Willi Stächele im Rückblick über einen für die Stadt Oberkirch wichtigen Zeitraum
Baureife der Umfahrung war 1997 ein wichtiger Schritt

Die B28-Umfahrung von Oberkirch beschäftigte die Gremien Jahrzehnte, 1997 gelang es, die Baureife zu erwirken.
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Oberkirch (dh). Das Jahr 1997 war für den Guller ein besonderes und auch für Willi Stächele. Damals betrieb er den Wahlkampf, um weiterhin auf dem Chefsessel im Oberkircher Rathaus zu sitzen. "Es ging um meine zweite Wiederwahl, allerdings war ich erstmals auch Landtagsabgeordneter. Es war nicht klar, wie beim Wähler die Doppelfunktion als Landtagsabgeordneter und Bürgermeister akzeptiert wird", so der Politiker, der mittlerweile in Achern lebt. Dabei habe jedes Amt vom jeweils anderen profitiert: "Als Landtagsabgeordneter habe ich genau gewusst, was vor Ort, in den Städten und Kommunen und beim Bürger los ist. Meine politischen, praxiserprobten Erfahrungen als Bürgermeister konnte ich gleichermaßen im Landtag einbringen – eine richtige Win-Win-Situation. Für meinen Wahlkreis und für Oberkirch habe ich mich immer eingesetzt."

Das Geburtsjahr des Gullers hatte für den Politprofi damals Höhen und Tiefen. Die Wähler gaben ihm am 25. September 1997 das Vertrauen für seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Oberkirch. "Bis zur Verpflichtung musste ich aber rund zehn Monate warten, ein Dauerkandidat ist gegen die Wahl vorgegangen", sagt Stächele zurückblickend. Weniger schön war für ihn persönlich am Jahresanfang sein Achillessehnenriss. Ausgerechnet am Rosenmontag musste er in die Klinik und wurde am Aschermittwoch operiert. "Das ist das Schlimmste, was mir an Fasent passieren kann", kommentiert Willi Stächele das Ereignis, das für einen Fasnachter wie ihn, einer großen Katastrophe gleichkommt. Seine Diskussionsbeiträge an Fasent haben die fünfte Jahreszeit bereichert und gezeigt, wie viel Humor der Mann aus dem Dorf Rheinweiler im Markgräflerland hat.

Dort war er in der katholischen Jugend, Ministrant und Fußballer in der A-Jugend. Als Gymnasiast war er bereits im Männerchor und Schülersprecher am Gymnasium in Müllheim. Bereits mit 21 Jahren saß er im Kreistag in Lörrach, studierte Rechts- und Staatswissenschaften, wurde 1979 Staatsanwalt und ein Jahr später Beauftragter des Justizministeriums in der Landesvertretung in Bonn. Der politische Weg, sein Vater war Bürgermeister, begann. 1981 erfolgte erstmals die Wahl zum Bürgermeister von Oberkirch, bald darauf wurde er Kreisvorsitzender der CDU in der Ortenau. In seiner zweiten Amtsperiode wurde Stächele 1992 erstmals in den Landtag gewählt.

Stächele blickte immer gerne über den Tellerrand hinaus. "Gewerbeflächen auszuweisen war damals nicht leicht. Die Grundstücke waren nicht einfach dafür zu bekommen, die bisherige Nutzung war ein hoch zu schützendes Gut. Ein interkommunaler Flächennutzungsplan mit Renchen und Appenweier, beziehungsweise ein gemeinsames Gewerbegebiet, war politisch nicht einfach durchzusetzen. Es gab den Vorwurf, ich wolle die Arbeitsplätze in Oberkirch nicht sichern", so Stächele. Es sollten andere Möglichkeiten kommen, denn 1994 hatte er vom Befehlshaber der französischen Garnison persönlich den Räumungsbefehl für deren Streitkräfte erhalten. Ein Dokument, welches er jetzt bei der Durchsicht seiner Ordner wieder entdeckte und dem Archiv der Stadt Oberkirch überlassen möchte. Die Verständigung mit den Nachbarn war ihm immer schon wichtig, das zeigte sich nicht zuletzt mit den Oberkircher Europagesprächen: "Heute braucht es eine neue Begeisterung für Europa."

Eine andere Idee, die 1997 als Zukunftsvision aktuell war und für Willi Stächele heute nicht weniger, ist ein gemeinsames Freizeithallenbad. Appenweier und Renchen sollten mit ins Boot. "So eine Einrichtung fehlt hier im Raum noch immer."

Was Stächele selbst Jahrzehnte beschäftigte, mittlerweile aber realisiert wurde, ist die Umfahrung von Oberkirch: "Wichtig war, diese überhaupt wieder in den vordringlichen Bedarf zu bekommen und dann die Baureife herzustellen. Letzteres gelang 1997. Bis zum Baubeginn sollte es aber noch lange dauern." Die weiteren Schritte erlebte Stächele dann als Mitglied der Landesregierung. Der Abschied aus Oberkirch kam 1998, als Erwin Teufel inmitten der Legislaturperiode das Kabinett umgestaltete. Willi Stächele wurde Staatssekretär mit Kabinettsrang sowie Chef der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund und des Informationsbüros des Landes in Brüssel. Als Mann aus einer Fasenthochburg wurde er am genau passenden Tag vereidigt, es war der 11. November 1998. "Ich habe nie Worte für die Ewigkeit abgegeben, für mich war es eine neue Herausforderung, die so 1997 nicht abzusehen war", so Stächele, der in der Folge mehrere Ministerämter bekleidete. Aus dem EnBW-Deal, den er mit unterschrieb, zog er später nach einem Gerichtsurteil Konsequenzen, er trat als Landtagspräsident zurück. "Zuerst haben damals alle gratuliert", so Stächele, der dann aber miterlebte, wie sich Meinungen und Stimmungen drehten. Stächele kennt die Höhen und Tiefen der Politik: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", sagt der Landespolitiker, am Freitag feierte er selbigen Geburtstag.

Autor:

Daniel Hengst aus Lahr

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