Fußnote im Guller
Bons für alles und nichts

Der Besuch beim Bäcker des Vertrauens ist oft lohnend. Man trifft Menschen aus der Nachbarschaft, plaudert mit diesen sowie jenen und erfährt Klatsch, Tratsch und manchmal auch Wichtiges. Ein gewisser Olaf Scholz hat es nun geschafft, dass die Probleme im Quartier in den Hintergrund rücken und die Bundespolitik mal wieder auch außerhalb von Wahlzeiten an der Verkaufstheke breitgetreten wird. Wer Herrn Scholz nicht kennt: Er ist Bundesfinanzminister im Hauptberuf und nebenbei gescheiterter Kandidat um den Vorsitz der SPD.

Dass er darauf erpicht ist, dass das Steuergeld ausreichend und gerecht für alle in den Säckel fließt, ist sein Job und so übernahm er die aus anderen Ländern schon bekannte Kassenbonpflicht. Die Fachverkäuferin des Bäckers meines Vertrauens fragt nun jedes Mal, ob man einen Bon wünsche. Bei Verneinung sammelt sie die abgewiesenen Belege in einem eigens bereitgestellten Behältnis. Eine Kollegin berichtet, dass sich bei ihrem Backwarenverkaufsladen nicht nur die Baguettes in der Auslage schlängeln, sondern auch die ausgedruckten Bons über den Boden – direkt aus der Registrierkasse. Andernorts wird dem Kunden schon mal ungefragt der Beleg unter die Tüte mit der einen Brezel gelegt. So gibt es die verschiedenen Verfahrensweisen mit der neuen Verordnung.

So berichten Geschäfte, dass sie inzwischen vom monatlichen Wechsel der thermobeschichteten Papierrolle auf den täglichen Austausch umgestiegen sind. Trotz Kritik vor dem Jahreswechsel: Olaf Scholz wollte es genau so.

Inzwischen hat die Kassenbonpflicht auch einen Eintrag im Polizeibericht bekommen. Nach dem Jahreswechsel gönnte sich ein Mann etwas Entspannung und suchte einen Sauna-Club – die Beamten nennen ihn ausdrücklich Etablissement – in der Nähe Darmstadts auf. Nach erbrachter Dienstleistung und ordnungsgemäßem Bezahlen verlangte der Mann einen Kassenbon. Dieses Ansinnen endete im Streit und der vor die Tür gesetzte Mann rief die Ordnungshüter, die "zur Durchsetzung des Rechtes nun mal zuständig sind", schreibt die Polizei. Diese stellten fest, dass die Kassenbonpflicht in dem Club eine bisher unbekannte Verordnung war. Man einigte sich auf eine handgeschriebene Quittung und alle waren zufrieden. Ob nun dieser Mann seine Geschichte beim Bäcker zum Besten gibt, bleibt offen – für zusätzlichen Gesprächsstoff hat sie bereits gesorgt. rek

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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