Deutliche Zunahme bei Empfindlichkeit – Erwachsene: 30 Prozent werden krank
Bauernhofkinder: seltener Allergien als Stadtkinder

Mit den Blüten auf den Wiesen sind wieder Pollen in der Luft. Da-rauf reagieren viele Menschen allergisch.
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  • Foto: Daniel Hengst
  • hochgeladen von Daniela Santo

Ortenau (dh). Juckende Augen, das Kitzeln in der Nase und der Griff zum Taschentuch sind jetzt wieder häufiger zu sehen: Mit dem Frühling beginnt die besonders problematische Zeit für Allergiker. "Gemäß einer Studie des Robert-Koch-Institutes aus dem Jahr 2013 wird bei circa 30 Prozent der Erwachsenen im Laufe des Lebens eine allergische Erkrankung diagnostiziert. Allergien haben im letzten Jahrhundert deutlich zugenommen, die Pollenallergie beispielsweise um das zehnfache", sagt Dr. Wolfgang Lipp, leitender Oberarzt für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Intensivmedizin im Ortenau-Klinikum Offenburg-Gengenbach. In den vergangenen Jahren konnte jedoch bis auf das allergische Asthma bronchiale keine wesentliche Steigerung beobachtet werden, so dass ein Plateau erreicht worden sei.
Manche fragen sich, warum es ausgerechnet sie mit einer Allergie trifft. Wie kann die Entstehung von Allergien begünstigt werden? "Bei der Entwicklung von allergischen Erkrankungen spielt die Umweltexposition eine wichtige Rolle. Exposition mit Bakterien und bakteriellen Bestandteilen scheint vor der Entwicklung von Allergien zu schützen", so Dr. Wolfgang Lipp. Das heißt nichts anderes, als dass es eine Rolle spielt, welchen Umwelteinflüssen der Mensch ausgesetzt ist. Übertriebene Hygiene in der Kindheit könnte demnach eine mögliche Ursache sein. Der Mediziner schafft Klarheit: "In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen viel seltener Allergien entwickeln im Vergleich zu Stadtkindern." Für ein möglichst langes Stillen als Schutz gegen spätere Allergien gebe es keinen wissenschaftlichen Nachweis. "Empfohlen wird ausschließliches Stillen in den ersten vier Lebensmonaten. Anschließend kann Beikost eingeführt werden", erklärt Lipp.
Als Ursachen für Allergien kommen genetische und nicht genetische Faktoren infrage. "Allergene sind Stoffe, die vom Körper als fremd erkannt werden und eine Abwehrreaktion hervorrufen. Bei einer Allergie werden vom Immunsystem ungefährliche Substanzen als gefährlich eingeschätzt, es werden zu viele Antikörper gebildet und Substanzen freigesetzt, die allergische Symptome verursachen", erklärt der leitende Oberarzt. Bei einer Nickelallergie werden beispielsweise Abwehrzellen in der Haut aktiviert, die Botenstoffe ausschütten, welche eine Entzündungsreaktion an den Stellen hervorrufen, die mit Nickel in Kontakt gekommen sind.
Im Gegensatz zu den Allergien werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten nicht durch das Immunsystem hervorgerufen. Ursächlich könne ein Mangel an Enzymen sein oder Stoffwechselerkrankungen. "Der Körper ist nicht fähig, gewisse Nahrungsbestandteile zu verdauen", so Lipp, der damit den Unterschied zwischen Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit erklärt. Beispiele sind die Laktoseintoleranz und die Glutenunverträglichkeit. "Nach einer Spiegel-Online-Umfrage verzichten 23 Prozent der Deutschen auf bestimmte Lebensmittel, weil sie diese nach eigener Aussage nicht vertragen. Nur 21 Prozent von den Personen, die auf bestimmte Lebensmittel verzichten, gaben an, dass ein Arzt die Unverträglichkeit oder Allergie diagnostiziert hat, bei sieben Prozent stammt die Diagnose vom Heilpraktiker, vor allem bei der Glutenunverträglichkeit", sieht Lipp die Problematik durchaus bei der Selbstdiagnose. Eine belastbare Einschätzung ist: "Die Häufigkeit von Nahrungsmittelunverträglichkeiten wird auf circa 20 Prozent geschätzt."

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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