Andreas Schengel und Kultbus Willi
Gemeinsam fahren sie "Lecker aufs Land"

Beste 1960er-Fahrgemeinschaft: Andreas Schengel (1964) und Omnibus Willi (1963) – der Name des Mercedes-Oldies ist eine Hommage an den ehemaligen "Ritter"-Hotelier Wilhelm Brunner.
  • Beste 1960er-Fahrgemeinschaft: Andreas Schengel (1964) und Omnibus Willi (1963) – der Name des Mercedes-Oldies ist eine Hommage an den ehemaligen "Ritter"-Hotelier Wilhelm Brunner.
  • Foto: Frank Leonhardt
  • hochgeladen von Christina Großheim

Offenburg. Er sieht umwerfend aus, und das gerade mal zwei Tage nach der Paul-Pietsch-Classic-Rallye! Für das makellose Aussehen hat Andreas Schengel gesorgt, Willis Chauffeur. Er hegt und pflegt den Oldtimer-Mercedes-Bus, so wie den gesamten Fuhrpark im Durbacher Hotel "Ritter". Zu Willi hat er jedoch eine besondere Beziehung: Seit 2011 kutschiert er mit eben diesem Omnibus fünf Landfrauen und Hofbesitzerinnen für die SWR-Kochdoku „Lecker aufs Land“ durch das Sendegebiet.

Wie es dazu kam? „Der Südwestfunk wollte den Bus für die Dreharbeiten. Und da Willi nur mit Chauffeur zu haben ist, wurde ich gleich mit engagiert“, erzählt Andreas Schengel. Und fügt hinzu, ganz unaufgeregt, dafür mit tiefer Freude: „Ich habe das große Glück, hier mitmachen zu dürfen.“

Gute Laune und Musik

„Hier mitmachen zu dürfen“, bedeutet, dass er Staffel für Staffel seine "Mädels" oder "Ladies", wie er die Landfrauen respektvoll nennt, durch die schönsten Landschaften fährt. Immer mit dabei: Kameramann, Tontechniker und Regisseur, dazu jede Menge gute Laune und 1960er-Jahre-Musik. „Wenn der Bus am Rollen ist und mit Elvis die gute alte Zeit erklingt, dann kann ich die Freude meiner Mädels richtig hören. Alle bekommen ein Gefühl von Stressfreiheit“, schwärmt der Chauffeur aus Leidenschaft.

Für das Glück, einen Beruf auszuüben, der Freude macht, empfindet Schengel große Dankbarkeit. 1979, da ist er 15 Jahre, kann die Familie von Kasachstan nach Deutschland ausreisen. Alle fühlen sich sofort wie zu Hause. Der junge Andreas macht eine Schreinerlehre, heiratet früh, wird Vater zweier Töchter, die sein ganzer Stolz sind. Das Berufsleben ist variantenreich – er arbeitet als Schreiner, Haustechniker und LKW-Fahrer –, bis ihn ein Bandscheibenvorfall buchstäblich in die Knie zwingt.

Neuanfang mit 44

Mit erst 44 Jahren muss er neu anfangen: „Mein Selbstwertgefühl war am Boden, doch ich hatte Hilfe, konnte mich beruflich neu orientieren und bekam wieder Hoffnung.“ Eine seiner Bewerbungen führte ihn 2008 ins Hotel "Ritter". Seither gehört er als Haustechniker zu den Rittersleut, kümmert sich um den Fuhrpark und unternimmt mit Willi und Gästen inzwischen legendäre Ausfahrten mit Rahmenprogramm.

Am schönsten ist für Schengel, wenn die Gäste schon in Feierlaune in den Bus steigen. Hochzeitspaare, Geburtstagskinder, Jubilare, Weinhoheiten: Alle begrüßt er mit der feinsinnigen Vorstellung seiner Person: „Mein Name ist Schengel. Mit ‚Sch‘ wie ‘Schutz‘ und ‘Engel‘." Der Name als Programm: „Schneller als 80 Stundenkilometer fahre ich nicht. Willi verträgt keine Autobahnfahrten, hohe Drehzahlen mag er auch nicht. Schließlich ist er mit Jahrgang 1963 nicht mehr der Jüngste."

Viele schöne Erlebnisse

Aber einer, der im Nu die Herzen erobert. „Willi zaubert ein Lächeln ins Gesicht“, weiß Schengel – dem genau das ebenso gelingt. „Man muss seine Freude haben“, so sein Credo. Und diese Freude hat er besonders, wenn er mit den Landfrauen auf Tour geht. Auch wenn die Tage lang sein können und weder Klimaanlage noch Servolenkung für Fahrkomfort sorgen. Seine schönsten Erlebnisse? Unmöglich aufzuzählen, das würde zu lange dauern…

Den aufregendsten Moment erzählt er jedoch gerne: „Bei einer Winterstaffel war ich Laudator und habe den Preis übergeben. Ich also verkabelt, im eleganten Anzug, die Kamera frontal auf mich gerichtet – Adrenalin pur!“ Normalerweise bleibt Schengel im Hintergrund, beim gemeinsamen Dinner ist er nie dabei. Wie gut die Menüs schmecken, kann er trotzdem beurteilen – viele Rezepte hat er mit seiner Lebensgefährtin schon nachgekocht.

Familie ist das höchste Gut

Apropos Lebensgefährtin: Ist sie nicht eifersüchtig, wenn er mit so vielen tollen Frauen unterwegs ist? „Nein“, weiß Schengel, denn sie wisse genau, dass für ihn die Familie, neben Gesundheit, das höchste Gut sei. Dabei verhehlt er nicht, wie sehr er sich darüber freut, dass über die Jahre Freundschaften enstanden sind und die Landfrauen im Ritter Urlaub machen. Auch der gewisse Kultstatus von Willi und ihm macht ihn ein bisschen stolz: „Vergangenes Jahr, in Friedrichshafen, habe ich mein erstes Autogramm gegeben." Und Willi, der blendend aussehende Oldie, war natürlich begehrtes Foto-Motiv.  Gabriele Ritter

Autor:

Christina Großheim aus Offenburg

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