200 Schüler lauschen
Thomas Hettche erzählt über sein Leben als Autor
- Autor Thomas Hettche erzählte aus seinem Leben als Schriftsteller und diskutierte mit den Schülern. Moderiert wurde die Veranstaltung von Deutschlehrerin Julia Schilling.
- Foto: Kaufmännischen Schulen Offenburg
- hochgeladen von Matthias Kerber
Offenburg (st) Allzu oft wird beklagt, dass sich die Schüler im Deutschunterricht mit Pflichtlektüren auseinandersetzen müssten, deren Ursprung weit in der Vergangenheit liegt. Mehr als 200 Schüler der Berufskollegs der Kaufmännischen Schulen Offenburg, der HLS und der Gewerblich-Technischen Schule Offenburg hatten nun jedoch die Gelegenheit, mit Thomas Hettche einem Verfasser einer Schullektüre leibhaftig gegenüberzusitzen und Fragen stellen zu können. „Die Liebe der Väter“ heißt das Werk, das verpflichtend auf dem Lehrplan steht und das sich um einen Vater dreht, der die Möglichkeit bekommt, mit seiner 13-jährigen Tochter, die er seit seiner Trennung elf Jahre zuvor kaum gesehen hat, eine Woche auf Sylt zu verbringen.
Einblick in Entstehungsprozess
Nach einer kurzen Lesung aus dem Roman stellte sich der Autor den vielen Fragen seiner Zuhörer. Ausführlich gab er Einblicke in den Entstehungsprozess des Werkes. So habe er beispielsweise die Ich-Perspektive gewählt, da er als Vater zweier Töchter sich so seiner Hauptfigur näher fühle, zumal er so auch eigene Erfahrungen verarbeiten konnte – ohne den Roman als biographisch betrachten zu wollen. Dennoch habe er den Roman geschrieben, um das Herz seiner Tochter zu gewinnen. Auch seine Erfahrungen als junger Stipendiat auf Sylt hätten ihn und seine Beschreibungen nachhaltig beeinflusst. Andere Aspekte des Schreibens konnte der 60-jährige Autor seinem jungen Publikum ebenfalls nahebringen: dass es bei ihm ungefähr vier Jahre von der Idee bis zur Veröffentlichung dauere, dass er zwar Anfang und Endpunkt kenne, sich dazwischen aber vieles verändere – und er aus Aberglauben nichts über neue Vorhaben verrate.
Plastisch schilderte er auch seinen Lebensweg, etwa, dass er aus einem bildungsfernen Haushalt stammend und mit teils unschönen Schulerfahrungen eher ungeplant begonnen habe, Romane zu schreiben.
Für die Schüler sicherlich eine interessante Aussage dürfte auch Hettches Einlassung, dass es ihm beim Schreiben nicht um Botschaften gehe, sondern um den Umgang mit dem Leben, gewesen sein.
Deutschlehrerin Julia Schilling, die die Veranstaltung moderierte, zeigt sich ausgesprochen zufrieden mit der gelungenen Veranstaltung. Sowohl Thomas Hettche als auch seinem Publikum war die Freude an dem Gespräch ebenfalls anzumerken, dem Autor blieb es aber vorbehalten seinen Lesern noch das Lesen als solches ans Herz zu legen, da man beim Lesen eines Buches – anders als bei Filmen oder Serien – seine eigenen Bilder gestalte, der Leser habe hierbei selber Macht.






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