6. Dezember 2017, 17:36 Uhr | 0 | 1 Leser

Behindertenbeirat nimmt Arbeit auf
Interessenvertretung für 35.000 Menschen

Ortenau (st). Der Behindertenbeirat des Ortenaukreises nimmt zunächst für drei Jahre seine Arbeit auf. Die konstituierende Sitzung fand kürzlich im Landratsamt in Offenburg statt. Die neue Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen wird sich für eine gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben im Ortenaukreis einsetzen und den Abbau von Barrieren und Benachteiligungen vorantreiben.

Der Beirat wird voraussichtlich zweimal jährlich tagen und bietet eine Austauschplattform für betroffene Bürger, Vertreter von Städten und Gemeinden, Vertreter aus den Bereichen Bildung, Beratung und Förderung, Gesundheit, Arbeit, Wohnen und Bauen, Mobilität sowie Sport, Kultur und Freizeit, einen Vertreter des Sozialdezernats und die kommunale Behindertenbeauftragte im Ortenaukreis, Anita Diebold. Sie betont: „Der Beirat wird für die rund 35.000 Menschen mit einer schweren Behinderung im Ortenaukreis aber auch für alle anderen Menschen mit Beeinträchtigungen eine umfassende und kontinuierliche Entwicklung in Richtung Barrierefreiheit anstoßen.“

„In der ersten Sitzung zeigte sich bereits wie vielfältig und komplex die Barrieren im Ortenaukreis sind“, stellt Sozialdezernent Georg Benz fest. „Sie bestehen trotz großer Anstrengungen noch überall im öffentlichen Raum, im Bereich der Mobilität, der Arbeitswelt und des Wohnens, in Erziehung, Bildung, Freizeit, Tourismus, Kultur, Sport und Gesundheit. Diese gilt es auch im Hinblick auf Handicaps von älteren Menschen abzubauen.“ Gerade in der Mobilität und im Öffentlichen Personennahverkehr sehe der Behindertenbeirat besonderen Handlungsbedarf, denn die Zugänglichkeit von Gebäuden und Einrichtungen beginne schon mit dem Weg dorthin. Bei dieser ersten Sitzung seien bereits gute und leicht umsetzbare Beispiele für die Herstellung von Mobilität und Barrierefreiheit angesprochen worden.

Diebold fährt fort: „Im öffentlichen Personennahverkehr haben wir im Ortenaukreis inzwischen fast überall barrierefreie Niederflurbusse. Die 20 neuen barrierefreien Stadtbusse in Offenburg sind hier eines von vielen guten Beispielen. Um barrierefrei von einem Ort zum anderen zu kommen, braucht es jedoch auch barrierefreie Haltestellen und Bahnhöfe. Eine große Herausforderung wird hier die gesetzlich vorgeschriebene Umgestaltung aller Haltestellen und Bahnsteige sein.“

Mit Anita Diebold hat der Ortenaukreis bereits seit dem 1. Februar 2016 eine hauptamtliche kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderung. Der neue Beirat wird die Arbeit der Behindertenbeauftragten begleiten und unterstützen. Grundlage der Arbeit des mit 25 Personen besetzten Gremiums ist das 2015 in Kraft getretene Landesgesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen sowie die UN-Behindertenrechtskonvention. Beide verpflichten zur Gleichstellung und Barrierefreiheit und verbieten die Benachteiligung im gesamten öffentlichen Raum. Die Gründung des Behindertenbeirats hatte der Sozialausschuss des Kreistags im Juli beschlossen. Ende 2020 soll seine Arbeit bewertet und über die Fortsetzung entschieden werden.