Gefahr für Streuobstwiesen
Misteln entziehen Bäumen Wasser und Nährstoffe

Misteln werden immer mehr zur Gefahr für die heimischen Streuobstwiesen.
  • Misteln werden immer mehr zur Gefahr für die heimischen Streuobstwiesen.
  • Foto: Stadt Kehl
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl (st). Die Zweige der Mistel sind eine allseits beliebte Weihnachtsdekoration, der sogar heilende Kräfte nachgesagt werden. Weniger bekannt ist hingegen, dass das Gewächs eine ernstzunehmende Gefahr für die heimischen Obstbäume darstellt.

Misteln sind Schmarotzer

„Die Misteln sind Schmarotzer“, erklärt die städtische Umweltbeauftragte Sarah Koschnicke. „Sie haben keine eigenen Wurzeln, sondern benötigen zum Wachsen einen Wirt, dem sie Wasser und Nährstoffe entziehen.“ Die so entstehende Zusatzbelastung kann bis zum Absterben der Bäume führen, vor allem, wenn diese durch die Hitzesommer der vergangenen Jahre bereits geschwächt sind. Die Mistel gefährdet allerdings nicht nur die Bäume selbst, sondern auch Tiere und Pflanzen, die in dem besonderen Lebensraum Streuobstwiese beheimatet sind.

„Das Mistel-Problem ist seit einigen Jahren ein echtes Dauerthema bei uns“, sagt Sarah Koschnicke. Jeder Eigentümer und Pächter einer Streuobstwiese ist grundsätzlich für seine eigenen Bäume verantwortlich, allerdings ist „die Gefahr dabei, dass die Mistel nicht an der Grundstücksgrenze Halt macht.“ Setzt sich das Gewächs erstmal in einem Gebiet fest, hat dies direkte Auswirkungen auf die umliegenden Baumbestände. Gegen die von Vögeln verbreitete Mistel gibt es keine dauerhafte Lösung, eine gute Baumpflege verhindert jedoch bleibende Schäden am Astwerk: „Die Stadt hat für ihre Obstbäume bereits seit längerem zwei Streuobstschneider angestellt“, berichtet die Umweltbeauftragte.

Wie in ganz Baden-Württemberg, gibt es auch in Kehl vielfältige Streuobstwiesen, vor allem in den Ortschaften. Beim Naturerlebnispfad und im Kronenhof lassen sich die bunten Obstspender ebenfalls begutachten. „Die Nutzbäume wirken sich positiv auf das Klima aus, bereichern das regionale Landschaftsbild und dienen unzähligen Lebewesen als Heimat“, erläutert Sarah Koschnicke. „Die grünen Alleskönner müssen uns daher zwingend erhalten bleiben.“ Im Naturschutzgesetz des Landes sind Streuobstwiesen seit diesem August als besonders schützenswerte Biotope verankert, da sie eine wichtige Rolle beim Erhalt der regionalen Artenvielfalt spielen. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch immer die Jahreszeit beachtet werden: Die umfassende Pflege der Bäume ist nur von Anfang Oktober bis Ende Februar erlaubt, außerhalb der Brutzeiten.

Mistelbefall – Was tun?

Entdecken Besitzer oder Pächter solcher Bäume Misteln im Astwerk, haben sie mehrere Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Zum einen kann die Hilfe eines professionellen Baumpflegers in Anspruch genommen werden oder Betroffene legen selbst Hand an. Laut dem Naturschutzbund des Landes (NABU) gibt es dabei jedoch einiges zu beachten: So gilt es, die nachwachsenden Misteln alle zwei bis drei Jahre abzuschneiden, um deren weitere Vermehrung einzudämmen. Das ist wichtig, da die Schmarotzer erst im vierten Jahr ihre Beeren tragen und damit Vögeln als Nahrungsquelle dienen. Soll ein Baum von Grund auf erneuert werden, müssen stark befallene Äste komplett entfernt oder mindestens 30 Zentimeter um diese Stelle herum abgesägt werden. Bei kleinerem Befall können Pflanzen samt Wurzeln mit einer Kerbe tief ins Holz ausgeschnitten werden. Die Wurzeln der Misteln sind als grüne Stellen im Holz erkennbar.

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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