Letzte Ruhestätte ist häufig ein Urnengrab
Beliebte Baumbestattungen

Auf dem Leutesheimer Friedhof besteht die Möglichkeit zur Urnenbeisetzung am Baum. | Foto: Stadt Kehl/Norman Mummert
  • Auf dem Leutesheimer Friedhof besteht die Möglichkeit zur Urnenbeisetzung am Baum.
  • Foto: Stadt Kehl/Norman Mummert
  • hochgeladen von Christina Großheim

Kehl (st) Bei der Frage nach der letzten Ruhestätte bewegt sich der Trend in Kehl seit Jahren weg von einer klassischen Sargbestattung, heißt es in einer städtischen Pressemitteilung. Stattdessen falle die Wahl immer häufiger auf ein Urnengrab. Aber auch besondere Bestattungsformen wie beispielsweise Urnen an Bäumen einlassen, werden zunehmend beliebter.

Die Tendenz hin zu einem Urnen- und weg von einem konventionellen Erdgrab lasse sich bereits aus den Bestattungszahlen der 2010er-Jahre herauslesen. Die Zahl der belegten Erdreihen-, aber auch der Erdwahlgräber habe zwischen 2010 und 2020 stetig abgenommen. Bei Erdreihengräbern handele es sich um Sarggräber. Die Verstorbenen würden hierbei in der Reihenfolge der Todesfälle beerdigt. Im Gegensatz dazu könnten Lage und Größe (Einzel-, Mehrfach- oder Tiefgrab) bei einem Erdwahlgrab frei gewählt werden. Bekannte Beispiele für diese Bestattungsform sind etwa Familiengräber. Parallel dazu sei die Zahl der Urnengräber auf den Kehler Friedhöfen in diesem Zeitraum kontinuierlich angestiegen. Einen Umschwung habe es allerdings im ersten Corona-Jahr 2020 gegeben: In diesem Jahr sei die Zahl der Erdgräber von 3.655 (2019) auf 3.839 angestiegen.

Derweil setze sich der Trend hin zu einer Urnenbestattung weiter fort. 2024 habe die Zahl der belegten Urnenwahlgräber annähernd die 2000er-Marke erreicht. Zum Vergleich: 2010 gab es auf den Friedhöfen in Kehl lediglich 720 belegte Urnenwahl- und 633 belegte Urnenreihengräber.

Eine eher seltene Angelegenheit seien in Kehl anonyme Bestattungen. 2024 waren es 75 Urnen- und vier Sargbegräbnisse, darunter 16 Urnenbestattungen in der Kernstadt. Mehrheitlich handele es sich dabei um ordnungsbehördliche Bestattungen in der Form von Urnenbeisetzungen. „Merklich zugenommen haben anonyme Beisetzungen in den vergangenen Jahren nicht“, heißt es aus der Friedhofsverwaltung.

Neben einer klassischen Bestattung würden auf dem Friedhof in der Kernstadt und in Goldscheuer zusätzlich Beisetzungen in gärtnergepflegten Grabfeldern angeboten. Die Grabpflege übernehme auf diesen Flächen die Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner. Voraussetzung für eine Bestattung auf dem gärtnergepflegten Grabfeld sei ein Grabpflegevertrag zwischen den sogenannten Grabnutzungsberechtigten und der Genossenschaft. Auf dem Friedhof in der Kernstadt gebe es inzwischen 247 solcher Gräber, die Mehrzahl (214) seien Baumgräber, an denen eine Urne eingelassen wurde und die mit einem Findling (beschriftet mit Namen, Geburts- und Sterbejahr) und Immergrün bepflanzt sind. An 33 Stellen auf dem Grabfeld würden Särge unter der Erde liegen. Die Nachfrage sei so groß, dass bereits eine Erweiterungsfläche mit Platz für rund 150 zusätzliche Gräber angelegt worden sei. Auch dies seien mehrheitlich Urnengräber.

Das gärtnergepflegte Grabfeld auf dem Friedhof in Goldscheuer ist laut Stadt Kehl nahezu vollständig belegt. Von den 23 Grabstätten für Urnen und Särge sei nur ein Grab noch verfügbar. Zusätzlich gebe es am Grabfeld einen Baumstandort mit Platz für 18 Urnen. Dort stünden noch vier Urnengräber zur Verfügung. Die Ortsverwaltung in Goldscheuer sei bereits mit der Genossenschaft badischer Friedhofspfleger im Gespräch, das Feld zu erweitern.

Bedarf an Baumbestattungen steigt

Bestattungssonderformen wie Flussgräber oder einen Friedwald gibt es in der Kernstadt und den Ortschaften nicht, wie es aus dem Standesamt heißt. Was einem Friedwald, also ein für Bestattungen ausgewiesenes Waldstück, am nächsten kommt, sei der sogenannte Friedpark in Auenheim. Seit 2016 sind auf dem dortigen alten Friedhof Baumbestattungen möglich. Und diese Möglichkeit werde rege genutzt: 99 Bestattungen habe es dort bislang gegeben, 40 davon – und damit etwas weniger als die Hälfte – seit 2023. Bei einer Baumbestattung in Auenheim werde die Asche der Verstorbenen in einer sogenannten Urnenröhre zur letzten Ruhe gebettet. „An den Zahlen lässt sich erkennen, dass diese Bestattungsart zunimmt“, heißt es dazu aus der Ortsverwaltung von Auenheim.

Auf dem Friedhof in Leutesheim gebe es seit 2018 die Möglichkeit einer Urnenbeisetzung am Baum. Dazu stehen auf der Bestattungsfläche „Im Hain“ sechs Ahorn- und Tulpenbäume. Die Urnen der Verstorbenen würden in das Grabfeld rings um die Bäume eingelassen. Im Gegensatz zu den Urnenröhren, bei denen ein Namensschild mit den Lebensdaten des Verstorbenen auf dem Röhrendeckel angebracht werde, seien die Urnengräber „Im Hain“ nicht zu erkennen. Kleine Tafeln mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen können stattdessen ebenso wie Blumen an eigens dazu aufgestellten Gedenksteinen angebracht werden. Bislang habe es an den Bäumen 38 Bestattungen gegeben. Jedes Grabfeld rings um die Bäume habe 16 Segmente. Und jedes Segment biete Platz für bis zu zwei Urnen, sodass Ehepartner ihre letzte Ruhe gemeinsam finden können. „Die ersten Bäume sind schon belegt“, heißt es aus der Ortsverwaltung. Das Grabfeld sei in diesem Jahr bereits erweitert worden.

Auch in Kork sei die Nachfrage nach Urnenbeisetzungen am Baum groß. Inzwischen gebe es auf dem Friedhof fünf amerikanische Amberbäume mit je 16 Gräbern. Drei Grabflächen seien komplett belegt. Auf dem Friedhof in Bodersweier stünden  vier Urnenbäume. „Dort ist die Nachfrage nicht ganz so hoch“, teilt Amir Gidaui vom städtischen Betriebshof mit.

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.