Mundart-Band "Rhinwaldsounds"
Ein viraler Hit schießt durch die Decke
- Patrik Lehmann (v. l.), Dominik Büchele und Dominik Binnig sorgen im Schlachthof Lahr für ausgelassene Stimmung.
- Foto: Lea Wölfle
- hochgeladen von Lea Wölfle
Lahr (lw) Dialekt, Dorfgeschichten und ein viraler Hit: Mit einem ausverkauften Konzert im Schlachthof Lahr haben sich die "Rhinwaldsounds" mit Dominik Binnig, Patrik Lehmann und Dominik Büchele am vergangenen Montagabend vorerst von der Bühne verabschiedet. Rund 350 Fans feierten eine Band, die seit über zehn Jahren konsequent auf alemannische Mundart, Selbstironie und Nähe zum Publikum setzt. Schon früh am Abend wurde klar: Dieses Konzert sollte kein stiller Abschied werden.
Dialekt trifft Nerv der Zeit
Ausgerechnet kurz vor dieser Pause ist den "Rhinwaldsounds" ihr bislang größter Erfolg gelungen: Der Song „Genauso bled wie mir“ wurde innerhalb weniger Stunden zum viralen Hit. Für die Band selbst kam dieser Erfolg überraschend. Vormittags veröffentlicht, zwei Stunden später ein erster Blick aufs Handy – und plötzlich war alles anders. „Unser bis dahin erfolgreichstes Video hatte nach einem halben Jahr etwa 100.000 Aufrufe“, erzählt Patrik Lehmann im Interview. Der neue Song erreichte diese Zahl nach nur sechs Stunden. Der Song lebt von Ortschaften, Wortspielen und kleinen Sticheleien zwischen Dörfern – und genau darin liegt laut Lehmann das Erfolgsrezept. „Die Sprüche wurden einem ja quasi schon in die Wiege gelegt“, sagt er. Viele davon seien älter als die Band selbst. Die "Rhinwaldsounds" greifen bewusst auf diese überlieferten Dorflegenden zurück, weil sie Teil ihrer eigenen Kindheit und Identität sind. Auch mit der Auswahl der Orte sei schnell klar gewesen, wohin die Reise geht: einmal quer durch die Heimat. Dass der Dialekt dabei eine zentrale Rolle spielt, ist für die Band selbstverständlich – und offenbar aktueller denn je. Lehmann glaubt, dass gerade deshalb viele Menschen online so stark darauf reagieren: „Weil immer weniger Dialekt gesprochen wird.“ Wer dann plötzlich Alemannisch hört oder liest, erkennt sich wieder – selbst dann, wenn man den Dialekt längst nicht mehr täglich nutzt. Im Schlachthof Lahr übertrugen sich diese Geschichten unmittelbar auf das Publikum.
Nähe zum Publikum
Die "Rhinwaldsounds" agierten nahbar, fast familiär – viel Dialekt, wenig Distanz. Zwischen emotionalen Momenten und ausgelassener Partystimmung wechselte der Abend mühelos hin und her. Es wurde viel mitgesungen, gelacht und auch aufmerksam zugehört. Das Publikum zeigte sich generationsübergreifend und regional bunt gemischt. Was die Musik der "Rhinwaldsounds" antreibt, ist dabei mehr als reine Nostalgie. „Heimat ist kein Ort“, sagt Lehmann, „sondern ein Gefühl der Verbundenheit.“ Dass die Band nun vorerst eine Pause einlegt, wirkte an diesem Abend keineswegs wie ein Bruch. Lehmann erklärt im Interview offen, warum dieser Schritt notwendig ist. Seit über zehn Jahren organisieren die "Rhinwaldsounds" alles selbst. „Das zerrt an einem“, sagt er. Schwermut kam dabei weder auf der Bühne noch im Publikum auf. Stattdessen wurde gefeiert. Zum Abschluss durften die bekanntesten Songs nicht fehlen: „Genauso bled wie mir“ und „Schorli“ sorgten für einen letzten gemeinsamen Höhepunkt. Der Abend klang damit mehr nach Feiern als nach Abschied.


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