Die sechs Ortenauer Bürgermeisterinnen
Frauen in der Kommunalpolitik
- Stephanie Bartsch
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Ortenau (lw) 51 Bürgermeister gibt es insgesamt im Ortenaukreis – nur sechs davon sind allerdings Frauen. Die Guller-Redaktion hat bei den Rathauschefinnen anlässlich des Frauentags nachgefragt: Was raten Sie ihren Geschlechtsgenossinnen, die in der Kommunalpolitik gerne Fuß fassen möchten?
Stephanie Bartsch
Die Bürgermeisterin der Stadt Renchen, Stephanie Bartsch, betont, dass man zunächst klären muss, was mit Kommunalpolitik gemeint ist. Vor allem das Bürgermeisteramt greife tief in das private Leben ein. „Der Workload, in diesem Beruf orientiert sich weder an Arbeitsstunden oder Tageszeiten noch an Orten oder Wochentagen. Vielmehr gebe es schier unendlich viele Termine mit dem Wunsch, um Teilnahme der Amtsinhaberin.“ Davon sei nicht nur die Amtsinhaberin selbst, sondern auch ihr Umfeld betroffen. Zugleich erfordere das Amt die Bereitschaft, Entscheidungen öffentlich zu vertreten und Kritik auszuhalten. Dennoch sei es für Frauen mit den nötigen Ressourcen eine erfüllende Aufgabe: „Wenn es dann geklappt hat und die Amtsträgerin die notwendigen Kompetenzen besitzt, ist es ein Traumberuf.“ Abschließend spricht sie sich klar für mehr Frauen in der Lokalpolitik aus: „Geschlechtergemischte Gremien treffen meiner Erfahrung nach einfach klügere Entscheidungen.“
Dijana Opitz
Sasbachs Bürgermeisterin Dijana Opitz ermutigt Frauen ausdrücklich, den Schritt in die Kommunalpolitik zu wagen – auch dann, wenn Zweifel an der eigenen Eignung bestehen. Männer würden seit Jahrzehnten mit deutlich weniger Kompetenzangst kandidieren. Politik sei kein Eignungstest, sondern ein Handwerk, das man in der Praxis lerne. Mit Blick auf die geringe Repräsentanz von Frauen verweist sie auf die Zahlen im Ortenaukreis, wo lediglich 15 von 81 Kreistagsmitgliedern weiblich sind. Ihre klare Botschaft lautet: „Machen Sie sich sichtbar, bringen Sie sich ein, beanspruchen Sie Schlüsselthemen wie Finanzen und Bau genauso selbstverständlich wie Soziales und lassen Sie sich nicht kleinmachen.“
Bettina Kist
Bettina Kist, Bürgermeisterin der Gemeinde Lauf, rät Frauen zu denselben Voraussetzungen, die auch für Männer in der Kommunalpolitik gelten: "mutig voranzugehen, Verantwortung zu übernehmen, sich klar zu positionieren und sachlich sowie fundiert zu arbeiten." Entscheidend sei es, durch Verlässlichkeit und Transparenz Vertrauen bei den Bürgern aufzubauen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei auch die Unterstützung im privaten Umfeld. Dabei spiele insbesondere ein Partner oder ein Umfeld eine zentrale Rolle, das den politischen Einsatz mittrage, Verantwortung teile oder sogar überwiegend übernehme – und die Familienarbeit nicht hauptsächlich der Ehefrau zuschreibe.
Amalia Lindt-Herrmann
Für Amalia Lindt-Herrmann, Bürgermeisterin von Ortenberg, steht fest: Kommunalpolitik ist offen für alle, die sich für ihre Gemeinde und die Gesellschaft einsetzen möchten: "Wichtig ist, dass man dies aus Überzeugung tut, nicht aus einem Rollenbild heraus." Sie rät dazu, sich intensiv mit Abläufen, Inhalten und Themen auseinanderzusetzen, die eigene Meinung zu vertreten und offene Diskussionen nicht zu scheuen. Hilfreich sei zudem der Austausch mit erfahrenen Kommunalpolitikern. Vor allem aber gelte es, sich selbst treu zu bleiben – unabhängig davon, für welches Gremium oder Amt man kandidiere.
Sonja Schuchter
Sasbachwaldens Bürgermeisterin Sonja Schuchter begrüßt es ausdrücklich, wenn sich Frauen für Kommunalpolitik interessieren. Demokratie lebe vom Mitmachen und Mitentscheiden und sei nur so gut wie die Gremien, die sie tragen: „Deshalb braucht man viele verschiedene Sichtweisen.“ Frauen sollten sich dabei nicht auf einzelne Themen festlegen lassen. Zwar seien sie früher häufig vor allem mit Familienpolitik in Verbindung gebracht worden, tatsächlich gebe es jedoch weit mehr kommunale Themenfelder, in denen sie sich einbringen sollten. Sie ermutigt Frauen ausdrücklich, sich auch in Bereiche einzuarbeiten, die ihnen zunächst fremd erscheinen. Das helfe nicht nur dabei, gute Entscheidungen zu treffen, sondern erweitere auch den eigenen Horizont – ein Anspruch, der aus ihrer Sicht ebenso für Männer gilt.
Helga Wössner
Helga Wössner, Bürgermeisterin von Mühlenbach, legt den Fokus vor allem auf Mut und Selbstvertrauen: „Frauen, die in der Kommunalpolitik Fuß fassen wollen, rate ich, sich früh zu vernetzen, die eigenen Themen einzubringen und die vielen Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote, die es gibt, zu nutzen.“ Entscheidend sei jedoch noch etwas anderes: „Mut zu haben, Verantwortung und Posten zu übernehmen.“ Frauen würden häufig erst dann aktiv, wenn sie sich vollständig vorbereitet fühlten. Kommunalpolitik sei jedoch kein Ort für Perfektion, sondern für Gestaltungswillen.
Wenn etwas nicht sofort gelinge, sei das kein Grund aufzugeben, sondern eine Chance, daraus zu lernen, zu wachsen und weiterzumachen. „Unsere Demokratie vor Ort in den Gemeinden braucht Frauen, die sich etwas zutrauen und einbringen.“Foto:
Sechs Perspektiven
Sechs Frauen, sechs Perspektiven – und eine gemeinsame Botschaft: Kommunalpolitik braucht Frauen, die Verantwortung übernehmen, sich einbringen und den Mut haben, sichtbar zu sein. Mehr Frauen in politischen Ämtern bedeuten mehr Vielfalt in Entscheidungen. 6 weibliche Gemeindeoberhäupter gibt es im Ortenaukreis









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