• 10. Juli 2018, 16:26 Uhr
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Mit Walter Caroli und Uwe Baum auf dem Langenhard
Vom Militärgelände zum Naturparadies

Infos vor Ort: Udo Baum (links) und Dr. Walter Caroli (rechts) im Gespräch mit Stadtanzeiger-Reporter Norbert Rößler
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Infos vor Ort: Udo Baum (links) und Dr. Walter Caroli (rechts) im Gespräch mit Stadtanzeiger-Reporter Norbert Rößler (Foto: rö)

Lahr (rö). Alteingesessene, insbesondere im Stadtteil Sulz, erinnern sich noch an die Zeiten, als Panzer durch den Ort ratterten und dröhnten, am Rathaus vorbei hoch auf den „Hausberg“, den Langenhard. Durchpflügtes Gelände wurde dabei hinterlassen. Doch dann – nach Ende des kalten Kriegs zwischen Ost und West – war es damit endgültig vorbei: Die kanadischen Streitkräfte verließen ihr in Lahr aufgeschlagenes Hauptquartier für Europa, und neben der Konversion des Flugplatzgeländes und zahlreicher Wohnungen, in denen über 10.000 Kanadier gelebt hatten, blieb auch die Frage: Was wird aus dem Langenhard, der vor den Kanadiern bereits von den Franzosen für militärische Zwecke genutzt wurde?

Die Perspektiven waren klar: Nachdem sich bislang schon die Natur auch die militärisch genutzten Flächen des rund 110 Hektar großen Geländes nach und nach zurückerobern konnte, ist die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe unter Federführung der Lahrer Ortsgruppe dabei, das ihr 2012 übertragene Erbe sukzessive zu einem Naturparadies weiter zu entwickeln.

Nicht ohne Stolz erläutern der Vorsitzende Udo Baum und „Langenhard-Beauftragte“ Dr. Walter Caroli vor Ort, was bislang ins Werk gesetzt wurde und weiter geplant ist. Neuer Baum-Nachwuchs wurde – auch inmitten einer 15 Zentimeter hohen Schneedecke – selbst gesetzt, ein Parkplatz angelegt, Infotafeln wurden aufgestellt mit einem grundsätzlichen Ziel: die Artenvielfalt für den Naturschutz zu erhöhen und den Interessierten die Möglichkeit zur Erholung inmitten dieser Vielfalt zu bieten. Dies beinhaltet auch, dass in bestimmten Waldgebieten nichts abgeholzt oder gefallenes Gehölz abtransportiert wird, diese sich also wie Bannwälder zu einem Urwald entwickeln können. Im übrigen Waldgebiet sollen „Maßnahmen zur Steigerung der Naturnähe und Förderung der Verjüngung von Baumarten“ durchgeführt und spätestens bis Ende 2032 abgeschlossen werden.

Erholung bieten

Leitbild, so der Nabu, ist ein „ökologisch aufgewertetes Gebiet, das Flora und Fauna verbesserte Lebensbedingungen ermöglicht, zugleich aber der Bevölkerung Erholung bietet und sie für ein vertieftes Verständnis von Natur und Landschaft sensibilisieren“ soll.
Dabei ist beeindruckend, was es auf dem einst militärisch genutzten Gelände alles gibt und sich nach einem akribisch ausgetüftelten Konzept weiter entfalten kann – Hainsimsen-Buchenwälder beispielsweise inmitten von Sträuchern mit teils dichten Stechpalmen, Hainbuchen-Stieleichenwälder nebst Esche, Bergahorn, Schwarzperle und Espe.

Insbesondere die Waldränder bieten seltenen und gefährdeten Arten Lebensräume. Als besondere Tier- und Pflanzenarten wurden auf dem Langenhard unter anderem Wildbienen wie die große Keulhornbiene, Amphibien wie der Bergmolch, diverse Vögel wie der Neuntöter, Grau- und Schwarzspecht sowie der Rotmilan geortet, während sich unter den besonderen Pflanzenarten Sumpfquendel, Echtes Tausengüldenkraut und die Kreuzblume finden.

In einst für Panzerübungen geschaffenen Mulden bildeten sich sich zahlreiche, insgesamt ein Hektar umfassende Kleingewässer, die weiterhin als Lebensraum für Amphibien erhalten werden sollen. Insbesondere der Gelbbauchunke soll, so das Konzept, „ein dauerhaftes Überleben auf dem Langenhard“ gesichert werden.

Grasende Rinder

Neben dem etwa 40 Prozent des Gebiets umfassenden Wald verbleiben so genanntes Offenland, Wiesen mit ausgedehnten Schafweiden. Nach dem für das Naturerbe erarbeiteten Konzept sollen dort dereinst – voraussichtlich ab 2020 – auch Hinterwälder-Rinder grasen. Der auf dem Langenhard beheimatete Landwirt Bernd Schmieder baut laut Caroli dafür extra einen Stall, erhält von der Nabu-Stiftung einen Pachtvertrag.

Es tat und tut sich also einiges auf dem Langenhard, einer, so der Nabu, „reizvollen Landschaft in der Nähe der Stadt Lahr“ und einem „wichtigen Naherholungsgebiet für die Bevölkerung“. Mit Blick auf manche Besucher und bisherige Erfahrungen haben Udo Baum und Walter Caroli jedoch auch eine Bitte parat: Behältnisse wie beispielsweise Pappbecher nicht einfach der Natur zu überlassen, ebenso nicht Hinterlassenschaften von Vierbeinern beim naturnahen „Gassi gehen“.

Infos vor Ort: Udo Baum (links) und Dr. Walter Caroli (rechts) im Gespräch mit Stadtanzeiger-Reporter Norbert Rößler
Naturerbe Langenhard mit neu gepflanzten Bäumen

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