"BUND" gegen Seilbahn-Pläne
Kritik an Europa-Park-Vorhaben

Rust (ds/st). Der Europa-Park plant eine Seilbahn über den Rhein hinweg, direkt über das Naturschutzgebiet Taubergießen. Nun nimmt der Bund für Umwelt und Naturschutz ("BUND"), Regionalverband Südlicher Oberrhein, zu den Plänen in einer Pressemitteilung Stellung:

"Auch der 'BUND' findet Seilbahnen besser als den bisherigen PKW-Verkehr. Sinnvoll und vertretbar wäre eine solche Seilbahn allerdings nur über Nicht-Naturschutzflächen zum nächstgelegenen deutschen Bahnhof. Aber bei den aktuellen Vorüberlegungen handelt es sich leider um eine Seilbahn über eines der wichtigsten Naturschutzgebiete am Oberrhein. Es geht nicht um ein Entweder-oder, um ein 'Seilbahn statt Auto-Verkehr', sondern um Autoverkehr plus Seilbahn, denn an einen Wegfall der Kappler Fähre wird nicht gedacht. Es wird mehr, es muss mehr werden – das ist eine der Grundregeln einer zutiefst selbstzerstörerischen Gesellschaft in Zeiten des Klimawandels und der absehbaren Endlichkeit der Ressourcen. Die Verkehrsbelastung in den Parkgemeinden wird kurzfristig abnehmen und dann wieder zunehmen und zusätzlich kommt dann noch die Seilbahn. Und wenn Hunderttausende über den Taubergießen schweben, dann wollen noch mehr Menschen im Naturschutzgebiet spazieren gehen. Bei Herrn Mack vom Europa-Park gibt es scheinbar keine Grenzen des Wachstums, im Naturschutzgebiet Taubergießen sind sie teilweise schon überschritten.

Es gab bisher eine einigermaßen friedliche Koexistenz zwischen dem Naturschutzgebiet und dem Park, ein trotz Lärmzunahme immer noch wenig störendes Nebeneinander von Natur und Freizeitgesellschaft. Eines der vielen Probleme des Parks ist der explodierende Flächenverbrauch und die massive Ausbreitung Richtung Autobahn, eine Expansion, die jetzt auch mit der Seilbahn ins Elsass getragen werden soll.

Eine Seilbahn über eines der letzten großen Naturschutzgebiete am Oberrhein könnte die winzige Restnatur wieder ein kleines Stück gefährden. Die ganz großen Zerstörungen sind am Oberrhein politisch nicht mehr durchsetzbar. Heute wird mit Greenwash und dem Prinzip der Salamitaktik vorgegangen. Im Regierungsbezirk Freiburg sind nur knapp 3,4 Prozent der Gesamtfläche noch Naturschutzgebiete. Wir erleben, wie die Medien aktuell über das globale und regionale Artensterben und Naturverluste berichten und beobachten gleichzeitig in der 'Ökoregion' Oberrhein immer heftigere Angriffe auf die verbliebene Restnatur. Dazu gehört auch das krebsartige Wuchern des Europa-Parks und eine 'Europaparkisierung' Südbadens. Natur ist dann gut, wenn sie Geld bringt.

Jetzt wird auch gerne von Ausgleich für die geplante Naturzerstörung gesprochen. Doch die Praxis des Ausgleichs in Deutschland ist leider gesetzeskonform lächerlich, wie der Ausgleich für den Freiburger Stadionsbau durch Böschungspflege am Kaiserstuhl gerade wieder gezeigt hat.
Der 'BUND' sieht eine neue Seilbahn über die Restnatur im Taubergießen äußerst kritisch und ablehnend. Wir wissen allerdings, wie ungeheuer groß die politische Macht von Herrn Mack ist, und wir kennen die Kniefälle von Regionalpolitik und Behörden vor dieser Macht. Politisch sind Konflikte um den Europapark eigentlich immer schon von Anfang an verloren. Die einzige Hoffnung sind unabhängige Gerichte."

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