Gewalt-Präventionsprojekt der Ringergemeinschaft Lahr
Mit Ganzkörperkraft gezielt Aggressionen abbauen

Die eine oder andere Sondereinlage gehört natürlich beim Training dazu.
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  • Die eine oder andere Sondereinlage gehört natürlich beim Training dazu.
  • Foto: Michael Masson
  • hochgeladen von Rembert Graf Kerssenbrock

Lahr (mam). Was tun, um Kinder in die Lage zu versetzen, sich gegen Angreifer wehren zu können, ohne sich dabei zu verletzen? Die Ringergemeinschaft (RG) Lahr hat ein Patentrezept: Das geht mit Ganzkörperkraft und sportlichen Tricks ganz ohne Hilfsmittel. Außerdem baut Ringen zuverlässig Aggressionen wesentlich besser ab als bei wüsten Schlägereien, wo der Schwächere selten Chancen hat, vom Mut mal ganz abgesehen.

Seit nunmehr acht Jahren betreibt die SG deshalb ein spezielles Gewalt-Präventionsprojekt, anfänglich noch an Schulen angeboten, längst auf Kindergärten vorverlagert. Diese fragen das vermehrt an, auch über die Stadt Lahr hinaus. Was geschieht da? In vertrauter Umgebung lernen die Kleinen, je nach Kita und Interesse bis zu zwei Dutzend Kinder, in wenigen Übungsstunden mit bis zu acht Einzelschritten unter Anleitung, sich mit einfacher Ringer-Technik vertraut zu machen.
Das beginnt mit Ziehen oder Schieben des Kontrahenten zu einem bestimmten Punkt, Aufstehen oder gar die Befreiung aus einer Umklammerung. Grundkompetenzen nennt sich das und hilft ungemein, Gegner (hier eher als sportliche Partner) in den Griff zu bekommen – wenn man denn spielerisch lernt, insbesondere seinen Gleichgewichtssinn einzusetzen, samt effektiven Griffpunkten an den richtigen Stellen.

Bezweckt wird, beim Ringen Sieg oder Niederlage sportlich zu akzeptieren, elementare Regeln wie Fairness einzuhalten. Dazu gehört auch, Verantwortung für die körperliche und seelische Unversehrtheit des Gegners zu übernehmen.

Bereits als Sportlehrer hatte Ulrich Trosowski schon in den 1970-Jahren an einem Präventions-projekt gearbeitet, mit Ringen, einem Jahrtausend alten Kampfspiel, das ihn selbst schon als Kind besonders begeisterte. Längst hat er auch ein eigenes Sachbuch verfasst: "Gewaltprävention durch Elementarringen". Das ist ein kompletter Leitfaden für Kindergärten, Schulen und Sozialarbeit.

Ängstliche Kinder werden mutiger, aggressive ruhiger

Fazit: Ängstliche Kinder werden mutiger, aggressive ruhiger. Körperliche Auseinandersetzungen haben längst Einzug auch in den Kindergarten-Alltag gehalten. Und eben da ermöglicht laut Trosowski, ringerisches Kämpfen viele Konflikte aus der Welt zu schaffen und Auseinandersetzungen sportlich ohne Gewalt zu führen, zum besseren Aggressionsabbau.
Im Lahrer RG-Vorstand ist Trosowski speziell zuständig für diese Gewaltprävention.

Vereinsbambini-Trainer Norbert Schwab tourt nun schon seit zwei Jahren als Nachfolger von Mario Lauer auch durch die anfragenden Kitas. Mit bestem Erfolg übrigens, es kommen viele positive Rückmeldungen. Gelegentlich begeistern sich manche der Kleinen sogar derart für das Ringen, dass sie samt Eltern später bei den Vereinsbambinis vorbeischauen, ohne deshalb gleich Mitglied werden zu müssen.

Trosowski freut sich über das Interesse: "Lahr samt Reichenbach und Kuhbach war seit 1907 immer eine Ringer-Hochburg gewesen." Nach früheren Widerständen denkt der 320 Mitglieder starke Verein mit 80 Aktiven jetzt daran, endlich auch eine Mädchengruppe aufzubauen. Wie etwa der ASV Altenheim, für den Annika Wendle aktuell sogar die neue U23- Europameisterin im Freistilringen stellt.

Die eine oder andere Sondereinlage gehört natürlich beim Training dazu.
So wie bei den Bambinis der Ringergemeinschaft werden elementare Grundlagen auch in Kindertagesstätten vermittelt. Dafür ist Norbert Schwab im Einsatz. 
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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