnungsbilanz ziehen können. Sie sieht – trotz allem – gut aus.

Gerhard Bernauer
Pfarrer i. R.
Offenburg

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