Deutsch-französischer Verkehrskonferenz
Vis-à-Vis-Umweltbrücke über den Rhein

Die Bürgermeisterin von Gerstheim Laurence Muller-Bronn und Oberbürgermeister Markus Ibert
  • Die Bürgermeisterin von Gerstheim Laurence Muller-Bronn und Oberbürgermeister Markus Ibert
  • Foto: Stadt Lahr
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Rust/Lahr (st). Bei der deutsch-französischen Verkehrskonferenz in Rust stellte der Lahrer Oberbürgermeister Markus Ibert gemeinsam mit seiner Gerstheimer Kollegin Laurence Muller-Bronn das grenzüberschreitende Projekt Vis-à-Vis-Umweltbrücke für Linienbusse, Radfahrer und Fußgänger vor. Dabei stießen sie auf ein großes Interesse der anwesenden Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

„Unser Vorhaben entspricht in idealer Weise dem Geist des Aachener Vertrags und wäre gleichzeitig ein wertvoller grenzüberschreitender Beitrag zur angestrebten Verkehrswende“, resümierte Ibert, der auch Vorsitzender des Zweckverbandes Vis-à-Vis ist. „Dabei ist es uns ganz wichtig, alle wesentlichen Partner von Beginn an mit ins Boot zu nehmen, insbesondere natürlich die beiden Standortgemeinden Schwanau und Gerstheim, und so um eine breite Unterstützung zu werben.“

Grenzüberschreitende Mobilität

Die Stadt Lahr erwartet von der Brücke, welche die bisher äußerst umwegige und unattraktive Streckenführung ganz erheblich verkürzen würde, eine weitere Belebung der umweltfreundlichen grenzüberschreitenden Nahmobilität im Raum Lahr/Erstein. Dies gilt gleichermaßen für Freizeit-, Tourismus- und Berufsverkehre. So könnte die Fahrzeit für den Eurodistriktbus zwischen Erstein und Lahr um zehn bis 15 Minuten verringert werden, für Pedelecs um gut 20 Minuten.

„Gerade nach der coronabedingten Schließung der Grenzübergänge wurde uns doch bewusst, wie selbstverständlich und wichtig es uns ist, den Rhein zu überqueren. Die baulichen Voraussetzungen dafür möchten wir mit der Umweltbrücke weiter verbessern“, betont Oberbürgermeister Ibert.

Hintergrundinformation

Zwischen Ottenheim und Gerstheim gab es bis zu deren Sprengung im Zweiten Weltkrieg eine Rheinbrücke für den lokalen Verkehr. Seit dem Bau des Rheinseitenkanals in den 1960er-Jahren mit den Wehr- und Schleusenanlagen der Électricité de France (EdF) existiert hier ein nur mit weiten Umwegen erreichbarer rein autoorientierter Übergang.
 
1976 formierte sich die badisch-elsässische Interessengemeinschaft Vis-à-Vis, die sich den einer neuen Brücke für alle Verkehrsarten auf der Höhe Lahr-Erstein zum Ziel setzte. Sie wurde 2004 in einen grenzüberschreitenden Zweckverband mit rund 30 Mitgliedsgemeinden überführt. Trotz mehrfacher Anläufe blieben alle Bemühungen insbesondere mangels Unterstützung durch die unterschiedlichen staatlichen Ebenen bislang erfolglos.

"Kleiner" Grenzverkehr

Die Lahrer Stadtverwaltung entwickelte daraufhin 2018 die Idee einer Umweltbrücke für Linienbusse, Radfahrer und Fußgänger. Sie verkürzt die Strecke über den Rhein um rund neun Kilometer und soll dem „kleinen" Grenzverkehr dienen, dem umweltorientierten Tourismus in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet Taubergießen sowie grenzüberschreitenden Berufspendlern. So hätte der seit 2017 verkehrende Eurodistriktbus von Erstein nach Lahr durch die dann deutlich kürzere Strecke Zeitvorteile gegenüber dem PKW-Verkehr. Doch auch durch die zunehmende Bedeutung von Pedelecs und die damit verbundenen erweiterten Radien wäre die Umweltbrücke eine attraktive Alternative für Pendler-Verkehre.

Sie würde in der direkten Verlängerung des bestehenden Kanal-Überganges auf der EdF-Schleuse über den Rhein nach Deutschland führen und durch versenkbare Poller vor unbefugtem PKW-Verkehr gesichert. Weitere Bestandteile des Vorhabens sind die insbesondere auf französischer Seite noch zu schaffenden Anschlüsse an das bestehende Radverkehrsnetz.

Machbarkeitsstudie

Diese Vorgaben waren 2019 Grundlage einer von Vis-à-Vis beauftragten Machbarkeitsstudie eines Straßburger Ingenieurbüros, die zu einem grundsätzlich positiven Ergebnis kommt. Inklusive Planung und Ergänzungen an der bestehenden Infrastruktur, die Fuß- und Radwegeanbindung, werden die Baukosten auf rund 20 Millionen Euro geschätzt.

Am 10. September 2019 beschloss in Benfeld die Vis-à-Vis-Verbandsversammlung, das Projekt auf dieser Basis weiterzuverfolgen. Nach coronabedingt noch ausstehenden Beschlüssen der beiden Standortgemeinden Schwanau und Gerstheim sollen mit den übergeordneten Behörden Verhandlungen zu Fördermöglichkeiten, notwendigen Fachgutachten und Projektträgerschaft aufgenommen werden. Dies soll durch eine von Vis-à-Vis zu schaffende befristete Stelle geleistet werden.

Bislang erfuhr das Projekt Umweltbrücke auf beiden Rheinseiten überwiegend Zustimmung, da es in besonderer Weise dem Geist des Aachener Vertrages entspricht und gleichzeitig ein grenzüberschreitender Beitrag zur angestrebten Verkehrswende sein wird. Hier ist die Erwartung der Raumschaft und der Stadt Lahr, dass das von Vis-à-Vis angeschobene Vorhaben eine breite Unterstützung durch die deutschen und französischen staatlichen Ebenen erhält und gegebenenfalls in deren Trägerschaft übergeht.

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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