Bluttat in Offenburg
Tötungsdelikt rückt Partnergewalt in den Fokus

Die Anteilnahme für die getötete Ukrainerin in Offenburg ist groß. | Foto: mak
  • Die Anteilnahme für die getötete Ukrainerin in Offenburg ist groß.
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Offenburg Ein ruhiges Wohngebiet im Nordosten von Offenburg. Die Sonne scheint. Alles ist friedlich. Einzig die mit roter Farbe auf die Straße gesprühten Zahlen und Kreuze sowie die an der Ecke einer Garageneinfahrt abgelegten Blumen und aufgestellten Kerzen sind stumme Hinweise auf die Tragödie, die sich am Montag dort abgespielt hat. Eine 36-jährige Ukrainerin stirbt, nachdem ein 33-jähriger Türke, mit dem sie zuvor eine Beziehung hatte, mutmaßlich auf sie schoss und sich danach selbst richtete (wir berichteten).

Kein Einzelfall

Häusliche Gewalt, die gemäß der Polizeilichen Kriminalstatistik in Baden-Württemberg als Partnergewalt definiert wird, unabhängig davon, ob die Beziehung noch besteht, ist im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 1.012 Fälle erfasst. Davon entfielen 682 Fälle auf Körperverletzungen, 174 Fälle auf Bedrohungen, 49 Fälle auf Nachstellen/Stalking, das auch dem Tötungsdelikt vom Montag nach dem Ende der Beziehung voranging, sowie vier Straftaten gegen das Leben. "Im Jahr 2025 wurden insgesamt zwei versuchte sowie zwei vollendete Tötungsdelikte registriert. Alle vier Opfer waren weiblich", teilt das Polizeipräsidium auf Guller-Nachfrage mit. Das entspricht den Zahlen aus den Vorjahren.

Bei Körperverletzungen bezogen auf Partnergewalt geht die Polizei nach 685 Fällen im Jahr 2024 und 682 Fällen in 2025 für 2026 von einer steigenden Tendenz aus. Ebenso im Bereich Stalking. Hierbei registrierten die Beamten 86 Fälle in 2023, 109 in 2024 und 127 im vergangenen Jahr. "Derzeit haben wir rund 300 Personen, die im Bereich Partnergewalt besonders auffällig sind", sagt Polizeivizepräsident Sigurd Jäger auf Nachfrage. Der Anteil der Mehrfachtäter, zu denen auch der mutmaßliche Todesschütze vom Montag zählt – im März dieses Jahres erstattet laut Polizei eine weitere Frau Anzeige wegen Stalkings gegen den Mann –, liege in den vergangenen fünf Jahren konstant zwischen 11,5 und 13 Prozent. Konstant ist auch der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen im Bereich Partnergewalt – 43,8 Prozent im Jahr 2023, 42,6 Prozent in 2024 und 44,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Trotz des umfangreichen Zahlenwerks geht die Polizei von einer hohen Dunkelziffer im Bereich häuslicher Gewalt/Partnergewalt aus. Als mögliche Ursachen nennt sie Angst vor den Folgen einer Anzeige, emotionale Bindung, Scham- und Schuldgefühle sowie Abhängigkeiten.

Der Deliktsbereich habe eine hohe Priorität. Auf operativer Ebene gebe es bei den Polizeirevieren speziell geschulte Ansprechpartner. Im Polizeipräsidium sei darüber hinaus eine spezielle Koordinierungsstelle eingerichtet worden, bei der alle Informationen zusammenlaufen und bewertet werden, heißt es abschließend.

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