Andreas Amann und Matthias Becker stellten sich dem Deutschlandlauf
Von Sylt zur Zugspitze in 19 Tagen

Andreas Amann und Matthias Becker beim Start | Foto: Privat
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Ortenau (st). 1.321 Kilometer von Sylt zur Zugspitze in nur 19 Tagen, das war das Ziel von Andreas Amann und Matthias Becker. Nur einer erreichte es.

Kennengelernt haben sich die beiden Ortenauer Ultraläufer bei der Bundeswehr. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir beide mit Laufen nicht viel am Hut. Erst Jahre später trafen wir uns wieder bei einem Volkslauf. Dann wurden die Strecken immer länger und wir trafen uns immer wieder bei Laufveranstaltungen. Absoluter Höhepunkt war für uns die Teilnahme am Deutschlandlauf“, erzählen die beiden. Dem Ettenheimer Andreas Amann gelang dieses Kunststück bereits drei Mal, der Schuttertäler Matthias Becker konnte diesen Extremlauf schon zwei Mal erfolgreich beenden.

Als dieser Lauf nach sieben Jahren erstmals wieder stattfinden sollte, ging diese Nachricht wie ein Lauffeuer durch die Ultralaufszene. Führten die bisherigen Deutschlandläufe von Kap Arcona (Insel Rügen) nach Lörrach, wählte der Veranstalter dieses Mal eine neue Strecke mit Start auf Sylt dann mit einem Knick nach Westen über die Rheinschiene, um dann über Baden-Württemberg und Bayern nach 19 Etappen ohne Ruhetag auf der Zugspitze zu enden. Hierbei waren Etappen mit teilweise über 90 Kilometern zu bewältigen.

So startete das internationale Teilnehmerfeld bei stürmischem und regnerischem Wetter direkt an der Nordsee. Für die 61 Läufer war diese Etappe mit 60 Kilometer noch zum Warmlaufen. Danach folgten die längsten Tagesetappen des gesamten Laufes. Bereits nach drei Tagen schieden die ersten Teilnehmer verletzt aus. „Nicht nur die Länge der Etappe machte uns zu schaffen, sondern auch die für Läufer eher monotone Landschaft Norddeutschlands, dazu immer wieder heftige Winde und starker Regen. Matthias und ich waren teilweise schon mal 13 Stunden auf der Strecke. Da blieb kaum Zeit zur Regeneration, da am nächsten Tag schon wieder um 5 oder 6 Uhr gestartet wurde“, erzählt Andreas Amann.

Einig waren sich im Vorfeld alle Läufer, dass nach der 10. Etappen die Wahrscheinlichkeit, die Zugspitze zu erreichen, erheblich steigt. Kürzere Etappen, abwechslungsreichere Landschaften, die Berge vor Augen, alles Bilder mit denen sich die Läufer Tag für Tag neu motivierten. Für Amann sollte sich dieser Traum jedoch nicht erfüllen. „Bei der 9. Etappe bekam ich schon Probleme mit meinem rechten Fuß. Die 10. Etappe beendete ich mehr humpelnd als laufend, aber noch im Zeitlimit. Am nächsten Morgen war der Fuß dann so dick geschwollen, dass an ein Weiterlaufen nicht mehr zu denken war. Ich konnte nur noch ganz kleine Schritte machen und war froh, überhaupt noch einigermaßen gehen zu können. Somit war das Rennen für mich gelaufen“, lässt Amann diesen Tag nochmals Revue passieren. Doch der größte Schreck sollte ihn erst noch einen Tag später treffen. In der Jugendherberge Oberwesel, gab es beim Treppensteigen einen lauten Knall, vergleichbar mit einem Peitschenknall, dazu einen stechenden Schmerz. „Für mich war sofort klar, dass die Achillissehne gerissen ist“, erinnert sich Amann. Für ihn überhaupt die erste Laufverletzung in seiner langen Laufkarriere. Viel Zeit zum Nachdenken blieb jedoch nicht. Es galt die Heimreise zu organisieren, Untersuchungen und dann gleich die Operation. „Den weiteren Lauf des Deutschlandlaufes konnte ich dann im Internet verfolgen“, blickt Amann etwas wehmütig zurück.

Für Becker ging das Rennen zunächst planmäßig weiter. Die Strecke am Rhein entlang, dann weiter über die Alb ins Allgäu entschädigte die Läufer für viele eher monotone Etappen. Dazu kam noch, dass ab der 16. Etappe die Familie von Matthias dabei war, dazu noch sonniges Wetter, Heuernte, duftende Wiesen, die Berge am Horizont. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schief gehen. Doch wie unberechenbar so ein langer Etappenlauf sein kann, sollte der Schuttertäler auf der vorletzten Etappe erfahren. Starke Magen- und Darmprobleme bei großer Hitze machten ein Laufen für ihn so gut wie unmöglich. „Bei 20 Kilometern war ich kurz davor das Rennen zu beenden. Doch dann kam mein elfjähriger Sohn Raphael und begleitete mich über acht Kilometer bis zum nächsten Versorgungspunkt. Allerdings konnte ich den ganzen Tag fast nichts essen. Nach über zwölf Stunden kam ich dann in Garmisch-Partenkirchen  ins Etappenziel“, blickt Becker auf diese für ihn schwerste Etappe zurück.

Für die Schlussetappe wurde das Ziel aus Sicherheitsgründen auf Sonnalpin, kurz unterhalb der Zugspitze festgelegt. Becker startete um 5 Uhr und sollte um 13.30 Uhr das Ziel erreichen. Von den 61 gestarteten Ultraläufern erreichten 41 das Ziel. Am Abend fand dann noch eine stimmungsvolle und emotionale Siegerehrung statt. Allen Läufern und Helfern merkte man die Erleichterung an, dieses Unternehmen erfolgreich zu Ende gebracht zu haben. 19 Tage unter extremer physischer und psychischer Belastung, Übernachtungen in Sporthallen auf der Isomatte, extreme Witterungen, all das hat Spuren hinterlassen.
 
Für den Läufer des LVE ist das Laufjahr abgeschlossen. „Ich werde mir genügend Zeit lassen, die Verletzung auszukurieren, zählt doch ein Riss der Achillissehne zu den schwersten Laufverletzungen überhaupt“, sieht Amann seine Zukunftsperspektiven. Auch Becker wird sich viel Zeit lassen, um seinem Körper die nötige Zeit zur Regernation zu geben: „Nach so einem Extremlauf muss der Körper erst einmal wieder zur Ruhe kommen, das dauert und dann ist da ja auch noch meine Familie die fast drei Wochen auf mich verzichten musste.“ Irgendwann wird man sich aber bestimmt bei einem Laufevent wieder sehen, da sind sich die beiden einig.

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