Ministerpräsident besucht BSW
Gute Chancen dank Kreislaufwirtschaft
- BSW-Geschäftsführer Florian Glück (v. l.), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und BSW-Geschäftsführer Andreas Volkert beim Rundgang durch das Stahlwerk.
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Kehl (gro) Die Außentemperatur liegt bei 28 Grad Celsius, aber in der Produktion der Badischen Stahlwerke (BSW) in Kehl herrscht Gluthitze - zwischen 40 und 50 Grad Celsius sind es an den Öfen, der Gießanlage und entlang der Walzwerke. Kein Wunder, denn die Pfannenöfen, in denen Metallschrott eingeschmolzen wird und neuer Stahl entsteht, laufen auf Hochtouren. Rund 1.600 Grad Celsius hat das geschmolzene Metall, das aus den Öfen in zwei Strängen direkt in die Walzwerke geht. In dem einen wird das Material in sogenannte Knüppel - also Stahlhalbzeuge - gegossen, in dem anderen entstehen Drahtcoils - aufgerollter Stahldraht für die Weiterverarbeitung.
Am Donnerstag, 26. Juni, haben die BSW hohen Besuch: Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist nach Kehl gekommen, um sich vor Ort ein Bild von der strombasierten Stahlproduktion zu machen - und dazu gehört nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen ebenfalls eine Werksführung mit den Geschäftsführern Florian Glück und Andreas Volkert. Kretschmann ist interessiert, schaut sich alles genau an und erträgt sowohl die Hitze als auch den ohrenbetäubenden Lärm.
Wettbewerbsfähigkeit
Am Ende des Rundgangs zeigt sich der Ministerpräsident beeindruckt. Wie schätzt er die Chancen des Standortes ein? "Es handelt sich um ein besonderes Stahlwerk. Deshalb halte ich es für unwahrscheinlich, dass es unter Wettbewerbsdruck kommt." Der Knackpunkt ist für Kretschmann die Tatsache, dass in Kehl Stahl aus Schrott erzeugt wird. "Interessanterweise habe ich heute erfahren, dass noch viel mehr Schrott verarbeitet werden könnte", erklärt der Ministerpräsident - der richtige Ansatz auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft. Dies sei die große Überschrift, sonst könne Deutschland nicht resilient werden. Dass Rohstoffe im Kreislauf geführt würden, gehöre zur Zukunft einer nachhaltigen Wirtschaft überhaupt.
Doch auch wenn er das Stahlwerk für grundsätzlich wettbewerbsfähig hält: "Das bedeutet nicht, dass wir nicht einzelne Komponenten optimieren könnten. In der Logistik – etwa bei Wasserstraßen und Schiene –, damit diese zuverlässig funktionieren.“ Der Bund sei beim Thema des Industriestroms gefragt. Das Land könne bei der Optimierung der Wettbewerbsbedingungen flankieren - dort, wo es zuständig sei, wie bei der Verkehrsinfrastruktur oder dem Einsatz von Stahlwerksschlacke im Baubereich.
Logistik und Energie
Für Florian Glück von den BSW ist vor allem die funktionierende Logistik eminent wichtig. "Das Land kann dafür sorgen, dass der Neckar wieder schiffbar wird und Schiffe bis 110 Meter Länge dort fahren können", so Glück. Auf dem Rhein bei Karlsruhe-Maxau komme es immer wieder zu Fehltiefen, die sich vor allem bei Niedrigwasser bemerkbar machten. Das Resultat seien Beschränkungen bei den Ladekapazitäten. Auch in Sachen Güterverkehr läuft für ihn nicht alles rund. Verspätungen seien nicht nur im Personenverkehr der Bahn ein Problem. "Wir transportieren 30 Prozent des Schrotts und 70 Prozent unserer Fertigprodukte auf der Schiene", ergänzt Andreas Volkert. Dies sei wichtig mit Blick auf die Kosteneffizienz, aber ebenso auf die CO2-Neutralität der Produkte. Denn der Transport mit der Bahn sei günstiger als der mit LKW.
Sorgen bereitet dabei - nicht nur den Geschäftsführern der Badischen Stahlwerke GmbH, sondern auch anderen Unternehmen im Kehler Hafen - der anstehende Neubau der Bahnbrücke über die Kinzig ab 2026. "Dann läuft der Verkehr nur eingleisig", so Glück.
Von den durch die USA verhängten Strafzölle sei das Unternehmen nur mittelbar betroffen. Der Grund: Die BSW sind vor allem auf dem deutschen und europäischen Markt vertreten. "Allerdings suchen nun betroffene Stahlerzeuger andere Märkte als die USA und richten sich neu aus", betont Glück.
Die Hauptsorge sind die Kosten für Energie. "Es muss etwas geschehen", fordern die beiden Geschäftsführer. Es gelte die Energiewende zu schaffen, ohne die Preise weiter anzuheben. Allein die Änderungen der Vergangenheit bei den Netzentgeltrabatten hätten zu Mehrkosten von 18 Millionen Euro geführt. Die Stahlwerke verbrauchen rund 1,2 Terawattstunden Strom im Jahr, da dieser für den energieintensiven Betrieb der Lichtbogenöfen nötig ist. "Deutschland zählt in Sachen Energiekosten zu den fünf teuersten weltweit", erklärt Glück. Die angekündigten Verbesserungen in Sachen Industriestrom reichten nicht aus, um Deutschlands Wettbewerbsnachteil international wettzumachen. "Andere Länder gewähren auch Industrierabatte", so Volkert.







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