Übersetzertage vom 20. bis 28. November
Die Sprachen der Welt sind in Kehl zu Gast

Stilübungen mit Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
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Kehl (st). Übersetzen ist weit mehr als das Übertragen von Worten aus der einen in die andere Sprache: Dass Übersetzen eine Kunst ist, die spannend und unterhaltsam dargeboten werden kann, zeigen mehr als 30 Veranstaltungen, die vom 20. bis zum 28. November im Rahmen der Baden-Württembergischen Übersetzertage in Kehl stattfinden. Dabei kann man Übersetzern bei ihrer Arbeit auch über die Schulter schauen.

Mittwoch, 20. November,

19 Uhr im Kulturhaus: Bevor Denis Scheck in seinen Vortrag mit dem Titel „Vom Literarischen Übersetzen und dem Aturen-Papagei“ einsteigt, werden Oberbürgermeister Toni Vetrano, Bärbel Flad, die Vizepräsidentin des Freundeskreises zur Förderung literarischer und wissenschaftlicher Übersetzungen, sowie Andreas Schüle, Referatsleiter im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, einführende Worte sprechen. Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 21. November,

17 Uhr im Kulturhaus: Wie eine Literaturübersetzerin arbeitet, lässt sich im Raum 404 live erleben: Besucher können Maja Ueberle-Pfaff beim Feilen an den Texten über die Schulter schauen. Fragen und aktive Beteiligung sind willkommen. Maja Ueberle-Pfaff übersetzt Literatur aus dem Englischen und dem Französischen. Im Kulturhaus arbeitet sie am Manuskript von „Les choses humaines“, dem neusten Roman von Karine Tuil. Auf zwei Bildschirmen können die Teilnehmenden verfolgen, wie eine literarische Übersetzung entsteht und welche Herausforderungen die Übersetzerin zu bewältigen hat. Der Eintritt ist frei.
18.30 Uhr im Kulturhaus: Vom für den Laien erstaunlich langen Weg der Wörter von der einen Sprache in die andere erzählt Karin Krieger. Sie hat Elena Ferrantes Romanzyklus „Meine geniale Freundin“ übersetzt, der längst als literarische Sensation gilt. Die Übersetzerin liest aus den Texten der Autorin und vermittelt den Zuhörenden wie die scheinbare Leichtigkeit des Werkes vom Italienischen ins Deutsche gelangen konnte. Der Eintritt kostet fünf Euro.
20.30 Uhr im Kulturhaus: Mit Stilübungen setzen Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel den Übersetzerabend fort. Die Zweit-Autoren performen eine Auswahl ihrer Stilübungen bei der Übersetzung des Klassikers der französischen Avantgarde Raymond Queneau, wofür sie 2017 mit dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet wurden. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Freitag, 22. November,

18 Uhr im Kulturhaus: Die Geschichte der abenteuerlustigen, neunmalklugen Zazie, die alles durcheinander wirbelt, gehört zu den beliebtesten französischen Romanen des 20. Jahrhunderts. Frank Heibert stellt nach 60 Jahren seine Neuübersetzung der erweiterten Ausgabe des Werks von Raymond Queneau vor. Der Eintrittspreis beträgt fünf Euro.
20.30 Uhr im Kulturhaus: Der vielfach ausgezeichnete Übersetzer Hinrich Schmidt-Henkel präsentiert an zwei bemerkenswerte norwegische Autoren: Tarjei Vessas und Kjell Askildsen. Der Eintrittkostet fünf Euro.

Samstag, 23. November,

16 Uhr im La Cita: Bei einem deutsch-französischen Arbeitsjournal können Besucher in die Welt der Übersetzenden eintauchen und dabei entdecken, was sich alles an Material rund um den übersetzten Text angesammelt hat. Die Übersetzerin Camille Luscher zeigt dabei ihr gesammeltes Material zu einem Buch der Zürcher Autorin Annette Hug. Der Eintritt ist frei.
19 Uhr im La Cita: Eine vergnügliche Literaturperfomance mit Schauspielern des Theater Freiburg und des Kehler Theaters der zwei Ufer verbirgt sich hinter dem Titel „Art of Making Money“. Die Freiburger Autoren Jürgen Reuß und Stephan Kuß schauen den Weltliteraten über die Schulter, wie sie – samt Übersetzern – gnadenlos abkassieren und die Zukunft an der Börse verjubeln. Der Eintritt zu diesem höchst spekulativen Programm kostet sieben Euro.
20 Uhr im La Cita: Bei einer Talkrunde im Anschluss geht es um die Frage: Wie entsteht eigentlich Weltliteratur? Annette Wassermann, Lektorin beim Klaus-Wagenbach-Verlag und Dr. Holger Fock, ehemaliger Präsident des Rats der europäischen Literaturübersetzungsverbände geben im Gespräch mit Jürgen Reuß Einblicke in das Verlagswesen und den Buchmarkt. Der Eintritt ist frei.

Sonntag, 24. November,

11 Uhr La Cita: In einer Lesung der Gedichte von Ibn Arabi präsentiert der Islamwissenschaftler und Übersetzer Stefan Weidner an nicht nur Gedichte, sondern auch Musik und erklärt die Vorstellungswelt und die Lebensumstände mittelalterlicher islamischer Mystiker. Bei dieser Einführung in den Islam der anderen Art wirken Schüler der Hebelschule mit. Der Eintritt kostet fünf Euro.
14 Uhr La Cita: Wie bringt man den Zauber der Worte aus einer Sprache in die andere? Diese Frage beantwortet Daniela Seel, die Übersetzerin von „Die verlorenen Wörter“ von Robert Mcfarlane. Da Robert Macfarlane das Buch für Kinder geschrieben hat, welches von Jackie Morris wunderbar illustriert wurde, eignet sich die Veranstaltung auch für Familien.
16 Uhr La Cita: Es geht um zweisprachige Poesie: Marina Skalova schreibt ihre Gedichte, lyrische Prosa und Theaterstücke auf Französisch und Deutsch. Außerdem übersetzt sie vom Deutschen ins Russische. Wie all das zusammengeht, erläutert sie. Der Eintritt kostet fünf Euro.
19 Uhr La Cita: Versschmuggel ist eine Übersetzerwerkstatt, die im Sommer 2018 in Berlin stattgefunden hat. Sechs tschechische und sechs deutsche Dichter haben gemeinsam eine Anthologie erarbeitet, die zweisprachig in beiden Ländern erschienen ist. Zu Gast sind die Dichter Jan Skrob, Tom Bresemann und die Sprachmittlerin Martina Lisa. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Montag, 25. November,

18 Uhr im Salon Voltaire: Mit Thrillern legt der ägyptische Autor Ahmed Mourad die gesellschaftlichen Verhältnisse in seinem Land bloß. Übersetzerin Christine Battermann spricht über ihre Erfahrungen mit der Übertragung dieser dem ägyptischen Lebensgefühl sehr nahen Bücher. Der Eintritt kostet fünf Euro.
20 Uhr im Salon Voltaire: Die Somalierin Nadifa Mohamed umkreist schreibend ihre verlorene Heimat. Es geht um Krieg, Flucht, Freundschaft, die Hoffnung auf ein neues Leben. Susann Urban beschäftigt sich mit Fragen, wie viele Fremde eine Übersetzung verträgt oder was sich von einer anderen Welt in die unsrige transportieren lässt und was nicht. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Dienstag, 26. November,

17.30 Uhr im Kinocenter: Der preisgekrönte Film „Die Frau mit den fünf Elefanten“ verwebt die Lebensgeschichte von Swetlana Geier mit ihrem literarischen Schaffen. Sie gilt als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche; ihre Neuübersetzungen von Dostojewskijs fünf großen Romanen sind ihr Lebenswerk und literarische Meilensteine. Der Eintritt kostet fünf Euro.
20 Uhr im Kulturhaus: „Autor trifft seinen Übersetzer“ ist die Begegnung von Peter Stamm und José Anibal Campos überschrieben. Die beiden sprechen über die Hürden und Herausforderungen des Übersetzens von Texten aus der Kultur der einen Sprache in die Kultur der anderen Sprache. Der Eintritt kostet sieben Euro.

Mittwoch, 27. November,

17 Uhr im Kulturhaus: Als gläserne Übersetzerin übersetzt Isabel Bogdan live aus dem Englischen, das Publikum in Raum 404 schaut zu und kann aktiv mitwirken. Der Eintritt ist frei.
18 Uhr im Kulturhaus: Der Übersetzer aus dem Türkischen, Gerhard Meier, möchte ein Bild davon vermitteln, wie ein Übersetzerdasein aussehen kann und beantwortet gerne Fragen. Er liest außerdem aus seiner Übersetzung von Asli Erdogans Buch „Haus aus Stein“. Der Eintritt kostet fünf Euro.
20 Uhr im Kulturhaus: Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es beim Übersetzen von Kiezdeutsch, HipHop und Gesprächen? André Hansen berichtet von seinen Erfahrungen und Erkenntnissen aus der Arbeit mit Mahir Guvens „Zwei Brüder“. Der Eintritt kostet fünf Euro.

Donnerstag, 28. November,

18 Uhr im Club Voltaire: „Ma“ von Aya Cissoko ist die Geschichte einer jungen Frau und die Liebeserklärung einer Tochter an ihre Mutter. Wie herausfordernd für die Freiburger Übersetzerin Beate Thill die zahlreichen in das Original eingestreuten Passagen der in Mali verbreiteten Sprache Bambara waren, berichtet sie. Der Eintritt kostet fünf Euro.
20 Uhr im Kulturhaus: Shakespeare als HipHop, Dylan als Bibelvers, James Bond als Gerichtsreport – und das alles sehr schnell aus dem Stehgreif. In der interaktiven Präsentation Translation Slam feilen drei Literaturübersetzer gemeinsam mit dem Publikum an markanten Sätzen. Der Eintritt kostet fünf Euro.
21.30 Uhr im Kulturhaus: Mit Le Tour-Party und damit mit frankophoner Musik zum Abtanzen enden die Übersetzertage. DJ Thomas Bohnet spielt, was gefällt und tanzbar ist. Eintritt fünf Euro.

Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche in der Mediathek

„Kikeriki – Was?“ von Lena Hesse ist eine charmante Geschichte über Sprachunterschiede und Sprachverständnis für Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren. Muriel Nicolin liest die Geschichte am Donnerstag, 21. November, auf Deutsch und Französisch. Es folgt am Dienstag, 26. November, Reem Dannawi in den Sprachen Deutsch und Arabisch und abschließend Robyn Tropf in deutscher und englischer Sprache. Im Anschluss an die zweisprachigen Lesungen wird gebastelt. Beginn ist jeweils 16 Uhr an, der Eintritt ist frei.
Gregs Tagebuch ist eine Comic-Roman-Serie von Jeff Kinney, die den Alltag eines Heranwachsenden in einer amerikanischen Vorstadt beschreibt. Wie übersetzt man Sprechblasen und wie überträgt man Humor aus einer anderen Sprache ins Deutsche? Mit diesen Fragen setzt sich Dietmar Schmidt am Samstag, 23. November, von 14 Uhr an auseinander. Die Kinderbuchreihe war eigentlich für Erwachsene gedacht – daher eignet sich die Veranstaltung für alle Comic-Fans ab zwölf Jahren. Der Eintritt kostet fünf Euro, reduziert drei Euro.
Zuhören, verstehen, übersetzen, sprechen – alles gleichzeitig. Das ist Simultandolmetschen. Wer selber mal ausprobieren möchte, wie das geht, hat dazu am Freitag, 22. November, von 14 bis 17 Uhr in der Mediathek Gelegenheit. Professionelle Dolmetscher vom Sprachendienst von ARTE unterstützen beim Übersetzen vom Deutschen ins Französische und vom Französischen ins Deutsche.

Stilübungen mit Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel
Denis Scheck referiert bei der Eröffnung die Übersetzertage.
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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