33 Jahre in US-Haft
Jens Söring hilft heute Menschen, Krisen zu meistern

Jens Söring zu Gast im Hotel "Liberty" | Foto: mak
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Offenburg "Es war unfassbar still." So beschreibt Jens Söring seine erstes Aufwachen in Freiheit nach 33 Jahren Haft in US-Gefängnissen. Dort saß er eine zweimal lebenslange Haftstrafe für die Ermordung der Eltern seiner damaligen Freundin ab. 2019 wird die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt und Söring nach Deutschland abgeschoben. Er selbst beteuert bis heute seine Unschuld und kämpft um seine Rehabilitierung.

Knapp vier Jahre nach seiner Haftentlassung arbeitet Söring als Coach, Redner und Buchautor. Er will Menschen helfen, Lebenskrisen zu meistern. Mentale Stärke, Resilienz und Zukunftsmut will er in seinen Vorträgen und Auftritten vermitteln. Sein eigener Fall dient dabei als Folie. "Wir sind alle viel stärker als wir glauben", ist sich der heute 56-Jährige sicher. "Ich war mit 19 Jahren ein schwacher und unreifer Junge, der nichts von der Welt verstand, als ich in Haft kam", erzählt er im Gespräch mit der Guller-Redaktion. Man brauche ein Ziel, das einen motiviere, jeden Tag aufzustehen. "Mein Ziel war es, meine Unschuld zu beweisen", sagt er. Mit Hilfe der Resilienzforschung schafft er es, in Haft nicht zu verzweifeln. Er schreibt insgesamt sechs Bücher, fünf davon in Haft sowie rund 50 Artikel.

Haftzeit einen Wert geben

Seine Haftzeit solle nicht zum schwarzen Loch werden, erklärt Söring seine Motivation mit seiner Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen. Auch deshalb nimmt er in Deutschland keine neue Identität an. "Das wäre eine Lebenslüge. Wenn ich jetzt meine Erfahrungen weitergeben kann, haben die 33 Jahre Haft einen Wert. Es geht um Authentizität", erklärt er. Und weiter: "Ich möchte mit meinem Coachingansatz den Menschen vermitteln: 'Wenn ich das schaffe, dann kann es jeder schaffen.' Ich bin kein besonderer Mensch. Ich hoffe, dass meine Geschichte Menschen hilft." Als Resilienz-Coach, als Autor und Redner bestreitet Söring seinen Lebensunterhalt. "Wenn mich sowieso jeder nach meiner Geschichte befragt, dann kann ich auch Geld dafür nehmen", sagt er mit einem Lachen und Augenzwinkern. Aber nicht nur den Haftalltag zu überstehen, war schwer, sondern auch der Weg zurück in die Freiheit. "Corona hat mir das Ankommen in der Freiheit erleichtert", erzählt er mit einem Lachen. Es habe alles ein wenig entschleunigt.

Am 4. und 5. Juli, jeweils um 19 Uhr, erzählt Jens Söring über seine Erfahrungen mit der Todesstrafe, Supermax-Gefängnissen und der Brutalität hinter Gittern im Hotel "Liberty". Der Diplomatensohn Jens Söring wird 1990 im US-Bundesstaat Virginia wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Söring, der nach Flucht und Festnahme in Großbritannien 1986 zunächst ein Geständnis abgelegt, widerruft dieses mit Prozessbeginn 1990, nachdem er nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte unter der Voraussetzung, nicht zum Tode verurteilt zu werden, an die USA ausgeliefert wird. Seitdem beteuert er seine Unschuld und kämpft um seine Rehabilitierung. 2019 kommt der heute 56-Jährige nach insgesamt mehr als 33 Jahren Haft auf Bewährung frei und wird nach Deutschland abgeschoben. Der heutige Coach und Auto kommt ins Hotel "Liberty"

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