Stadtverwaltung im Umbruch
Fünf neue Führungskräfte haben übernommen

Vier von fünf (v.l): Marie Fichtner, Max Fäßler, Ralph Essig-Christeleit und Marc Wüst haben zusammen mit Matthias Knosp (fehlt auf dem Bild) bei der Stadt Kehl Führungspositionen übernommen. | Foto: Stadt Kehl
  • Vier von fünf (v.l): Marie Fichtner, Max Fäßler, Ralph Essig-Christeleit und Marc Wüst haben zusammen mit Matthias Knosp (fehlt auf dem Bild) bei der Stadt Kehl Führungspositionen übernommen.
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Kehl Stabwechsel im Rathaus: Auch in der Führungsriege der Stadtverwaltung gehen mehr und mehr Mitarbeitende aus der Generation der sogenannten Babyboomer in den Ruhestand. Zeitnah kompetente Nachfolger zu finden, ist längst keine einfache Aufgabe mehr. Dass im Herbst fünf neue Führungskräfte in den Bereichen Finanzen, Rechnungsprüfung, Recht und Technische Dienste verpflichtet werden konnten, „zeigt, dass die Stadt eine attraktive Arbeitgebern ist“, sagt Oberbürgermeister Wolfram Britz.

Leiter Fachbereich Finanzen

38 Jahre stand Martin Härdle im Dienst der Stadt Kehl – 27 Jahre davon als Kämmerer beziehungsweise als Fachbereichsleiter Finanzen. Als Martin Härdle im Sommer in den Ruhestand ging, konnte der kommissarische Leiter Max Fäßler nahtlos übernehmen – ein seltener Glücksfall. Der heute 30-Jährige kam 2018 als Hochschulpraktikant zur Stadt Kehl und in die Sachbearbeitung der Vollstreckung. Nach dem Abschluss seines Studiums war genau diese Stelle ausgeschrieben; Max Fäßler kehrte zurück und ließ sich in eine sogenannte Job-Rotation integrieren.

Für den verheirateten Hobbymusiker war „der Finanzbereich als Profil immer schon gesetzt“. Als Max Fäßler die Chance erhielt, Stellvertreter des Fachbereichsleiters zu werden, ergriff er sie als „interessante Herausforderung“. Das Interesse, Leiter des Fachbereichs Finanzen zu werden kam, als er diesen für ein halbes Jahr kommissarisch übernehmen musste, weil sein Chef schwer erkrankte. Anhand von vorgegebenen Zahlen das Machbare ausloten, Gestaltungsspielräume aufzeigen – darin sieht er seine Aufgabe. Wie die Möglichkeiten genutzt werden, entscheide dann der Gemeinderat. Als wichtigen Punkt sieht er, den Finanzbereich früher in Projekte und Prozesse mit zuzuschalten. Eine solch zeitige Einbindung ermögliche es ihm und seinen Mitarbeitenden, verwaltungsintern und im Gemeinderat stärker als Berater aufzutreten. Besonderen Wert legt er daher auf die konzeptionelle und strategische Ausrichtung seines neuen Verantwortungsbereichs.

Leiter Stabsstelle Rechnungsprüfung

Auch Ralph Essig-Christeleit sieht sich als Leiter der Stabsstelle Rechnungsprüfung „nicht als Kontrolleur, sondern als Berater der Verwaltung“. Klar, müsse sein Bereich auch prüfen „und den Finger in die Wunde legen“, doch neben den Zahlen war schon immer „die Organisationsberatung mein Ding“, sagt der 55-Jährige, der im Oktober die Nachfolge von Silvia Wiegert angetreten hat. Sie war seit 2006 oberste Rechnungsprüferin der Stadt gewesen. Er war nach seinem Studium zunächst sechs Jahre EDV-Leiter und dann 19 Jahre lang Kämmerer. Er hoffe, dass die Mitarbeitenden in der Stabsstelle nicht als „die bösen Prüfer“ gesehen würden, sondern im Idealfall die Kolleginnen und Kollegen aus den Verwaltungsbereichen zur Rechnungsprüfung kommen, wenn sie spezielle Fragen haben oder Abläufe – wie zum Beispiel die Bezahlung von Rechnungen – verbessern möchten. Er ist zuversichtlich, dass dieser Imagewandel gelingen kann: „Ich wurde vom ersten Tag an von den Kolleginnen und Kollegen der Fachabteilungen gut aufgenommen und werde mit Informationen versorgt“, freut sich der verheiratete Vater von drei erwachsenen Kindern, der den Ausgleich zum Bürojob bei der Gartenarbeit findet.

Leiterin Bereich Recht

Für kommunale Themen und Belange hat sich Marie Fichtner „immer schon interessiert“. Im Jura-Studium an der Uni Freiburg, im Praktikum bei der Stadt Offenburg. Ihr Referendariat hat sie am Landgericht Offenburg absolviert. Die 31-jährige Volljuristin und Mutter von zwei Kindern hat Anfang Oktober die Nachfolge von Rechtsbereichsleiter Klaus Poßberg angetreten, der dieses Amt 32 Jahre lang innehatte. Dass sie bei der Stadt Kehl als Generalistin gefordert ist, findet Marie Fichtner „total interessant und horizonterweiternd in jeglicher Hinsicht“. Die französischen Partner und damit auch die bi-nationalen Verträge der Stadt, „sind eine große Besonderheit“ – dass sie sich hier noch einfinden muss, schreckt sie nicht: „Herausforderungen bringen einen weiter“, findet Marie Fichtner. Während ihres Studiums und Referendariats hat sie zusätzlich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Karlsruher Kanzlei mit dem Schwerpunkt Handels- und Gesellschaftsrecht gearbeitet und dabei Bekanntschaft mit Schiedsverfahren in englischer Sprache gemacht – „also wird das auch auf Französisch gehen“. Wenn ihr neben Beruf und Familie Zeit bleibt, sieht sie sich gerne Ausstellungen in Galerien und Museen an; sie malt auch selbst gerne.

Leiter Kommunale Abgaben

„Grund, Hund, Gewerbe und Vergnügen“, fasst Marc Wüst seinen Aufgabenbereich im Fachbereich Finanzen prägnant zusammen. Hund und Grund hat der heute 45-Jährige bei der Stadt Kehl schon direkt nach seiner Ausbildung zum Verwaltungswirt betreut. 2013 wechselte er dann nach Baden-Baden, war zunächst für die Gewerbesteuer zuständig und wurde dann stellvertretender Fachgebietsleiter. Zum Jahresbeginn 2022 ging er zur Stadt Offenburg, avancierte nach sechs Monaten zum Teamleiter Steuern; seit September bringt er sein profundes Wissen in genau diesem Bereich bei der Stadt Kehl ein.

Durch die Grundsteuerreform handelt es sich dabei um ein besonders komplexes Thema. 17 000 Objekte sind in Kehl betroffen; 7,2 Millionen Euro nimmt die Stadt über die bebauten Grundstücke ein, 113 000 Euro über die landwirtschaftlichen. Die neuen Messbescheide treffen langsam im Rathaus ein. Wenn alle Bescheide vom Finanzamt vorliegen, wird der Gemeinderat – voraussichtlich im Herbst 2024 – den neuen Hebesatz festlegen. Vorgabe des Gesetzgebers ist, dass die Grundsteuerreform aufkommensneutral bleibt, Städte und Gemeinden sie also nicht zur Verbesserung ihrer Einkommenssituation nutzen. Das allerdings heißt nicht, dass es nicht Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer geben wird, die deutlich mehr bezahlen müssen. „Für den Einzelnen kann sich viel ändern“, weiß Marc Wüst und sieht sich bei Fragen in der Beraterfunktion.

Zu seinem Verantwortungsbereich gehören neben den Erschließungsbeiträgen und der Gewerbesteuer auch die Steuern, die für die 1800 in Kehl registrierten Hunde zu entrichten sind. Vom Betrag her sind diese Einnahmen für die Stadt vergleichsweise gering, „die Außenwirkung ist jedoch groß“, weiß Marc Wüst aus Erfahrung. Kehler Besonderheit: Die Besteuerung von aktuell 450 Spielautomaten läuft ebenfalls in seinem Ressort.

Kaufmännischer Leiter Technische Dienste Kehl

„Back to the roots“ bedeutet für Matthias Knosp die Übernahme der kaufmännischen Leitung des städtischen Eigenbetriebs Technische Dienste Kehl (TDK) zum 1. Oktober. Er stammt aus Urloffen, ist dort auch aufgewachsen und hat zuletzt bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an den Standorten in Stuttgart und Freiburg gearbeitet. Bei den TDK, wo er die Nachfolge von Patrik Vetter antritt, freut er sich darauf, Jahresabschlüsse nicht nur prüfen zu müssen, sondern „selber welche erstellen zu können“. Besonders gereizt hat den 33-Jährigen die Aufgabe, den Bau des geplanten Kombibads zu begleiten, will in seinem Fall heißen: „finanziell abzuwickeln“. Auch die vorgesehenen Beteiligungsinvestitionen der TDK als zweites Großprojekt betrachtet er als willkommene Herausforderung.

Dass er bereits seit seiner Wahl durch den Gemeinderat im Mai zu Veranstaltungen eingeladen wurde, hat es ihm ermöglicht, die neuen Kollegen bereits vorab kennen zu lernen. Als jemand, der nicht nur gerne joggt, sondern auch Halbmarathons läuft, ist er beim Hoch3-Firmenlauf schon vor dem offiziellen Arbeitsbeginn für die TDK gestartet. Der SC Freiburg-Fan wandert außerdem gerne.

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