Auswirkungen des Kriegs
Landwirte in der Ortenau ächzen unter steigenden Kosten
- Die regionalen Landwirte haben mit massiv gestiegenen Kosten zu kämpfen.
- Foto: ag
- hochgeladen von Christina Großheim
Ortenau Was tausende Kilometer entfernt im Nahen Osten passiert, hat direkte Auswirkungen auf die Felder und Ställe in unserer Region. Der Krieg im Iran lässt Energie- und Betriebsmittelpreise steigen und bringt viele landwirtschaftliche Betriebe in der Region zunehmend in Bedrängnis. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) spricht von einer „massiven Belastung des Betriebsalltags“.
Existentielle Herausforderung
Betriebsmittel wie Dünger, Strom und Kraftstoff seien auf einem historisch hohen Preisniveau. "Allein wichtige Düngemittel haben sich seit Ende Februar teilweise um bis zu 40 bis 45 Prozent verteuert. Gleichzeitig bleiben die Erlöse für landwirtschaftliche Produkte vielfach unter dem erforderlichen Niveau. Diese Kostenschere gerät für viele Familienbetriebe zur existenziellen Herausforderung", führt der BLHV auf Nachfrage der Guller-Redaktion aus.
Die Landwirte sind hierbei in einer Zwickmühle. Einerseits müssen sie höhere Betriebs- und Produktionskosten hinnehmen, können diese Kosten aber nicht ohne weiteres weitergeben. "Die Auszahlungspreise stagnieren oder sinken teilweise sogar. Viele landwirtschaftliche Erzeugnisse werden am Markt zu Preisen verkauft, die die gestiegenen Produktionskosten nicht annähernd decken. Das bringt zahlreiche Betriebe zunehmend an ihre wirtschaftlichen Belastungsgrenzen", so der BLHV weiter. Mittelfristig werde beim Verband auch damit gerechnet, dass sich die steigenden Erzeugungskosten auch in den Verbraucherpreisen widerspiegeln werden.
Erste Landwirte würden bereits reagieren und insbesondere beim notwendigen Nachkauf von Dünger im Frühjahr überlegen, wie viel sie sich überhaupt noch leisten können. "Weniger Düngung bedeutet jedoch unmittelbar geringere Erträge und oft auch Qualitätsverlust", heißt es aus der Pressestelle des BLHV.
Auch wenn die Versorgungslage in der Region noch gegeben sei, so sei sie dennoch angespannt. Neben hohen Preisen sorgten geopolitische Unsicherheiten für Nervosität in den Lieferketten. "Störungen oder Unsicherheiten an neuralgischen Punkten wie der Straße von Hormus wirken sich direkt auf Weltmarktpreise aus", so der BLHV weiter. Gerade Stickstoffdünger sei deutlich teurer geworden, ein Verzicht sei jedoch keine realistische Option, denn ohne ausreichende Nährstoffversorgung würden Ertrag und Qualität unmittelbar sinken.
Alle Betriebszweige betroffen
Die energie- und betriebsmittelintensiven Landwirtschaftszweige wie Ackerbau und Tierhaltung seien von den steigenden Kosten besonders betroffen. Letztlich würden aber nahezu alle Betriebszweige darunter leiden.
Der BLHV fordert die Politik zum Handeln auf und konkrete Maßnahmen. Kurzfristig brauche es wirksame Entlastungen bei den Energiekosten. "Dazu zählen aus unserer Sicht die sofortige Aussetzung der CO2-Bepreisung auf Kraftstoffe sowie eine vorübergehende Reduktion der Energiesteuer", so der BLHV. Langfristig brauche es verlässliche politische Rahmenbedingungen, robuste Lieferketten und eine stärkere Krisenvorsorge. Dazu gehöre aus Sicht des BLHV eine höhere Eigenversorgung mit Betriebsmitteln, eine wettbewerbsfähige heimische Energie- und Düngemittelproduktion sowie eine Marktpolitik, die es den Betrieben ermögliche, zumindest kostendeckend zu wirtschaften. Ernährungssicherheit sei keine Selbstverständlichkeit – sie brauche eine wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft vor Ort.
"Viele landwirtschaftliche Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und das nicht erst seit gestern. Jetzt kommen mit den explodierenden Preisen für Diesel und Düngemittel massive zusätzliche Belastungen obendrauf. Die bisher beschlossenen Maßnahmen, wie die Spritpreisbremse, sind reine Symbolpolitik! Wir brauchen jetzt kurzfristig wirksame Entlastungen, allen voran eine temporäre Aussetzung der Energiesteuer auf Diesel. Die Politik muss jetzt handeln“, betont BLHV-Präsident Bernhard Bolkart abschließend.













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