Palliativmedizin
Würde und Lebensqualität bis zum allerletzten Atemzug

Ziel der Palliativmedizin ist die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität von schwerstkranken Patienten.
  • Ziel der Palliativmedizin ist die Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität von schwerstkranken Patienten.
  • Foto: Symbolfoto: AOK-Mediendienst
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Ortenau (mak). „Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Sterben unter würdigen Bedingungen", heißt es in der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland. Viele Menschen, die an einer schweren, unheilbaren Erkrankung leiden, wünschen sich ein möglichst selbstbestimmtes Leben bis zu ihrem Tod, nach Möglichkeit in der gewohnten Umgebung zu Hause. Diesen Wunsch zu realisieren, versucht die Palliativmedizin, die nicht als Sterbemedizin missverstanden werden darf.

"Unser oberstes Ziel ist, die Lebensqualität des Patienten zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern", erklärt Dr. Jochen Rentschler, Leitender Oberarzt an der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Palliativmedizin am Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl, St. Josefsklinik. Auf der Palliativstation des Ortenau Klinikums werden rund 240 Patienten pro Jahr betreut. "Unsere Palliativabteilung steht für Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern offen. Wir begleiten Menschen, die an einer fortgeschrittenen Erkrankung leiden, die nicht mehr aufzuhalten und von belastenden Symptomen begleitet ist", sagt Rentschler.

Die Betroffenen werden von einem niedergelassenen Arzt, von einem anderen Krankenhaus oder von Stationen des Hauses an die Palliativstation überwiesen. Dort gibt es insgesamt zehn Betten. Die Betroffenen oder ihre Angehörigen können aber auch direkt Kontakt mit der palliativmedizinischen Abteilung des Klinkums aufnehmen. In der Regel werden die Patienten für ein bis drei Wochen stationär aufgenommen, wenn die Erkrankungssituation dies erfordert. "Dabei geht es häufig um körperliche Beschwerden wie Schmerz, Atemnot, Übelkeit und Erbrechen, aber auch um seelische Belastungen im Rahmen der Krankheitsverarbeitung und um Fragen der Weiterversorgung, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Nicht zuletzt beziehen wir auch die Familie und Freunde des Patienten ein, die ja alle in verschiedenem Maß mitbetroffen sind", führt Rentschler weiter aus.

Sind die Patienten nach einem stationären Aufenthalt wieder soweit aufgepäppelt, dass sie wieder in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren können, können sie vom Palliativ-Team Ortenau ambulant palliativmedizinisch weiterbetreut werden. "Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung gibt es seit 2012 im Ortenaukreis", erklärt Ute Königsmann, Koordinatorin und Teamleiterin des Palliativ Teams Ortenau, die mit ihrem Team von jeweils neun Pflegefachkräften und Palliativärzten rund 996 Patienten in 2018 betreute. Auch hierbei geht es um die Linderung der Symptome, um eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

"Des Weiteren ist es uns wichtig, dass Patienten in ihrer letzten Lebensphase zu Hause, in gewohnter Umgebung, sterben können, sofern sie dies auch wünschen", so Königsmann weiter. Rentschler ergänzt: "Wir sehen uns als Helfer, die jeden individuell ein Stück auf diesem schwierigen Weg begleiten." Dabei stehen aber nicht nur Mediziner und Pflegekräfte zur Verfügung. Eine Psychoonkologin, Klinikseelsorger, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und der Kliniksozialdienst komplettieren das Team. Eine Kunsttherapeutin und ein Musiktherapeut sollen Patienten zudem nonverbale Zugangswege ermöglichen. "Für uns ist es ganz wunderbar zu sehen, wenn Menschen es schaffen, ihr Leben trotz schwierigster Umstände wieder wertschätzen und gestalten zu können. So haben wir schon eine Hochzeit und eine Taufe auf der Station gefeiert“, so Rentschler abschließend.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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