Sundheimer Grund hat sich gut entwickelt
Wichtiger Lebensraum
- Der Sundheimer Grund in Kehl ist ein ganz besonderes Schutzgebiet.
- Foto: Stadt Kehl/Annette Lipowsky
- hochgeladen von Christina Großheim
Kehl (st) Der Sundheimer Grund hat sich in den vergangenen Jahren aus Sicht der städtischen Umweltbeauftragten Michael Faller und Gregor Koschate sehr gut entwickelt. Allerdings scheint dies nicht für jede und jeden erkennbar zu sein, so die Stadt Kehl in einer Pressemitteilung. Auf manche Spaziergänger wirken die Flächen verwildert. Dabei ist dies durchaus beabsichtigt und dient zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum.
Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Sundheimer Grund erstreckt sich über 58 Hektar. Bei einem knappen Drittel dieser Flächen handelt es sich um ehemalige Streuobstwiesen, die nur noch teilweise typische Merkmale wie hochstämmige Obstbäume, vielfältige Baumstrukturen, Habitatbäume und einen artenreichen Wiesenbewuchs aufweisen. Rund 60 Prozent dieser Flächen sind verpachtet. Elf Hektar sind hingegen nicht mehr verpachtet. Der Anteil ehemaliger Streuobstwiesen beläuft sich hier bei zirka 62 Prozent. Diese Flächen werden von der Stadt gepflegt.
Vitalität erhalten
"Pragmatische Baumschnitte“ nennt Michael Faller aus der Stabsstelle für Nachhaltige Stadtentwicklung dabei das Vorgehen der Stadt bezüglich der Bäume. Die Pflegeschnitte werden nicht angesetzt, um die Erträge der Bäume zu steigern, sondern um deren Vitalität zu erhalten und um Pflegerückstände aufzuholen. Denn nicht immer wurden die vormals verpachteten Streuobstwiesen so gepflegt, wie es aus ökologischer Sicht wünschenswert gewesen wäre. Ungeachtet dessen kommt es zunehmend vor, dass Obstbäume aufgrund der zunehmenden Trockenheit, aber auch wegen schlechter Bodenbedingungen, Schädlingen oder schlicht altersbedingt absterben. Diese Bäume werden im Anschluss jedoch nicht gefällt, denn auch nach dem Absterben erfüllen sie als sogenannte Habitatbäume noch eine für die Natur sehr wichtige Funktion: als Lebensraum für selten gewordene Vogelarten wie den Wendehals, den Wiedehopf und den Steinkauz – allesamt Höhlenbrüter. Da halboffene Weidelandschaften, in denen diese Arten früher vorkamen, weitgehend aus dem Landschaftsbild verschwunden sind, suchen sie zunehmend neue Lebensräume und finden diese auf artenreichen Streuobstwiesen. Sie nutzen Baumhöhlen und Astlöcher als Unterschlupf und Niststätte. Liegengebliebenes Totholz dient ihnen zudem als Futterquelle, denn es lockt Insekten an, die wiederum auf dem Speiseplan der Vögel stehen. Deshalb verbleiben auf den durch die Stadt gepflegten Flächen das Totholz und die abgestorbenen Bäume.
Neben den Bäumen kann auch die darunterliegende Wiese von hohem ökologischem Wert sein. Statt intensiver Mahd setzt die Stadt bei der Pflege dieser Flächen auf tierische Mitarbeitende: Seit 2024 weiden beispielsweise Galloway-Rinder und Burenziegen abwechselnd auf freiwerdenden Pachtflächen und tragen so zu einem geschlossenen Nährstoffkreislauf bei. Zusätzlich erhöht die Beweidung durch Tiere langfristig die Artenvielfalt. „Natürlich haben wir dabei den Baumschutz stets im Blick“, betont Gregor Koschate. Im vergangenen Jahr sei es zwar vereinzelt zu Verbissschäden durch Ziegen gekommen, räumt er ein, „seither sind diese jedoch deutlich zurückgegangen.“ Losgelöst von den Verbissschäden prüft die Stadt derzeit unterschiedliche Systeme, um die Bäume zukünftig noch besser zu schützen.
Ackerland wird wieder renaturiert
Bei 23 Prozent der unverpachteten Flächen im Sundheimer Grund handelt es sich um ehemals landwirtschaftlich genutzte Böden. Sie werden seit 2026 renaturiert. Ein Beispiel hierfür entsteht derzeit auf einer 5.600 Quadratmeter großen, direkt an einem Altrheinarm gelegenen Fläche. In diesem Frühjahr hatte das Regierungspräsidium auf der ehemaligen Ackerfläche Schaufelbagger und schwere Baumaschinen anrücken lassen. Seither wird hier eine artenreiche Feuchtwiese mit Auenrelief geschaffen, auf der seltene Amphibienarten wie Kammmolche und Kreuzkröten, aber auch Schmetterlinge, Wildbienen und Libellen künftig dringend benötigten Lebensraum finden sollen. Die Experten des Regierungspräsidiums sowie der Stadt rechnen mit einer Entwicklungszeit von bis zu fünf Jahren. Möglich wurde die Renaturierungsmaßnahme durch einen Flächentausch: Das Land Baden-Württemberg hatte dem vorherigen Pächter eine vergleichbare Ackerfläche außerhalb des Landschaftsschutzgebiets zum Tausch angeboten. Daraufhin gab dieser die Ackerfläche an die Stadt Kehl zurück. Ein Flächentausch hat auch zwei weitere Renaturierungsprojekte im Sundheimer Grund möglich gemacht. Eine 9400 Quadratmeter große ehemalige Ackerfläche auf der zuvor Mais angebaut wurde, wird die Stadt zu einer Mähwiese beziehungsweise einer Weidefläche entwickeln. Gleiches Ziel verfolgt sie auch mit einer etwas kleineren, rund 3700 Quadratmeter großen ehemaligen Landwirtschaftsfläche, auf der zuvor Getreide wuchs. Das soll in einem Umfang und in einer Intensität geschehen, die für die Stadt finanziell tragfähig sind, betont der Umweltbeauftragte Gregor Koschate.
Zum Sundheimer Grund
Im November 1996 hat das Regierungspräsidium in Freiburg in Absprache mit der Stadt Kehl eine rund 20 Hektar große Fläche im Sundheimer Grund zum Naturschutzgebiet erklärt. Damit genießt das Areal den strengst möglichen Schutz. Umgeben wird das Naturschutzgebiet von einem rund 38 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet. Der Sundheimer Grund zeichnet sich durch ein Geflecht unterschiedlicher Biotope aus. Durch diese Vielfalt bietet das Schutzgebiet Lebensraum für verschiedene seltene Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund dieser hohen Artenvielfalt hat der Sundheimer Grund für Kehl einen hohen ökologischen Wert. Pachtlose im Schutzgebiet werden aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses bis auf Weiteres nicht wieder verpachtet. Seit September 2025 sind dadurch 34.000 Quadratmeter an die Stadt zurückgegangen.






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