Fußnote, die Glosse im Guller
Arbeitslos in die Schulferien

Man sagt den Menschen im Südwesten ja gerne einen ganz besonderen Hang zur Sparsamkeit nach. Zum Leidwesen mancher unterscheidet Restdeutschland da oft nicht zwischen Baden und Schwaben. Ich finde das nicht so schlimm. Es ist schließlich keine Tugend, wie ein betrunkener Matrose auf Landgang mit Geld um sich zu werfen. Und das ist weder schwäbische noch badische Lebensart.

Nun mögen die Klaus Wowereits dieser Welt es toll finden, "arm, aber sexy" zu sein. Ob die gute Laune und das Selbstbewusstsein wohl auch dann so groß wären, wenn ihnen andere Bundesländer finanziell nicht unter die Arme greifen würden?

Vielleicht jetzt nicht gerade sexy, in jedem Fall aber toll und sehr großzügig ist die Abschaffung von Kita-Gebühren. Vor allem für einen kleinen Stadtstaat, der sich das eigentlich gar nicht leisten kann. Ich kann da immer wieder nur staunen, mit welcher Chuzpe Berlin es sich und seinen Bürgern gut gehen lässt. Wir Südländer ticken da, wie oben erwähnt, ganz anders. Da wird geschafft, gespart und gar nichts verschenkt. Selbst bei treuen Staatsdienern – oder sagen wir mal besser, solchen, die es gerne werden möchten – wird keine Ausnahme gemacht. Die Rede ist von manchen Lehrern.

Viele Pädagogen freuen sich gerade über sechs Wochen Ferien. Entschuldigung, es handelt sich um unterrichtsfreie Zeit. Andere werden sechs Wochen in die Arbeitslosigkeit entlassen. Klar, während der Ferien gibt es keine Arbeit für Lehrer. Hoppla, das stützt ja das Vorurteil, dass unterrichtsfreie Zeit gleich Urlaub ist. Aber ich will das Thema Ferien nicht vertiefen, sonst merkt noch jemand, dass ich ein ganz klein wenig neidisch auf die viele unterrichtsfreie Zeit bin. Davon abgesehen will aber kaum einer mit den Pädagogen tauschen. Schon gar nicht mit den befristet angestellten, die weder unterrichtsfreie Zeit noch Urlaub, sondern schlicht keinen Job und wenn sie Pech haben, noch nicht einmal Arbeitslosengeld bekommen. Das gibt es nämlich erst, wenn in den vergangenen zwei Jahren zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt wurde. Da fehlen aber Berufsanfängern sechs Wochen.

Warum das Land so etwas tut? Natürlich um Geld zu sparen. Das Ganze geht zu Lasten der Arbeitslosenversicherung, sprich von mir und dir. Übrigens, auch in der Ortenau sollen 50 Lehrer betroffen sein.

Tatsächlich ist das nicht nur in Baden-Württemberg Praxis, sondern kommt sogar im großzügigen Berlin vor. Das clevere Musterländle ist hier allerdings absoluter Spitzenreiter in Deutschland. Ich finde in dem Fall: Manchmal kann der erste Platz auch peinlich sein.
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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