Angedacht: Martin Grab
Wie vergesslich sind wir denn geworden?

Martin Grab

Wie vergesslich sind wir eigentlich geworden? Diese Frage brennt mir gerade sehr unter den Nägeln. Denn ich nehme etwas wahr, das mir von Tag zu Tag mehr Sorgen macht: In unserer Gesellschaft wird immer deutlicher versucht, die Corona-Pandemie vergessen zu machen. Und das geschieht auf die denkbar einfachste Weise: Wir tun so, als habe sich die Pandemie aus unserem Land verzogen – nach Brasilien etwa oder in die USA oder zurück nach China.

Corona wird verdrängt – allerdings nicht durch medizinischen Fortschritt, sondern dadurch, dass wir Corona leugnen und so tun, als gefährde uns das Virus nicht mehr. Und heraus kommt dabei ein nicht zu verantwortender Lockerungswahnsinn. Ob das nun ein Konzert ist oder der Urlaub auf Mallorca oder die Schulentlassfeier oder die Fleischfabrik: Alles muss irgendwie gehen. Und die Risiken werden billigend in Kauf genommen.

Haben wir die Bilder aus China oder Italien vergessen?

Haben wir die Bilder vom Februar und März aus China oder Italien allen Ernstes schon vergessen? Haben wir vergessen, wie sehr uns damals die Existenz dieses Virus geschreckt hat? Haben wir vergessen, welche Verdopplungsraten und Reproduktionszahlen uns damals in allen seriösen Medien präsentiert wurden? Ja, wir sind vergesslich geworden!
Genauso vergesslich wie vor 2.000 Jahren die an Lepra Erkrankten, die von Jesus geheilt worden waren und dafür nicht einmal gedankt haben.

Jeder von uns ist in einer ähnlichen Lage wie die Geheilten damals: Wir sind Verschonte. Sind wir auch dankbar dafür? Oder verschwenden wir keinen "GeDANKen" daran?

Wie vergesslich sind wir geworden? Das Wir meine ich bitterernst. Mit Kopfschütteln stelle ich fest, dass sich viel zu viele meiner beruflichen Gedanken darauf ausrichten, was in unserer Gemeindearbeit ab Herbst wieder möglich ist. Eigentlich sollte gerade ich als Pfarrer etwas weniger Zeit fürs Planen und mehr Zeit fürs Danken aufwenden.

Wir haben im März um Bewahrung unserer Gesundheit gebetet. Vielleicht wäre es ganz gut, jetzt auch einmal Gott zu danken für dieses wunderbare Leben, das wir immer noch haben?

Ich will versuchen, mich zu bessern. Am heutigen Sonntag werden wir einen Dankgottesdienst feiern. Und werden Gott bei dieser Gelegenheit um mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Geduld für uns alle bitten.

Bleiben Sie behütet und gesund!
Martin Grab, evangelischer Pfarrer für Rheinbischofsheim, Hausgereut, Holzhausen

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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