Reinhold Waidele vom Gewerbeverein Wolfach
Interview

Die Wolfacher Innenstadt
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  • Foto: Foto: Gewerbeverein Wolfach
  • hochgeladen von Anne-Marie Glaser

Wolfach. Glücklicherweise gibt es ab dem morgigen Montag Lockerungen für einen Teil der Geschäftswelt. Insgesamt ist die Situation trotzdem noch prekär. Exemplarisch hat Anne-Marie Glaser mit dem Vorsitzenden des Gewerbevereins Wolfach, Reinhold Waidele, über die Situation in Wolfach gesprochen.

Wie ist die Stimmung bei den Mitgliedern in dieser schwierigen Zeit?
Insbesondere in der Gastronomie und im Einzelhandel, welche von einem Tag auf den anderen ihre Geschäfte schließen mussten, war das natürlich eine noch nie erlebte Situation. Neben der wirtschaftlichen Bedrohung mit Existenzängsten hat diese Situation auch eine enorme psychische Belastung hervorgerufen. Manche Mitglieder haben schnell reagiert und auf Lieferservice umgestellt, andere sind doch in einer Schockstarre verharrt. Wenn auf unsere unterstützend angebotenen Aktivitäten keine Reaktion kam, haben wir vom Gewerbeverein uns dann auch mal persönlich gemeldet.

Der Stadtanzeiger-Verlag hat für eine Gutscheinaktion das Internetportal deingutscheinhilft.de ins Leben gerufen, um die Unternehmen im Ortenaukreis zu unterstützen. Inwiefern hilft es den Wolfacher Unternehmen, wenn Kunden jetzt einen Gutschein kaufen?
Gutscheine helfen natürlich vor allem den kleineren Geschäften, trotz der Schließung Einnahmen zu generieren. Das ist ja im Prinzip wie ein zinsfreier Kredit. Solche Gutscheinkäufe haben aber auch einen psychologischen Effekt, weil sie den Geschäftsinhabern zeigen, dass die Kunden sie nicht vergessen haben. Das darf man in dieser krisenhaften Ausnahmesituation auch nicht unterschätzen. Die Aktion „Dein Gutschein hilft“ des Stadtanzeigers ist für uns hier eine willkommene Hilfe. Sie unterstützt dieses Vorhaben medial und bietet gleichzeitig auch noch eine technische Plattform, um die Gutscheine direkt beim jeweils gewünschten Geschäft über das Internet zu bestellen.

Warum ist es so wichtig, dass die Kunden speziell die heimischen Unternehmen unterstützen?
Grundsätzlich kämpften auch ohne Corona-Krise schon viele Betriebe ums Überleben. Sowohl in der Gastronomie als auch im Einzelhandel gibt es Nachfolgeprobleme und insbesondere in der Gastronomie fehlt es auch an fachlich geeigneten Mitarbeitern. Von behördlicher Seite wurde diese schwierige Situation in der Vergangenheit durch Verschärfung der arbeitsrechtlichen Gesetze, durch Hygienevorschriften bis hin zum Baurecht und so weiter noch verstärkt. Im Einzelhandel ist natürlich der starke Trend zum Onlinehandel einer der gewichtigen Hauptgründe für die bestehenden Schwierigkeiten. Ohne die Geschäfte und die Gastronomie veröden aber die Innenstädte. Die Gefahr besteht, dass Kunden und Bürger das erst merken, wenn es schon zu spät ist. Die großen Onlinehändler tragen nichts zu einer Belebung der Stadt bei. Sie zahlen hier im Ort auch keine Steuern und sorgen nicht für lokale Arbeitsplätze. Ganz zu schweigen von den umweltbelastenden Faktoren der massenhaften Versandabwicklung und den fragwürdigen Arbeitsbedingungen. Deshalb ist es ein so wichtiger Appell, jetzt solidarisch zu sein. Ich hoffe natürlich, dass diese Solidarität auch nach der Krise noch nachwirkt. Es heißt ja, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Dann wäre ja hier zumindest dem ganzen Desaster noch etwas Positives abzugewinnen.

Gibt es seitens des Gewerbevereins schon Überlegungen oder sogar konkrete Pläne, wie die Unternehmen nach der Corona-Krise wieder durchstarten können?
Hier überlegen wir derzeit in einem kleinen Team, haben auch Ideen und beraten uns regelmäßig unter anderem auch in Videokonferenzen. Wir können immer nur so reagieren, wie es von behördlicher Seite erlaubt wird. Aktuell hatten wir die neuesten Erkenntnisse vom vergangenen Mittwoch abgewartet und werden hier zur Öffnung des Einzelhandels eine entsprechende Aktion planen. Wir müssen davon ausgehen, dass Veranstaltungen wie zum Beispiel ein verkaufsoffener Sonntag mit großen Menschenansammlungen unter Umständen das ganze Jahr noch nicht möglich sein werden. Auf jeden Fall wird die Internet-Shop-Präsenz bei verschiedenen Einzelhändlern zukünftig eine größere Rolle spielen. Das Thema wird mit einer gemeinsamen Plattform zusammen mit einem Dienstleister gerade intensiv bearbeitet.

Autor:

Anne-Marie Glaser aus Offenburg

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