Tierschutzverein Lahr erstattet Anzeige
Wer hat Wasserschildkröten in Sulz ausgesetzt?

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Lahr (st). Das Tierheim Lahr wird derzeit mit einem ungewöhnlich hohen Aufkommen an aufgefundenen Wasserschildkröten im Lahrer Ortsteil Sulz konfrontiert. Innerhalb von weniger als vier Wochen wurden in dem Ortsteil acht Tiere unterschiedlicher Gattungen gefunden. "Wir gehen von einem gezielten Aussetzen der Tiere aus. Da es sich hierbei um eine Straftat handelt, wird der Tierschutzverein als Betreiber des Tierheims Anzeige bei der Polizei erstatten", erklärt der Vorsitzende des Lahrer Tierschutzvereins, Martin Spirgatis. Innerhalb von vier Wochen musste das Lahrer Tierheim insgesamt acht Wasserschildkröten im Lahrer Ortsteil Sulz einsammeln.

„Wir bekommen gerade in der warmen Jahreszeit immer mal wieder sowohl Land- als auch Wasserschildkröten als Fundtiere rein. Zumindest die Landschildkröten werden meist auch bereits von ihren Haltern vermisst. Aber innerhalb eines Monats insgesamt acht Wasserschildkröten aus dem gleichen Ortsteil ist schon seltsam. Insbesondere, da es sich um einen recht übersichtlichen Bereich handelt“, schildert Spirgatis die Situation in einer Pressemitteilung. 

Anfang Juli der erste Fund

Bereits der erste Fund einer Wasserschildkröte Anfang Juli im Mattenweg in Sulz machte die Tierschützer stutzig. Es handelt sich um eine Chinesische Streifenschildkröte, die hierzulande eigentlich nur in einem Aquarium gesichert überleben kann. Solche Tiere werden normalerweise nicht im Freiland gehalten und können daher auch kaum unabsichtlich verloren werden.Nur drei Tage später wurde in der Waldstraße eine Falsche Landkartenhöckerschildkröte gefunden. Auch dieses Tier kann hier nur in einem Aquarium gehalten werden.

Eine Woche später erhielt das Tierheim einen Hilferuf aus der Uhlsbergstraße in Sulz. Hier fanden Anwohner vier unterschiedliche Wasserschildkröten im kleinen Seerosenteich ihres Gartens. Die Hausbesitzer können sich nicht erklären, wie die Tiere an den, von außen nicht ersichtlichen, Teich auf ihrem Grundstück gelangten.

Am 3. August der nächste Anruf, abermals aus der Uhlsbergstrasse. Dieses Mal haben sich zwei beeindruckend große Wasserschildkröten im Seerosenteich eingenistet. Auch diese hat das Tierheim erstmal bei sich aufgenommen.

„Wir haben glücklicherweise vergangenes Jahr unseren eigenen Teich für Wasserschildkröten in Betrieb genommen. Diese Menge an neuen Tieren in so kurzer Zeit stellt aber auch uns vor logistische Probleme, da die Tiere ja nicht sofort in den Teich einziehen können, sondern zunächst in Quarantäne gehalten und vom Fachtierarzt untersucht werden müssen.“ erklärt der Vorstandsvorsitzende des Lahrer Tierschutzvereins, Martin Spirgatis.

„Die Haltung einiger Tiere ist meldepflichtig und mit umfangreichen Auflagen verbunden. Da sich auch noch niemand für die teilweise recht ungewöhnlichen Tiere gemeldet hat, müssen wir davon ausgehen, dass sich da jemand gerade Tier für Tier seiner umfangreichen Hobbyhaltung entledigt. Das ist nicht nur schlimm für die Tiere, sondern auch eine Straftat. Daher werden wir entsprechend Anzeige erstatten. Auch weil wir nicht wissen, ob wir alle Tiere gefunden haben oder noch weitere ausgesetzt werden.“

Das Aussetzen von Wasserschildkröten hat auch für die heimischen Wildtiere bedrohliche Auswirkungen. So sind im Oberrheingraben, insbesondere im Taubergießen und am Altrhein bei Kehl die Bestände der einheimischen Europäischen Sumpfschildkröten durch ausgesetzte Gelb- und Rotwangenschmuckschildkröten bedroht, die den einheimischen Tieren Konkurrenz im Revier machen.Aber auch in vielen Parkanlagen in Baden-Württemberg haben sich diese sogenannten invasiven Arten bereits fest etabliert und fügen der dortigen Flora und Fauna große Schäden zu.

Die Haltung dieser Tiere ist beim zuständigen Regierungspräsidium meldepflichtig. Die Tiere müssen registriert und ihr Verbleib dokumentiert werden. Eine Weitergabe ist nur unter strengen Auflagen möglich.Dies bedeutet auch für das Tierheim Lahr, dass es mit diesen vermutlich ausgesetzten Tieren eine große Verantwortung und finanzielle Last aufgenommen hat.

Hohe Kosten für das Tierheim

Für die besonders anspruchsvollen Tiere müssen zusätzliche Aquarien angeschafft und eingerichtet werden. „Das alles wird den Tierschutzverein wieder einige tausend Euro und jede Menge zusätzliche Arbeitsstunden kosten. Und das alles nur, weil irgendjemand sich rücksichtslos seiner Verantwortung für seine Tiere entzieht.“ resümiert Martin Spirgatis.

Chronologie der Funde

In Sulz gefundene Wasserschildkröten:

  • 7. Juli: Chinesische Streifenschildkröte, weiblich
  • 10. Juli: Falsche Landkartenhöckerschildkröte, weiblich
  • 17. Juli: Gelbwangenschildkröte, männlich
  • 17. Juli: Florida Rotbauchschmuckschildkröte, männlich
  • 17. Juli: Rotwangenschmuckschildkröte, weiblich
  • 17. Juli: Hieroglyphenschmuckschildkröte, weiblich
  • 3. August: Rotwangenschmuckschildkröte, weiblich (sehr groß)
  • 3. August: Hieroglyphenschmuckschildkröte, weiblich (sehr groß)
Autor:

Rembert Graf Kerssenbrock aus Kehl

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