Geschäftsjahr 2025
Elektrizitätswerk Mittelbaden zieht Bilanz

Matthias Heck (v. l.), Technischer Geschäftsführer E-Werk Netze, Martin Wenz, Finanzvorstand E-Werk Mittelbaden, Markus Ibert, Oberbürgermeister der Stadt Lahr, Bernhard Palm, Vorstandsvorsitzender E-Werk Mittelbaden, und Stephan Förster, Kaufmännischer Geschäftsführer E-Werk Netze | Foto: Elektrizitätswerk Mittelbaden
  • Matthias Heck (v. l.), Technischer Geschäftsführer E-Werk Netze, Martin Wenz, Finanzvorstand E-Werk Mittelbaden, Markus Ibert, Oberbürgermeister der Stadt Lahr, Bernhard Palm, Vorstandsvorsitzender E-Werk Mittelbaden, und Stephan Förster, Kaufmännischer Geschäftsführer E-Werk Netze
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Lahr (st) Das E-Werk Mittelbaden schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Konzernumsatz von rund 565 Millionen Euro ab und liegt mit diesem Ergebnis über dem Vorjahresniveau in Höhe von rund 555 Millionen Euro. Die Ausschüttung für die Gesellschafter beträgt unverändert 9,8 Millionen Euro auf Basis des Bilanzgewinns der Elektrizitätswerk Mittelbaden AG & Co. KG in Höhe von 13,3 Millionen Euro. Die Gesellschafter thesaurieren 3,3 Millionen Euro für weitere Projekte für den Ausbau des Stromnetzes und für die Energie- und Wärmewende in der Region. Zusätzlich fließen 14,7 Millionen Euro Konzessionsabgabe und 4,1 Millionen Euro Gewerbesteuer direkt zur Finanzierung kommunaler Aufgaben in die Gemeindehaushalte.

2025 - ein Jahr der Spannungsfelder

Geopolitische Unsicherheiten haben die Märkte weltweit geprägt mit Auswirkungen auf das Energiesystem. Die Preisschwankungen im Energiesektor waren für alle Bürger spürbar. Nach wie vor bleibt die Versorgungssicherheit oberstes Gebot aller energiepolitischen Entscheidungen.

Der erfolgreiche Umbau und das Wachstum des Energiesystems haben das Jahr 2025 geprägt und zeigen sich daran, dass erneuerbare Energien zwischenzeitlich den Strommix dominieren. Der anhaltende PV-Boom hat diese Entwicklung beschleunigt. Je mehr erneuerbare Energien vorhanden sind, umso wichtiger sind Flexibilität, Speicher und konventionelle, witterungsunabhängige Erzeugungskapazitäten, um das System am Laufen zu halten. Das E-Werk Mittelbaden plant, in das Geschäftsfeld Batteriespeicher einzusteigen mit dem Wissen um die hohe Wirtschaftlichkeit und die damit verbundenen Herausforderungen und Risiken für den Netzbetrieb. Deshalb setzt das Unternehmen auf netzdienliche Batteriespeicher, die ihren Nutzen für das Gesamtsystem leisten. Leider stehen für den netzdienlichen Betrieb von Batteriespeichern die erforderlichen Vergütungssysteme noch nicht zur Verfügung.

2025 war ebenfalls gekennzeichnet durch den Hochlauf der Elektromobilität und der Wärmepumpen. Zeitgleich steigen die Anforderungen an die Netze, das Lastmanagement und die Systemsteuerung. Die Steuerung der Stromnetze wird immer mehr zum Schlüssel für die Versorgungssicherheit. Der Netzausbau ist aktuell die zentrale Herausforderung der Energiewende. Die Belastungen sind enorm: sowohl finanziell durch sehr hohen Investitionsbedarf als auch personell durch fehlende Fachkräfte und operativ durch angespannte Lieferketten. Durch die Energiewende und die Elektrifizierung vieler industrieller Prozesse steigen aktuell die Anforderungen an die Stromnetze schneller als Netzinfrastruktur geplant, genehmigt, finanziert und errichtet werden kann. Um technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, erneuern E-Werk Netze in diesem Jahr die Netzleitstelle – das Herz der Energieversorgung für die Region.

Erneuerbare Energien stärken die Versorgungssicherheit und bedeuten Unabhängigkeit von totalitären Regimen weltweit. Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergie, weil sie unabhängiger, resilienter und wettbewerbsfähiger machen. Gerade in der Region Mittelbaden, in der Industrie und Gewerbe stark vertreten sind, ist regionale Stromerzeugung entscheidend, um im Wettbewerb bestehen zu können. Deswegen muss in Mittelbaden der Ausbau der erneuerbaren Energien gestärkt werden. Das gilt insbesondere für die Windenergie, um auch im Winter die notwendige Energie zur Verfügung stellen zu können. Folgt die Industrie der Stromerzeugung, wird fehlende Erzeugung zum Standortnachteil.

2025 war mit 573 negativen Stunden ein Rekordjahr für negative Strompreise. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Zunahme um 25 Prozent, obwohl im Jahr 2025 die Sonne weniger schien und der Wind weniger blies im Vergleich zum Vorjahr. Zu erkennen ist, dass diese Entwicklung sich 2026 fortsetzt. Negative Preise verursachen hohe Kosten für Wirtschaft, Staat und Investoren.

Mit dem Bau von fünf Windenergieanlagen investierte das E-Werk Mittelbaden 2025 verstärkt in die regenerative Energieerzeugung und verfolgt die Strategie, Erneuerbare Energien dort auszubauen, wo es volkswirtschaftlich am sinnvollsten ist – am Ort des Verbrauchs. Die bestehenden Anlagen auf der Prechtaler Schanze sind um weitere drei Anlagen ergänzt, die Anfang 2026 in Betrieb gingen. Mit insgesamt neun Anlagen ist der Windenergiepark auf der Prechtaler Schanze aktuell der größte im Regierungsbezirk Freiburg. Auf dem Nillkopf in Fischerbach und dem Steigleskopf in Oberharmersbach entstehen jeweils eine Windenergieanlage, die noch in diesem Jahr ans Netz gehen sollen. Bei einer weiteren Windenergieanlage auf der Hornisgrinde haben die Fundamentarbeiten bereits begonnen.

In den kommenden Jahren wird das E-Werk Mittelbaden zusätzliche Windenergie- und PV-Anlagen an geeigneten Standorten errichten und hält an seinem Ziel fest, die Energiewende komplett mit regionalen Partnern umzusetzen. Kommunen, Bürgerinnen und Bürgern sowie regionalen Wirtschaftsunternehmen soll eine Beteiligung ermöglicht werden.

Dienstleistungssektor weiterhin auf Wachstumskurs

Im Dienstleistungssektor stellt das E-Werk Mittelbaden Angebote für Kunden bereit, die eigene Projekte mit regenerativen Energien oder Batteriespeichern umsetzen wollen.

Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs schreitet weiter fort. Die Anzahl an Elektrofahrzeugen bei den Personenkraftwagen nimmt zu und parallel dazu beginnt das Zeitalter der Elektrifizierung der LKW-Flotten. Das Ladesäulennetz im Versorgungsgebiet des E-Werks Mittelbaden ist sehr gut ausgebaut. Zum Jahresende 2025 umfasste es rund 200 Ladepunkte - davon 21 Schnellladepunkte. In Zusammenarbeit mit Gewerbekunden und Kommunen betreibt das E-Werk Mittelbaden mittlerweile über 650 Ladepunkte. Starke Nachfrage im Sektor Elektromobilität war auch in der Wohnungswirtschaft zu verzeichnen. Rückenwind kam hier vor allem durch entsprechende staatliche Förderprogramme.

Wärmewende - zentraler Hebel zur Transformation

Das E-Werk Mittelbaden setzt die Wärmewende in Offenburg, Lahr und Ettenheim um. Wärme ist ein zentraler Hebel der Transformation, wenn es darum geht, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Der Ausbau des Fernwärmenetzes in Offenburg geht unvermindert weiter. Von den Anfängen bis heute sind in Offenburg rund 30 Kilometer Fernwärmeleitungen verlegt. 2025 konnten vier Kilometer Fernwärmetrasse verlegt werden.

Moderne Blockheizkraftwerke (BHKW) speisen gleichzeitig thermische Energie in das Fernwärmenetz in Offenburg und elektrische Energie in das öffentliche Stromnetz ein. Der Wärmeabsatz erhöhte sich im Jahr 2025 um 7,7 Prozent und stieg von 33,5 Millionen Kilowattstunden auf 36,1 Millionen Kilowattstunden. Durch konsequente Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung der Heizkraftwerke wird die Primärenergie von über 95 Prozent Energieeffizienz optimal verwertet. Das geschieht, indem sowohl Strom als auch nutzbare Wärme gleichzeitig erzeugt werden. Die intelligente Kombination aus Wärmepumpentechnologie, Abwärmenutzung und CO₂-freiem Strombezug steigert die Energieeffizienz zusätzlich. So leisten die Anlagen einen erheblichen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und zur zukunftsfähigen, dezentralen Energieversorgung sowie Netzstabilisierung in Offenburg.

Stromnetze – Schlüssel für die Versorgungssicherheit

Der Netzausbau ist derzeit die größte Herausforderung der Energiewende. Stromnetze müssen in der Lage sein, verstärkt den dezentral erzeugten Strom sicher aufnehmen und verteilen zu können. Der Um- und Ausbau des Stromverteilnetzes erfolgt daher in großen Schritten: 2025 invertierten E-Werk Netze GmbH & Co. KG die Rekordsumme von 54,1 Millionen Euro in den Um- und Ausbau des Stromnetzes – so viel wie nie zuvor.

Die Nachfrage von Netzanschlusskapazitäten im Versorgungsgebiet von E-Werk Netze – insbesondere für Batteriespeicher und LKW-Ladesäulen – ist 2024/2025 sprunghaft angestiegen. Der Absatz von Wärmepumpen stieg um 55 Prozent und avancierte damit zur aktuell beliebtesten Heizungstechnik. Infolge hoher Kosten für konventionelle Kraftstoffe stieg die Anzahl der E-Fahrzeuge. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, insbesondere durch PV- und Windenergieanlagen, verändert die Energielandschaft gravierend und stellt Netzbetreiber vor große Herausforderungen.

Durch die stetig steigende Nutzung erneuerbarer Energien sind immer mehr dezentrale Erzeugungsanlagen im Verteilnetz von E-Werk Netze angeschlossen. Nach einem ungebremsten Zubau von mehr als 2.800 PV-Anlagen im Jahr 2025 hält der Boom an PV-Anlagen auch 2026 unvermindert an. Zum Jahresende 2025 waren 30.553 Solaranlagen im Versorgungsgebiet von E-Werk Netze gemeldet.

Entscheidend dabei ist, dass der zeitgleiche Bedarf an Strom seit mehreren Jahren unverhältnismäßig stark steigt im Vergleich zum möglichen Tempo des dafür notwendigen Netzausbaus, der mehrjährige Planungs-, Genehmigung- und Bauzeiten umfasst. Betroffen davon ist die Region Mittelbaden. E-Werk-Netze beziehen die Energie aus dem 110-kV-Netz des vorgelagerten Netzbetreibers, in dem aktuell der Netzengpass besteht. Um den steigenden Strombedarf und die damit verbundenen Netzanschlussfragen besser bewältigen zu können, existiert seit Herbst 2025 eine Taskforce. In diesem Gremium arbeiten Netze BW, E-Werk Netze, das Umweltministerium Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium Freiburg und der Regionalverband zusammen mit dem Ziel, gemeinsam Lösungsstrategien zu erarbeiten und umzusetzen.

Durch den Einsatz moderner Schaltstationen und fortschrittlicher Steuerungstechnik erhöht E-Werk-Netze die Betriebssicherheit signifikant und schafft zugleich eine wesentliche Grundlage für das digitale Stromnetz der Zukunft. Für eine stabile Versorgung ist es erforderlich, die Ein- und Ausspeisung von Energie kontinuierlich zu überwachen und präzise zu steuern, um insbesondere die Netzfrequenz konstant zu halten. Vor diesem Hintergrund wird das Netz zunehmend mit digitaler Mess- und Steuertechnik ausgestattet, deren zuverlässiger Betrieb sichergestellt werden muss. Die Gewährleistung der IT-Sicherheit als Bestandteil kritischer Infrastruktur ist dabei unverzichtbar. Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen ist daher auch in den kommenden Jahren mit weiter zunehmenden Investitionen zu rechnen. Ergänzend dazu setzen E-Werk Netze Drohnen ein zur effizienten Vor-Ort-Überwachung des Netzes, was sich insbesondere bei schwer zugänglichen Standorten als Vorteil erweist.

Moderner Messstellenbetrieb – eine Säule des Netzes

Im Jahr 2025 bauten E-Werk Netze weitere 21.566 moderne Messeinrichtungen ein, was einem deutlichen Zuwachs von rund 23 Prozent auf nunmehr insgesamt 113.768 moderne Messeinrichtungen entspricht. Der Einbau intelligenter Messsysteme wurde fortgeführt und nahm mit der vollständigen Umsetzung der zugrundeliegenden IT-Systeme 2025 deutlich an Fahrt auf. Ende 2025 waren 3.526 intelligente Messsysteme durch E-Werk Netze einsatzbereit im Netz verbaut.

Ende 2025 sind insgesamt 117.294 moderne Zähler im Netz verbaut. Das entspricht 48,8 Prozent aller Zähler im Netz. Der Austausch der noch vorhandenen konventionellen Zähler wird in den nächsten fünf Jahren erfolgen.

Das Geschäftsjahr 2025 war geprägt von einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld mit erheblichen Preisschwankungen an den Energiemärkten. Nach einem zunächst rückläufigen Preisniveau entwickelten sich die Strombörsenpreise im Jahresverlauf volatil und erreichten zum Jahresende wieder das Ausgangsniveau. In diesem Umfeld konnte das E-Werk Mittelbaden durch seine vorausschauende Beschaffungsstrategie punkten und die stabile Marktposition in der Region behaupten. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelang es dem Unternehmen, die Absatzmenge um 4,3 Prozent zu steigern.

Zum 1. Januar 2025 senkte das E-Werk Mittelbaden die Preise in der Grundversorgung spürbar und damit setzte damit ein klares Signal zur Entlastung der Kunden.

Insgesamt zeigt sich, dass das E-Werk Mittelbaden auch unter volatilen Marktbedingungen seine strategische Ausrichtung erfolgreich umsetzt: Wachstum im Vertrieb, konsequente Kundenorientierung sowie eine solide Preisstrategie bilden weiterhin die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des Unternehmens.

Rechenzentren Appenweier und Lahr

Das erste Rechenzentrum der LEITWERK Rechenzentren Appenweier/Lahr GmbH in Appenweier erreichte bereits Anfang 2025 seine Vollauslastung, so dass 2025 mit dem Bau des zweiten Rechenzentrums in Lahr begonnen werden konnte. Mit Blick auf die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz wird das Rechenzentrum in Lahr bereits „KI-ready“ gebaut. Moderne KI-Anwendungen erfordern leistungsfähige Infrastrukturen mit hoher Energieverfügbarkeit, effizienten Kühlkonzepten und skalierbaren Architekturen. Das Rechenzentrum schafft hierfür die Voraussetzungen und bietet Unternehmen sowie öffentlichen Einrichtungen eine zukunftsfähige Plattform für daten- und rechenintensive Workloads.

Die Baumaßnahmen starteten im Juni 2025; Fertigstellungstermin und Inbetriebnahme sind für das Jahr 2027 geplant. Mit einer IT-Fläche von rund 600 Quadratmetern bietet es Platz für rund 230 Racks. Dabei liegt das Augenmerk auf einer ressourcenschonenden Strom- und Kühlnutzung und damit auf einer positiven CO2-Bilanz beim Rechenzentrumsbetrieb. Eine PV-Anlage auf dem Dach des Gebäudes ist zum Start schon geplant und versorgt das Rechenzentrum zusätzlich zu dem vom E-Werk Mittelbaden gelieferten Ökostrom selbst mit vor Ort produzierter regenerativer Energie. Insbesondere im kommunalen Umfeld ergeben sich durch die fortschreitende Digitalisierung effektive Marktchancen.

Zahlen, Daten und Fakten

Im Geschäftsjahr 2025 betrug der Konzernumsatz rund 565 Millionen Euro. Die Investitionen lagen bei 82,7 Millionen Euro – ein neuer Rekordwert. Der Jahresüberschuss des E-Werk-Mittelbaden-Konzerns betrug rund 18,5 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 562 Mitarbeiter, davon 44 Auszubildende.

Der Stromabsatz im Netzgebiet betrug 2.336.100 Megawattstunden (MWh). Die Erzeugung durch regenerative Energien lag bei 688.830 MWh. Die eigenen regenerativen Stromerzeugungsanlagen des E-Werk Mittelbaden lieferten 78.703 Megawattstunden Strom.

Das Versorgungsgebiet des E-Werk Mittelbaden umfasst zum Berichtszeitraum rund 388.959 Einwohner. Im Netzgebiet des E-Werk Netze sind insgesamt mehr als 9.250 km Leitungen verlegt.

Der Finanzbericht des E-Werk Mittelbaden und die Kennzahlen gibt es hier.

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