Grimmelshausenausstellung
Aus Weltliteratur wird Erlebnis für die Sinne
- Die Erstausgabe des „Simplicissimus“ – eine Leihgabe der Familie Graf – zählt zu den zentralen Exponaten der neuen Dauerausstellung.
- Foto: Denise Burkart/Stadt Oberkirch
- hochgeladen von Matthias Kerber
Oberkirch (st) Mit einer feierlichen Veranstaltung wurde am vergangenen Freitagabend, 20. März, die neue Dauerausstellung „Grimmelshausen und der Abenteuerliche Simplicissimus – Weltliteratur aus Oberkirch“ im Heimat- und Grimmelshausenmuseum eröffnet. Die Präsentation eröffnet einen neuen, anschaulichen Zugang zu Leben und Werk des Barockschriftstellers und ist ein bedeutender Beitrag im Heimattagejahr 2026. Zahlreiche Gäste aus Kultur, Wissenschaft und Stadtgesellschaft nahmen an der Eröffnung teil und erhielten erste Einblicke in die neu konzipierte Ausstellung.
Ausstellung als zentrales Projekt im Jubiläumsjahr
Die Eröffnung steht im Kontext eines besonderen Jahres für Oberkirch: 2026 wird unter anderem der 350. Todestag von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen begangen. Der Autor lebte fast zwei Jahrzehnte in der Stadt und verfasste hier große Teile seines weltbekannten Romans „Der abenteuerliche Simplicissimus“. Oberbürgermeister Gregor Bühler betonte in seinem Grußwort die besondere Bedeutung der Ausstellung im Rahmen der Heimattage: „Sie ist eines der Highlights der Heimattage und eröffnet einen neuen, innovativen Zugang zu einem großen Barockschriftsteller.“ Zugleich unterstrich er, dass es ein zentrales Anliegen gewesen sei, Grimmelshausen im Jubiläumsjahr erlebbar und sichtbar zu machen und neue Zugänge zu seinem Werk zu schaffen.
Den Auftakt der Veranstaltung bildeten musikalische Beiträge von Franz Schüssele, der mit Stücken auf historischen Instrumenten einen Bezug zur Zeit des 17. Jahrhunderts herstellte und damit den passenden Rahmen für die Eröffnung setzte. Bevor Bühler offiziell zur Ausstellung begrüßte, führt der offizielle Heimattage-Trailer in das Jubiläumsjahr ein und an zentrale Orte Grimmelshausens‘ Wirkens: zum Silbernen Stern in dem er als Wirt arbeitete, zum Denkmal am Alten Rathaus, zu den Reben und zur Schauenburg für die er als Verwalter zuständig war, zur Moos mit ihrer gepriesenen Aussicht und schließlich in den Garten des Gaisbacher Schlosses.
Im weiteren Verlauf ordneten Prof. Dr. Peter Heßelmann, Präsident der Grimmelshausen-Gesellschaft, sowie Prof. Dr. Thomas Schmidt, Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg, die Ausstellung fachlich ein. Heßelmann gab dabei Einblicke in die Arbeit der Grimmelshausen-Gesellschaft, die sich seit ihrer Gründung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Dichter und seinem Werk widmet, und würdigte die Neugestaltung des Museums als wichtigen Impuls für die weitere Beschäftigung mit Grimmelshausen.
Schmidt hob hervor, dass Grimmelshausens Werk bis heute eine besondere Aktualität besitze und gerade im Umgang mit Krieg und Krisen zeige, wie es gelingen könne, durch Sprache Abstand zu gewinnen und die Welt kritisch zu reflektieren. „Ein neuer Ort für die Literatur im Literaturland Baden-Württemberg – und ohne Zweifel auch hier in der Ortenau ein neuer Ort für die Weltliteratur.“
Museumsleiterin Dr. Irmgard Schwanke führte in die Konzeption ein und machte deutlich, dass die neue Ausstellung weit über das klassische Präsentieren von Büchern hinausgeht. „Es ist eine Literaturausstellung entstanden, die die wertvollen, alten Bücher nicht nur in Vitrinen präsentiert, sondern mit digitalen Animationen dazu einlädt, Buchinhalte kennenzulernen und in die Welt Grimmelshausens einzutauchen.“
Im Anschluss an den offiziellen Teil im freche hûs nutzten die Gäste die Gelegenheit, die Ausstellung bei einem Rundgang zu erkunden und beim Stehempfang ins Gespräch zu kommen.
Neue Wege der Vermittlung
Die neue Dauerausstellung setzt gezielt auf eine anschauliche und niedrigschwellige Vermittlung. Digitale Animationen, interaktive Elemente und szenische Inszenierungen ermöglichen einen direkten Zugang zu Werk und Zeit Grimmelshausens. Die Präsentation zeigt, dass der „Simplicissimus“ weit mehr ist als eine Darstellung des Dreißigjährigen Krieges. Als Abenteuerroman, Satire und Erzählung mit mystischen und fantastischen Elementen eröffnet er vielfältige Perspektiven. Schwanke betonte, dass die Ausstellung bewusst darauf ausgerichtet sei, Inhalte verständlich und zugleich unterhaltsam zu vermitteln, da sich gerade auf diesem Weg auch komplexe Themen erschließen lassen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Person Grimmelshausens und seinem Lebensweg. Von den Erfahrungen im Dreißigjährigen Krieg bis zu seinem Wirken als Schriftsteller, Wirt und Verwalter wird deutlich, wie eng sein Leben mit Oberkirch verbunden war. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, welche literarischen Einflüsse ihn prägten und wie es ihm gelang, trotz begrenzter Schulbildung ein bedeutendes Werk zu schaffen.
Zentrale Bedeutung kommt der präsentierten Erstausgabe des „Simplicissimus“ zu, die als Leihgabe von der Familie Graf aus Oberkirch zur Verfügung gestellt wurde. Ihre Inszenierung unterstreicht den Stellenwert des Werkes als frühe deutschsprachige Weltliteratur. Ergänzend wird die internationale Wirkung des Autors sichtbar, dessen Bücher in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden und bis heute nachwirken.
Die Ausstellung verfolgt zudem ein vielschichtiges Konzept mit unterschiedlichen Vertiefungsebenen. Neben grundlegenden Informationen bieten interaktive Stationen, Hörangebote und digitale Anwendungen die Möglichkeit, sich intensiver mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Räume wie die „Einsiedelei“ greifen Motive aus dem Werk auf und schaffen eine besondere Atmosphäre, in der Besucherinnen und Besucher die Texte auf neue Weise entdecken können.
Die neue Dauerausstellung wurde in den vergangenen Monaten umfassend neu konzipiert und gestaltet. Die Umsetzung erfolgte durch das Büro filamente aus Münster, das aus einem Gestaltungswettbewerb hervorging. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 400.000 Euro. Gefördert wurde das Projekt mit Landesmitteln durch die Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg (Deutsches Literaturarchiv Marbach). An der inhaltlichen Ausarbeitung waren unter anderem wissenschaftliche Einrichtungen sowie Studierende beteiligt.
Das Heimat- und Grimmelshausenmuseum ist dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.





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