Neuinszenierung von „Die Wunderübung“ auf der Burgbühne
"Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren"

Das Stück „Die Wunderübung“ lebt vom rasanten Wortgefecht der drei Schauspieler (von links) Ingo Lachmann, Arthur Hilberer und Silvia Käshammer.
  • Das Stück „Die Wunderübung“ lebt vom rasanten Wortgefecht der drei Schauspieler (von links) Ingo Lachmann, Arthur Hilberer und Silvia Käshammer.
  • Foto: Johanna Graupe
  • hochgeladen von Matthias Kerber

Oberkirch (gj). Wenn Joana und Valentin Dorek zum Eheberater kommen, sind sie so ziemlich am Rande des Nervenzusammenbruchs und balancieren an ihrer letzten Möglichkeit entlang. Aber weil sie imstande sind, im Lauf des neuinszenierten Stücks „Die Wunderübung“ von Daniel Glattauer ihre anfängliche Liebe zu beschwören, gelingen ihnen Szenen der Annäherung sehr berührend. Drei Schauspieler kämpfen, spielen, unterhalten auf hohem Niveau in dem Stück des Erfolgsautors Glattauer, das auch erfolgreich verfilmt wurde.

Paartherapie

Joana (Silvia Käshammer) und Valentin (Ingo Lachmann) haben sich eigentlich nichts mehr zu sagen, ihre Beziehung ist am Tiefpunkt angelangt. Die Stimmung im Therapieraum des Therapeuten – eisig. Aber Joana hat eine ganze Menge über Valentin zu sagen, und der muss sich verteidigen und schießt treffsicher zurück. Doch da Joana immer schon vorher weiß, was ihr Ehemann sagen will, sorgt sie mit einem Redeschwall dafür, dass er oft gar nicht erst zu Wort kommt. Die bekannten Klischees von Frauen, die nicht zuhören und ständig reden, von Männern, die nicht zu Wort kommen, von Seitensprüngen und der Reue darüber - sie alle werden hier genüsslich aufgefächert. Der Therapeut (Arthur Hilberer) versucht, mit Übungen und Tricks das Eis zu brechen. Am unterhaltsamsten sind die Szenen, in denen Valentin und Joana bei Übungen, etwa mit Handpuppen, lernen sollen, sich in den anderen hineinzuversetzen - und hoffnungslos scheitern. Erst als der Therapeut selbst durch einen Anruf seiner Gattin aus dem Gleichgewicht geworfen wird, tauen die harten Krusten auf, denn plötzlich wenden sich alle dem wesentlich interessanteren Ehedrama des Paartherapeuten zu.

Feinfühlig und witzig

Feinfühlend ironisch und mit witzigen Wendungen und auf jeden Fall mit Sympathie und einer Ahnung davon, was Beziehungen auch nach Jahren noch zusammenhält und wie man verschlossene Herzen öffnet, führt der bekannte Autor Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind“) ins Labyrinth zwischenmenschlicher Beziehungen. Beziehungsprobleme und die Tricks der Paartherapeuten dürfte Glattauer gut kennen, er hat selbst eine Ausbildung zum psychosozialen Berater absolviert. Und eine herrliche Rolle ist auch sein Therapeut, der sich als genialer Vertreter seines Faches erweisen wird, etwa, wenn er genussvoll einen Joghurt verspeist, während seine Klienten in eine Meditationsübung vertieft sind. Oder wenn er ihre sprachlichen Entgleisungen auf den Boden der therapeutischen Realität zurückholt: "Sie haben eine außergewöhnlich lebendige Streitkultur auf hohem Niveau." Die streitbare Ehefrau Joana drückt es so aus: "Lieber dreimal verglühen als einmal erfrieren."
Ein witziges Stück, das vom rasanten Wortgefecht der drei Schauspieler lebt unter der Regie von Arthur Hilberer und Johanna Graupe.
Aufführungstermine sind Mittwoch, 2. Oktober (Premiere), Freitag und Samstag, 4. und 5. Oktober, sowie Freitag, 11. Oktober, jeweils um 20 Uhr, und am Sonntag, 13. Oktober, um 19 Uhr in der Burgbühne "s'freche hus" in Oberkirch.
Karten gibt es im Bürgerbüro der Stadt Oberkirch, Telefon 07802/82700, allen Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse und unter www.ortenaukultur.de.

Autor:

Matthias Kerber aus Offenburg

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