Hans Nussbaum: Mensch zwischen Bibel und Schraubstock
Ein Hans im Glück voll schöner Geschichten

Blumige Worte und stahlharte unternehmerische Taten: Der Ur-Bodersweierer Hans Nussbaum hat sich mit Hebebühnen in die Phalanx erfolgreicher heimischer Unternehmer gehoben.
  • Blumige Worte und stahlharte unternehmerische Taten: Der Ur-Bodersweierer Hans Nussbaum hat sich mit Hebebühnen in die Phalanx erfolgreicher heimischer Unternehmer gehoben.
  • Foto: Gerd Birsner
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Kehl-Bodersweier. Gleich zu Beginn des Gesprächs legt Hans Nussbaum einen abgelichteten Altrhein-Schwan in blütenweißer Weste vor, der vor einer geheimnisvollen Spiegelung des Kehler Weißtannenturms auf der Altrheinwasseroberfläche seine Bahnen zieht und dabei wohl exakt jene pittoreske Ruhe ausstrahlt, aus der Unternehmer wie er ihre Kraft zu schöpfen wissen. "Das Foto habe ich gemacht", sagt Hans Nussbaum – nicht ganz ohne Stolz. Der Bub us Boderschwieher hat nicht nur ein Talent. Doch gerade im Lebens-Momente-Festhalten scheint er geübt, auch weil er wohl weiß, dass so ein intensives und langes Leben, wie das seine, genau wie der Weißtannenturm so manche Schatten wirft. "Leben heißt, Malen ohne Radiergummi" – steht es auf der Rückseite des Fotos. Ein Nussbaum'sches Lebensmotto?

Sonntagsporträt

Sein Lebensweg ist so wie er: beharrlich, aber auch kurvig, mit Hin und Hers und Auf und Abs, mit autobahnbreitem Vorankommen, aber auch mit Einbahnstraßen, sogar Sackgassen."Wichtig ist, und das habe ich den Menschen um mich herum immer zu vermitteln versucht, dass man daraus auch versucht zu lernen." Und lernen kann man schließlich auch mit inzwischen 77 Jahren noch.

Wir kennen uns schon lange. Auch das Haus, aus dem er stammt. Es war das letzte in der Korker Straße in Bodersweier, wo oft Klavier gespielt wurde, es aber immer nach Rost und Bohrwasser roch. Damit wurden im angrenzenden kleinen Werkstättle heiße Eisen gekühlt. Dort wurden auch manchmal heimische Äpfel zu Saft gepresst: Die "Mosthexe", eine Erfindung von Hans' Papa Otto, von der laut "Pinneberger Tageblatt" deutschlandweit nur noch zwei existieren sollen – eine davon steht vorbildlich restauriert und dem Zahn der Zeit trutzend im Eingangsbereich der inzwischen heftig expandierten Nussbaum-Werkshallen. Daneben eine ebenfalls picobello restaurierte Tabakeinfädelmaschine – eine Erfindung von Opa Georg. Beides Maschinen, die einem genialen Nussbaum-Erfinder-Gen entsprangen und die damals Fortschritt und auch etwas Wohlstand ins Haus der Nussbaums brachten. Und bei Hans waren es die weltweit exportierten Hebebühnen und der weithin sichtbare Smart-Turm am Ortseingang.

Leben heißt, Malen ohne Radiergummi

Er ist voller Geschichten. Schöne Geschichten und böse Erlebnisse, von sellemols und hitzedaa – also damals und heute. Also lehne ich mich zurück und höre zu. Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Von seinem Dasein als lieber Bub im dörflichen Leben, gerne und bestens eingebettet, und als sanfter Revoluzzer. Und ein Geständnis im Plauderton, ein bis heute nachglühendes Schlüsselerlebnis: "Hatte der kleine Hans im Kindergarten die gleichaltrige Malerstochter doch glatt und folgenreich mit – Achtung! – "Du Drecksau" tituliert.

Ihr Papa hatte das auf die Palme und wutschnaubend zur Diakonissen-Kindergarten-Schwester Käthchen gebracht. Hans musste darob dort antreten, bekam mit Waschlappen und Seife seinen bösen Mund, aus dem das eklige Schimpfwort herauskam, gewaschen, und eine eindringliche Belehrung, die sich ebenfalls gewaschen hatte.

Das saß! Seither hatte er nie wieder "Du Drecksau" zu jemandem gesagt. Auch nicht zu Klaus Georg Steng, seinem Klassenkameraden, der eigenwillig, etwas anders als andere und genial war: "Draußen vor der Tür" – das bekannte Wolfgang-Borchert-Werk – hatte der, der sich später Klaus Maria Brandauer nannte, zusammen mit Hans und weiteren Klassenkameraden in Szene setzen wollen. Eigentlich wollte Hans Nussbaum Medizin studieren. Wie sein bester Kumpel Schmelzer. Doch den hatte Papa Otto bereits bearbeitet und ihm eingeredet, dass er den Hans zu überzeugen hatte, dass dessen Glück im Maschinenbau liege.

Inzwischen hat er sein Unternehmen in die Hände seiner Kinder gelegt. Allerdings nicht ohne jeden Morgen bereits um 6.30 Uhr in der Zentrale in Bodersweier aufzutauchen.

Von Mama Lina hat er die christlichen Regulativen, die ihn bis in den Landeskirchenrat bugsierten, und vom weisen Papa Otto das Bohrwasser im Blut und die Güte, den Wunsch nach Ausgleich und die Empathie. Ein immer heimischer und loslassen wollender Unternehmer also zwischen Bibel und Schraubstock. Gerd Birsner

Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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