Lange Grenzschließung spürbar
City-Besucherzahlen erholen sich nur langsam

Normalerweise gehört Kehls Innenstadt zu den belebtesten in ganz Deutschland. Jetzt ist alles (noch) anders.
  • Normalerweise gehört Kehls Innenstadt zu den belebtesten in ganz Deutschland. Jetzt ist alles (noch) anders.
  • Foto: Stadt Kehl (Archivfoto)
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (st). Es war unübersehbar: Gleich am ersten Tag nach der Öffnung der Grenze zwischen Straßburg und Kehl in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni kehrte das Leben in die Innenstadt zurück. Wurden am Samstag, 13. Juni, noch 7.825 Passanten in der Fußgängerzone gezählt, waren es am Montag darauf bereits 13302 und am Dienstag sogar 15.887. Gemessen wird immer in der Zeit zwischen 10 und 18 Uhr.

Auch wenn die Besucherzahlen in der vergangenen Woche in etwa auf diesem Stand geblieben sind, können sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich derzeit noch weniger Menschen in der Innenstadt aufhalten als in der Vor-Corona-Zeit. Der Vergleich mit anderen Städten zeigt außerdem: Aufgrund der langen Grenzschließung wächst die Besucherfrequenz in Kehl mit Verzögerung.

Immerhin waren in der ersten Woche nach der Grenzöffnung mit 93.067 Passanten gut doppelt so viele Menschen in der Fußgängerzone präsent wie eine Woche zuvor (46.274). 2019 waren es im gleichen Zeitraum des Jahres zwischen 97.000 und 108.000. Betrachtet man das Jahr 2020 bis jetzt, so zeigt sich, dass nur etwa ein Drittel der in den Vorjahren üblichen Zahl von Innenstadtbesuchern erreicht wurde.

Der Corona-Virus hat die Passantenfrequenz offenbar bereits vor der Schließung von Geschäften und Gaststätten beeinflusst: So zählte bereits die letzte Februarwoche zu den besucherschwachen Zeiträumen mit beispielsweise nur 8.971 in der Fußgängerzone registrierten Passantinnen und Passanten am Samstag, 29. Februar. Zum Vergleich: Am 16. März, als die Grenze morgens um 8 Uhr geschlossen wurde, kamen 9.984 Menschen in die Kehler Innenstadt.

Danach befanden sich die Besucherzahlen durch den schrittweise vollzogenen Lockdown im freien Fall: Nachdem alle Geschäfte schließen mussten, die nicht der unmittelbaren Versorgung der Bevölkerung dienten, sackten die Zahlen weiter ab, um mit der Schließung der Gastronomie ihren Tiefststand zu erreichen, der sich bei um die 1.500 Passanten bewegte.

In der Hochphase der Corona-Zeit vom 1. März bis zum 31. Mai ergibt sich für die Fußgängerzone eine Besucherzahl von 482.876. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es 1,5 Millionen, 2018, im Jahr der Großbaustelle für die Tram bis zum Rathaus, 1,4 Millionen. Dabei spielt freilich auch eine Rolle, dass in diesem Jahr Großveranstaltungen wie der Ostermarkt, das Frühlingsfest und vor allem der Messdi nicht stattfinden konnten.

Betrachtet man die durchschnittliche Besucherzahl pro Tag in den einzelnen Monaten, so ist der Einbruch im April am signifikantesten: Im März lag das Besuchermittel pro Tag bei 6.848 (14.927 im März 2019), im April nur noch bei 3.818 (16.319 im April 2019), im Mai bei 6.400 (17571 im Mai 2019). Bis zum 20. Juni ist der Durchschnittswert wieder auf 8.976 Besucher pro Tag angestiegen.

Nimmt man den 20. Juni als Vergleichstag und betrachtet hier die Stunde von 11 bis 12 Uhr, so waren in der Kaiser-Straße in Karlsruhe mit 3.003 Menschen fast dreimal so viele Personen unterwegs wie in Kehl mit 1.095. In der Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg wurden 2.826 Besucher gezählt, auf dem südlichen Teil des Kurfürstendamms in Berlin 1.580 und in der Lahrer Marktstraße 1.337. Dass sich Kehl mit diesen deutlich größeren Städten vergleichen kann, zeigt bereits, dass sich die Zahl der Passanten in der Innenstadt in normalen Zeiten auf einem hohen Niveau bewegt.

Im Vergleich zu anderen Städten, wo mit der Wiederöffnung des Einzelhandels am 4. Mai und der Gastronomie am 18. Mai, wieder einen großen Anteil der Kundschaft in die Einkaufsstraßen kam, blieb 40 bis 45 Prozent der Klienten des Kehler Handels der Zugang durch die geschlossene Grenze zu Straßburg versperrt. Einen weiteren Faktor für die niedrigere Frequenz in der Innenstadt seit der Wiedereröffnung der Geschäfte sieht Wirtschaftsförderin Fiona Härtel in der Kaufzurückhaltung diesseits des Rheins, die ihre Ursache in der Maskenpflicht und in veränderten Einkommensverhältnissen durch Kurzarbeit habe.

Messmethode

Die Zahlen sind das jüngste Ergebnis von Erhebungen, welche die Kehler Wirtschaftsförderung seit April 2017 immer wieder vornehmen lässt. Erfasst werden Innenstadtbesucher an Messtagen, wenn sich ihre Handys im WLAN befinden. Dabei werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Diese Messmethode stellt sicher, dass jeder Passant nur einmal erfasst wird, unabhängig davon, wie er sich durch die Fußgängerzone bewegt. Aufgrund von statistischen Daten über den Anteil der Smartphone-Besitzer in der Bevölkerung werden die Zahlen hochgerechnet und mit tatsächlichen Zählungen vor Ort auf Plausibilität geprüft. Gemessen wird in bestimmten Zeiträumen immer von 10 bis 18 Uhr und zwar an allen Tagen der Woche.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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