Infektionsschutz an Schulen und Kitas
Zusätzliche Maßnahmen zur Belüftung

Lahr (st). Die Stadt Lahr prüft bis zu den Sommerferien an allen 19 städtischen Schulen, in welchen Unterrichtsräumen zusätzliche Maßnahmen zur besseren Belüftung erforderlich sind. Außerdem wird sie Schulen und Kitas flächendeckend mit CO2-Messgeräten ausstatten. Ziel ist, den Infektionsschutz weiter zu verbessern.

Stuttgarter Studie

Grundlage für die Prüfung ist vor allem eine aktuelle Studie der Universität Stuttgart, für die im Zeitraum von Januar bis Juni 2021 raumlufttechnische Untersuchungen in zehn Stuttgarter Schulen stattfanden. Die Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass der flächendeckende Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten nicht empfohlen wird. Aufgrund ihrer Filterwirkung können diese Geräte das Infektionsrisiko zwar senken, doch dies gilt auch für die Alternativen: regelmäßiges Stoßlüften über die Fenster oder Luftaustausch über stationäre raumlufttechnische Anlagen. Diese Methoden haben aber den Vorteil, dass sie Frischluft zuführen und dadurch die Qualität der Raumluft im Hinblick auf Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt verbessern. Mobile Geräte können daher lediglich unterstützend wirken und regelmäßiges Lüften nicht ersetzen.

Nachgewiesen wurden bei den mobilen Geräten außerdem Zuglufterscheinungen sowie höhere Schallwerte, als sie nach den Richtlinien des Verbandes Deutscher Ingenieure zulässig wären. Beurteilungen zum Wartungsaufwand oder Energieverbrauch waren zwar nicht Bestandteil der Studie, doch die Anschaffungs-, Wartungs- und Betriebskosten sind gleichwohl weitere Nachteile, die mit dem Einsatz mobiler Luftreiniger verbunden sind.

Erzielbare Luftwechselrate

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, ist der Luftaustausch über die Fenster eine sehr geeignete, einfache und kostengünstige Maßnahme, um Aerosolkonzentrationen in Klassenzimmern zu verringern. Hierbei ist wichtig, dass die Unterrichtsräume über eine ausreichend große nutzbare Fensterfläche verfügen. Jeder einzelne Unterrichtraum wird dazu bewertet. Der entscheidende Faktor ist dabei die erzielbare Luftwechselrate. Für Räume, in denen diese zu gering ist, prüft die Stadt – ebenfalls gemäß den Empfehlungen der Studie aus Stuttgart – vorrangig den Einbau raumlufttechnischer Anlagen, wie sie derzeit im Rahmen der energetischen Sanierung im Max-Planck- und im Scheffel-Gymnasium installiert werden. Die automatisierte Steuerung dieser Anlagen orientiert sich am aktuellen CO2-Gehalt der Raumluft. Daher gelten raumlufttechnische Anlagen als dauerhafte und nachhaltige Lösung für ein optimales Raumklima.

Mobile Geräte dagegen sollen nur zum Einsatz kommen, wenn kurzfristig keine andere, sinnvollere Maßnahme möglich ist. Dies wird voraussichtlich nur für wenige Unterrichtsräume in den Lahrer Schulen gelten, und in diesen Fällen kann über die Sommerferien Abhilfe geschaffen werden. Das Vorgehen der Stadt entspricht damit insgesamt den Vorgaben des Landes für das angekündigte Förderprogramm für mobile Luftreiniger sowie den Empfehlungen des Städtetags Baden-Württemberg.

Lüftungsstrategie

Die Stuttgarter Studie zeigt darüber hinaus, dass je nach Nutzung der Unterrichtsräume und der möglichen Lüftungsart ein unterschiedliches Lüftungsverhalten über die Fenster sinnvoll ist. Beispielsweise kann das vielfach praktizierte Intervall von 20 Minuten Unterricht – fünf Minuten Lüften – 20 Minuten Unterricht oder aber auch ein anderer Rhythmus die besten Ergebnisse erzielen. Die Stadt Lahr wird ihre Schulen unterstützen, damit sie ermitteln können, welche Lüftungsstrategie das Infektionsrisiko in welchem Raum am effektivsten senken kann. Daher wird sie alle Unterrichtsräume, die nicht über eine CO2-gesteuerte raumlufttechnische Anlage belüftet werden, mit fest installierten CO2-Messgeräten ausstatten.

Auch die Lahrer Kitas werden eine entsprechende Unterstützung bekommen. Dort jedoch ist die Raumnutzung nicht mit jener in den Schulen vergleichbar, da jeder Gruppe oft mehrere Räume sowie Außenbereiche zur Verfügung stehen. Deshalb sollen die Kitas für jede der insgesamt rund 130 Gruppen ein mobiles CO2-Messgerät, das in unterschiedlichen Räumen genutzt werden kann, erhalten.

Die Kosten für die Stadt Lahr sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht exakt zu beziffern. Bund und Land haben bereits Förderprogramme für die Ausstattung mit Luftreinigungs- und CO2-Messgeräten angekündigt, an denen sich die Stadt mit Anträgen beteiligen wird.

Weitere Maßnahmen

Die Studie der Universität Stuttgart zeigt darüber hinaus: Keine Belüftungsart kann den Einsatz anderer Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ersetzen – etwa die Einhaltung eines Mindestabstands zu anderen Personen, das Tragen einer medizinischen Mund-Nase-Bedeckung, das Testen oder das Impfen. Ein besonders hoher Infektionsschutz ist möglich, wenn alle diese Maßnahmen zusammenspielen. „Ich begrüße es ausdrücklich, dass das Land Baden-Württemberg die Teststrategie für die Schulen nach den Sommerferien fortsetzen und in den ersten Wochen die Maskenpflicht im Klassenzimmer wieder einführen wird“, sagt Oberbürgermeister Markus Ibert. „Das freiwillige Tragen einer medizinischen Mund-Nase-Bedeckung trägt auch darüber hinaus wirksam dazu bei, den Schutz vor Infektionen an unseren Schulen zu erhöhen.“

Autor:

Daniela Santo aus Lahr

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