Angedacht: Ihr Begleiter durch die Woche
Mal zurücktreten und der Zeit Raum lassen

Simon Schilling
Simon Schilling

Er wird immer wieder gefordert, sei es nach verlorenen Wahlen, nach Wortbrüchen oder nach gravierenden Fehlern: der Rücktritt.

In der Politik wird die Forderung zurückzutreten wohl am häufigsten laut. Ob sie immer gleich berechtigt ist und ob ein eventueller Rücktritt tatsächlich unumgänglich ist, liegt dabei meist im Auge des Betrachters.

Einen ungewöhnlichen Rücktritt legte vor ziemlich genau fünf Jahren Papst Benedikt XVI. hin. Glaubt man der Berichterstattung, schien er gespürt zu haben, dass er mit seinen Anliegen in der römischen Kurie, aber auch mit seinen Kräften an Grenzen stieß. Die Folge: Er trat zurück, was für einen Papst außergewöhnlich ist.

Der Unterschied zwischen den Rücktrittsforderungen in der Politik und dem Rücktritt Benedikts? Benedikts Rücktritt wurde nicht lautstark von revoltierenden Kardinälen verlangt, sondern war wohl das Ergebnis längerer Reflexion und fußte auf der Erkenntnis, dass der Kirche ein anderer Papst jetzt mehr helfen kann.

Freiwillig einen Schritt zurücktreten ist sicherlich keine leichte Übung. Ob in der Politik, in der Wirtschaft oder im sozialen Bereich, ob als Projektleiter oder Vorarbeiter: Die Einblicke und Befugnisse, die man in den entsprechenden Positionen bekommt, die Verantwortung zu gestalten, machen Freude, erfüllen das eigene Leben mit Sinn und eröffnen schließlich neue Möglichkeiten.
Dazu fällt mir ein Zitat von Ignatius von Loyola ein: „Der Versucher kommt unter dem Vorwand des Guten.“ Ahnte er vielleicht schon damals unsere Anfälligkeit, alles mit Verantwortlichkeiten oder Terminen vollzupflastern, weil ja so Vieles spannend, gut und wichtig ist?

Ich möchte diese Anfälligkeit in der gerade stattfindenden Fastenzeit zu meinem persönlichen Übungsfeld machen: Mal nicht auf jeden Zug aufspringen, der interessant wirkt. Mich zurücklehnen, wenn andere erzählen, was man alles gesehen oder erlebt haben muss. Den Fernseher einfach mal auslassen, auch wenn ein Kracher aus der Champions-League übertragen wird.

Ich möchte einfach mal etwas zurücktreten und der Zeit Raum lassen… Ich bin gespannt, was dann passiert!

Simon Schilling
Pastoralreferent,
Seelsorger in der
JVA Offenburg

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