Fußnote, die Glosse im Guller
Wieder plagt das Gewissen

Einige sollen schon Plakate malen. Auf manchen prangt ein "Herzlich Willkommen!". Andere wollen kundtun: "Wir schaffen das nicht, Frau Merkel!" Es gibt auch welche, auf denen steht: "Wir wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen!" Wenn es um die Aufnahme von über 1.500 Menschen aus griechischen Flüchtlingslagern geht, gehen die Meinungen in Deutschland auseinander.
Betroffen über das Feuer im Flüchtlingslager in Moria und das Schicksal seiner 13.000 einstigen Bewohner sind aber absolut alle. Selbstverständlich auch diejenigen, die strikt gegen noch mehr Asylsuchende in Deutschland sind. Manchem Gegner blutete sogar regelrecht das Herz beim Anblick der Bilder von traurigen Gestalten, die mit löchrigen Plastiktüten in der Hand fassungslos auf verkohlte Trümmer blickten. Leider, leider gibt es aber so viele Gründe, warum es geradezu wahnsinnig wäre, auch nur einen einzigen ins gelobte Deutschland zu lassen. Logisch, letztendlich können unmöglich alle Menschen in Not hier Zuflucht finden. Deshalb scheint es einigen besser, die Schotten völlig dicht zu machen, um bei den armen Leuten erst gar keine Hoffnungen zu wecken. Nur wenigen die Chance zu geben, wäre doch geradezu grausam. Überhaupt, Deutschland kann doch nicht alleine die Welt retten. Was es unabdingbar braucht, ist eine gemeinsame Linie aller EU-Staaten, finden selbst absolute Gegner der Europäischen Union. So schade, dass es hier keine Einigung geben wird.
Ehemalige Moria-Bewohner nach Deutschland zu holen, ist ein besonders heißes Eisen. Das käme tatsächlich geradezu einer Aufforderung zur Brandstiftung in allen Lagern gleich. Hurra, wenn das kein Grund ist, die Hände insgesamt in den Schoß zu legen! Manchmal kann man halt nichts machen.
Genauso wie im Frühjahr, als Ärzte ohne Grenzen vor einer humanitären Katastrophe warnten. Obwohl, ein bisschen wurde schon reagiert. Dass sich damals angeblich 1.300 Flüchtlinge in Moria einen Wasserhahn teilen mussten und keine Seife hatten, hat aufhorchen lassen. Hunderte wurden weggebracht. Zuletzt waren in dem Lager, das für 2.800 Menschen konzipiert war, "nur" noch 13.000.
Doch mal völlig ohne Ironie: Es mag das schlechte Gewissen beruhigen, wenn man immer dann schnell mal ein paar Tausend Flüchtlinge extra ins Land lässt, weil wir die traurigen Bilder nach Katastrophen nicht ertragen können. Das Problem des Flüchtlingselends löst das aber nicht. Deshalb schreibe ich auf mein Plakat: Hört nicht auf hinzuschauen und energischer nach humanen Lösungen zu suchen!
Anne-Marie Glaser

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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