Christiane Hollnberger ist Glaserin und Innungsobermeisterin
Wenn Not am Mann ist, packt sie selbst mit an

Als Obermeisterin der Glaser-Innung liegt Christiane Hollnberger insbesondere die Ausbildung der Jugendlichen am Herzen. „Das war meine Hauptmotivation, den Posten zu übernehmen“, sagt sie.
  • Als Obermeisterin der Glaser-Innung liegt Christiane Hollnberger insbesondere die Ausbildung der Jugendlichen am Herzen. „Das war meine Hauptmotivation, den Posten zu übernehmen“, sagt sie.
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Oberkirch. „Am Anfang sind die Männer schon skeptisch. Wenn sie dann aber merken, dass man was kann, sind die Vorbehalte schnell verschwunden“, beschreibt Christiane
Hollnberger ihre Erfahrungen mit männlichen Kollegen. Die 52-Jährige ist
nicht nur Geschäftsführerin von Hollnberger Fensterbau in Oberkirch,
sie ist auch Obermeisterin der Glaser-Innung Ortenau. Sie liebt ihren
Beruf und vor allem den Werkstoff Holz, hat es als Frau in einer
Männerdomäne aber nicht immer ganz leicht.

Ihr Urgroßvater legte 1906 mit einer kleinen Glaserei im Nebenhaus der „Oberen Linde“ den
Grundstein für den Handwerksbetrieb, der heute als Spezialist für
Holzfensterbau, Glaserei, Rollläden, Jalousien und Markisen gilt. Mit
dem Umzug von der Josef-Geldreich-Straße in die Raiffeisenstraße im Jahr
2004 übernahmen Christiane Hollnberger und ihr Mann Bernd die
Geschäftsführung. 23 Mitarbeiter zählt der Familienbetrieb mittlerweile,
darunter Hollnbergers Sohn, ihr Neffe und ihre Schwester, bis vor
kurzem auch ihre Tochter. „Manchmal hilft uns auch noch mein Vater, der
ist mit seinen 77 Jahren noch sehr aktiv“, erzählt sie. „Die Familie ist
unsere Stärke. Das spüren unsere Mitarbeiter und unsere Kunden“,
unterstreicht Hollnberger.

Schon als Grundschulkind ist Christiane Hollnbeger gern mit ihrem Vater in die Werkstatt gegangen und hat Fenster gestrichen oder ihm auch bei Kunden geholfen auszumessen.
Sie war sogar so begeistert dabei, dass sie das Gymnasium zugunsten
einer Glaser-Lehre, Fachrichtung Fenster- und Fassadenbau,  abgebrochen
hat. „Ich wollte einfach hinein in den Beruf“, erinnert sie sich. Eine
mögliche Geschäftsführung hatte sie damals noch nicht im Kopf. Als
zweite Bundessiegerin schloss sie schließlich ihre Lehre ab, die
Meisterschule folgte. „In der Lehre waren wir zwei Mädchen, auf der
Meisterschule war ich das einzige unter 42 Jungs“, erinnert sie sich.
Probleme mit ihren männlichen Schulkollegen hatte sie aber eher selten.
„Vielmehr habe ich mich damals schon an den Umgangston auf den
Baustellen gewöhnt. Da kann mich nichts mehr schocken“, sagt sie
lachend.

Schwierigkeiten dagegen hatte sie anfangs mit der körperlichen Anstrengung, die eine Frau doch sehr an ihre Grenzen bringen kann. Zum Glück ist Christiane Hollnberger aber sehr sportlich.
Sie ist passionierte Inline-Skaterin, geht gern ins Fitnessstudio und
fährt Mountainbike. In früheren Jahren war der Fußball ihre große
Leidenschaft, aktiv war sie in der Damen-Mannschaft in Oberkirch. Dass
sie sich damit wieder in einer Männerdomäne äußerst wohl fühlte, erklärt
sie folgendermaßen: „Ich wäre gern als Junge auf die Welt gekommen. Ich
fand das schon immer irgendwie cooler.“

Christiane Hollnberger ist eine Chefin, die selbst auch anpackt, wenn Not am Mann ist: „Das
passiert meist ein Mal im Jahr. Dann zeige ich Flagge, krempele die
Ärmel hoch und gehe in die Werkstatt.“ Am liebsten bereitet sie das Holz
vor, schleift und lackiert es. „Es ist die Kombination aus vielem, die
mich dann reizt, sei es die Auswahl des Holzes, dessen Zuschnitt, dessen
Duft und auch die körperliche Anstrengung“, berichtet sie. Hinzu käme
der Vorteil fast jeden Handwerks: „Am Abend sieht man, was man geschafft hat.“

Fragt man Christiane Hollnberger nach ihren Hobbys, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich würde wahnsinnig gern singen können.“ Das tut sie aber nur allein im Auto. „Oder wenn meine Tochter dabei ist, die toleriert mich“, erzählt sie und kann sich ein Lachen
nicht verkneifen. Tatsächlich kann man Christiane Hollnberger aber auch
abends in ihrer Freizeit in der Werkstatt antreffen: „Insbesondere in
der kalten Jahreszeit, wenn mir der Sport draußen fehlt, muss ich mich
bewegen und etwas Kreatives tun, gern auch zusammen mit Freundinnen.“
Dann entstehen meist Stelen, mal groß, mal klein, die die Werkstoffe
Holz und Glas miteinander verbinden. „Ich experimentiere aber noch“,
beschwichtigt Hollnberger, die ihre Arbeiten meist an Familie und
Freunde verschenkt. „Mein Manko ist es, dass ich Inspiration von außen
brauche, die ich selbst abwandeln und verfeinern kann.“ Wie beim
Kleiderkauf, da ist es Christiane Hollnberger auch am liebsten, wenn sie
das kaufen kann, was zuvor schon zusammen dekoriert war.

Autor: Daniela Santo

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